"Gott ist mit uns, Gott liebt uns, Gott geht mit uns"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 577 klicks

Der Heilige Vater Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

Nach dem Angelus-Gebet kündigte der Heilige Vater seine Absicht an, vom 24. zum 26. Mai dieses Jahres eine Wallfahrt ins Heilige Land zu unternehmen, um der Begegnung zwischen Papst Paul VI. und Patriarch Athinagoras vor 50 Jahren zu gedenken.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am heutigen Sonntag erinnert uns die Liturgie durch den Prolog des Johannesevangeliums an den tieferen Sinn des Weihnachtsfests. Jesus ist das Wort Gottes, das Mensch geworden ist und sein „Zelt“, seine Heimstatt unter uns Menschen aufgeschlagen hat. Der Evangelist schreibt: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14). In diesen Worten, die nie aufhören werden, uns in Staunen zu versetzen, ist das ganze Christentum enthalten! Gott ist ein Sterblicher geworden, zerbrechlich wie wir, hat unser menschliches Dasein geteilt, in allem, bis auf die Sünde; doch hat er unsere Sünden auf sich genommen, als seien es seine eigenen. Er ist in unsere Geschichte eingetreten, ist auf vollkommene Weise der Gott geworden, der mit uns ist! Die Geburt Jesu zeigt uns also, dass Gott sich mit jedem Menschen hat vereinen wollen, mit jedem Mann und jeder Frau, jedem von uns, um uns an seinem Leben und seiner Freude teilhaben zu lassen.

Gott ist also mit uns, Gott liebt uns, Gott geht mit uns. Das ist die Weihnachtsbotschaft: Das Wort ist Fleisch geworden. So offenbart Weihnachten uns die grenzenlose Liebe Gottes für die Menschen. Daher kommen auch der Enthusiasmus und die Hoffnung von uns Christen, die wir in unserer Erbärmlichkeit wissen, dass wir geliebt sind, dass Gott uns besucht und begleitet; deshalb betrachten wir die Welt und die Geschichte als den Ort, wo wir zusammen und mit ihm unterwegs sind, auf einer Wanderschaft zum Himmel und zur erneuerten Erde. Mit der Geburt Jesu ist eine neue Verheißung entstanden, eine neue Welt; aber auch eine Welt, die immer wieder erneuert werden kann. Gott ist immer mit uns und ruft neue Menschen hervor, um die Welt von der Sünde zu reinigen, die sie alt macht, die sie schlecht macht. Auch wenn die Geschichte der Menschheit und die jedes Einzelnen von uns von Schwierigkeiten und Schwächen gezeichnet ist, sagt uns der Glaube an die Menschwerdung, dass Gott zu den Menschen und ihrer Geschichte hält. Diese Nähe Gottes zu den Menschen, zu jedem Menschen, ist ein Geschenk, das nie vergeht! Er ist mit uns! Er ist der Gott, der uns begleitet! Und diese Nähe wird nie vergehen. Das ist die frohe Botschaft des Weihnachtsgeschehens: Das göttliche Licht, das die Herzen der Jungfrau Maria und des heiligen Josef erfüllte und die Schritte der Hirten und der Weisen lenkte, leuchtet uns auch heute noch.

Im Mysterium der Menschwerdung des Gottessohns gibt es auch einen Aspekt, der an die Freiheit des Menschen gebunden ist; an die Freiheit von uns allen. Denn das Wort Gottes schlägt sein Zelt unter uns auf, die wir Sünder sind und der Barmherzigkeit bedürfen. Wir alle müssten uns beeilen, die Gnade zu empfangen, die er uns bietet. Stattdessen sagt das Johannesevangelium: „Die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11). Auch wir lehnen ihn oft ab und ziehen es vor, in unseren Fehlern und im Elend unserer Sünden zu verharren. Doch Jesus gibt nicht auf und fährt fort, uns sich selbst und seine rettende Gnade anzubieten! Jesus ist geduldig, Jesus kann warten, er wartet immer auf uns! Dies ist eine Botschaft der Hoffnung und des Heils, die alt ist und zugleich immer neu bleibt. Und wir sind dazu berufen, mit Freude diese Botschaft des Evangeliums des Lebens und des Lichts, der Hoffnung und der Liebe zu verkünden. Denn die Botschaft Jesu ist genau das: Leben, Licht, Hoffnung, Liebe.

Maria, Gottes Mutter und unsere zärtliche Mutter, steh uns immer bei, damit wir unserer christlichen Berufung treu bleiben und unsere Wünsche nach Gerechtigkeit und Frieden, die wir zu Beginn dieses neuen Jahres in uns tragen, verwirklichen können.

[Nach dem Angelus:]

Brüder und Schwestern!

In diesem Klima der Freude, das für die Weihnachtszeit typisch ist, will ich bekannt geben, dass ich vom 24. bis zum 26. Mai dieses Jahres, so es Gott gefällt, eine Wallfahrt ins Heilige Land unternehmen werde. Ziel dieser Reise ist hauptsächlich, der historischen Begegnung zwischen Papst Paul VI. und dem Patriarchen Athinagoras zu gedenken, die heute vor genau 50 Jahren stattfand, auch an einem 5. Januar. Die geplanten Etappen dieser Reise sind drei: Amman, Betlehem und Jerusalem. Drei Tage. Am Heiligen Grab werden wir ein ökumenisches Treffen mit den Vertretern aller christlichen Kirchen Jerusalems begehen, an dem auch der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus, teilnehmen wird. Schon heute bitte ich euch, für diese Wallfahrt zu beten, die eine Gebetswallfahrt sein wird.

In den vergangenen Wochen habe ich aus aller Welt zahlreiche Glückwünsche zu Weihnachten und Neujahr empfangen. Ich würde gern alle beantworten, aber leider ist es unmöglich! Deshalb will ich von Herzen allen Kindern danken, die mir ihre schönen Zeichnungen zugeschickt haben. Sie sind wirklich schön! Kinder malen schöne Bilder! Sehr, sehr schön! Den Kindern danke ich zuerst. Dann danke ich den Jugendlichen, den Senioren, den Familien, den Pfarrgemeinden, den religiösen Orden, den Vereinen, den Bewegungen und allen Gruppen, die mir ihr Wohlwollen und ihre Nähe haben beweisen wollen. Ich bitte alle, dass sie weiterhin für mich beten, denn ich brauche es, und betet auch für diesen Dienst für die Kirche.

Und jetzt grüße ich von Herzen alle Pilger, die heute hier sind, besonders den Verein der Katholischen Lehrer Italiens: Ich ermutige ich zu eurer Arbeit als Erzieher, denn sie ist sehr wichtig! Ich grüße die Gläubigen aus Arco di Trento und Bellona, die Jugendlichen aus Induno Olona und die Gruppen aus Crema und Mantua, die mit behinderten Menschen arbeiten. Ich grüße auch die zahlreiche Gruppe der brasilianischen Seeleute.

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!