"Gott ist mit uns und hat noch immer Vertrauen in uns!"

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 535 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

Die heutige Generalaudienz ist die letzte des Jahres. Seit dem 30. März hat Papst Franziskus 30 Generalaudienzen gehalten, für die die Präfektur des Päpstlichen Hauses 1.548.500 Eintrittskarten verteilt hat; die tatsächliche Anzahl der Besucher war aber oft weitaus höher, manchmal bis zu 100.000 Teilnehmern, sodass Bildschirme auf der Piazza Pio XII und auf der Via della Conciliazione aufgestellt werden mussten, damit alle zusehen konnten.

In seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache stellte der Papst das nahe Weihnachtsfest in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.

Nach einer Zusammenfassung in verschiedenen Sprachen wandte sich Papst Franziskus mit einem besonderen Gruß an die anwesenden Gruppen von Gläubigen.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunsers und dem apostolischen Segen.

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Unser Treffen findet im geistigen Klima der Adventszeit statt, die durch die Weihnachtsnovene, die uns auf dem Weg zum Fest begleitet, noch mehr an Feierlichkeit gewinnt. Deshalb will ich heute mit euch über die Geburt Jesu nachdenken, dem Fest der Zuversicht und der Hoffnung, das alle Zweifel und jeden Pessimismus überwindet. Und der Grund für unsere Hoffnung ist folgender: Gott ist mit uns, und Gott hat noch immer Vertrauen in uns! Überlegt euch das mal: Gott ist mit uns und hat noch immer Vertrauen in uns! Wie großzügig ist doch Gott, unser Vater! Gott kommt, um unter den Menschen zu wohnen, sucht sich die Erde als Wohnstatt aus, um mit den Menschen zu sein und sich dort antreffen zu lassen, wo die Menschen ihre Tage in Freude und Leid verbringen. Darum ist die Erde nicht mehr nur ein „Tal der Tränen“, sondern der Ort, an dem Gott selbst sein Zelt aufgeschlagen hat, der Ort, an dem Gott die Menschen trifft, der Ort der Solidarität zwischen Gott und den Menschen.

Gott hat unser menschliches Dasein teilen wollen und ist in der Person Jesu Mensch geworden, wahrer Mensch und wahrer Gott. Doch es gibt eine noch überraschendere Tatsache. Die Gegenwart Gottes unter den Menschen hat sich nicht in einer idealen, idyllischen Welt verwirklicht, sondern in dieser realen Welt, die von vielen guten und bösen Dingen, von Uneinigkeit, Grausamkeit, Armut, Krieg und Gewalt gezeichnet ist. Er hat beschlossen, Teil unserer Geschichte zu werden, so wie sie ist, mit all ihren Fehlern und Dramen. Dadurch hat er auf unübertreffliche Weise seine barmherzige und liebevolle Zuneigung für die menschlichen Geschöpfe bewiesen. Er ist der Gott, der mit uns ist; Jesus ist der Gott, der mit uns ist. Glaubt ihr es? Lasst uns es bekennen: Jesus ist der Gott, der mit uns ist! Jesus ist der Gott, der seit immer und für immer mit uns ist, im Leid und in den Schmerzen der Geschichte. Die Geburt Jesu ist das sichtbare Zeichen dafür, dass Gott sich ein für alle Mal auf Seiten der Menschen gestellt hat, um uns zu retten, um uns aus dem Staub unserer Armeseligkeit, unserer Probleme, unserer Sünden zu erheben.

Daher kommt das große „Geschenk“ des Kindes von Betlehem: Es bringt uns eine geistige Kraft, eine Kraft, die uns hilft, nicht in unseren Mühen, unserer Verzweiflung und Trauer zu versinken, denn diese Kraft erwärmt und verwandelt unser Herz. Denn die Geburt Jesu bringt uns die schöne Botschaft, dass Gott uns unendlich liebt, jeden Einzelnen von uns, und diese Liebe teilt er uns nicht nur mit, sondern er schenkt sie uns, teilt sie mit uns!

Aus der freudigen Betrachtung des Mysteriums des Gottessohns, der unter uns geboren wird, können wir zwei Überlegungen ziehen.

Die erste ist: Wenn Gott sich zu Weihnachten nicht als der alles überragende Beherrscher des Weltalls offenbart, sondern als der, der sich erniedrigt und ganz klein und arm auf die Erde herabkommt, dann heißt das, dass wir, um ihm ähnlich zu sein, uns nicht erhöhen und über die anderen stellen dürfen, sondern im Gegenteil erniedrigen müssen, dienen müssen, klein unter den Kleinen und arm unter den Armen werden müssen. Wie hässlich ist es, einen Christen zu sehen, der sich nicht erniedrigen will, der nicht dienen will. Ein Christ, der sich aufbläst, ist etwas sehr Hässliches: Das ist kein Christ mehr, sondern ein Heide! Der Christ dient und erniedrigt sich. Wir müssen dazu beitragen, dass diese unseren Brüder und Schwestern sich nie allein fühlen!

Der zweite Gedanke ist: Wenn Gott in Jesus sich soweit mit den Menschen verbunden hat, dass er einer von uns wurde, bedeutet das auch, dass wir alles, was wir unseren Brüdern und Schwestern antun, ihm zufügen. Jesus selbst hat es uns gesagt: Wer einen der geringsten, ärmsten Menschen gespeist, aufgenommen, bekleidet, geliebt hat, der hat dies alles für Gottes Sohn getan.

Lasst uns auf die mütterliche Fürsorge Mariens vertrauen, die Jesu Mutter und unser aller Mutter ist, damit sie uns zum heiligen Weihnachtsfest, das nahe ist, helfe, in unserem Nächsten, vor allem in den schwachen und einsamen Menschen, das Bild des menschgewordenen Gottessohns zu erkennen. Danke!

(Übersetzt von Alexander Wagensommer)

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[Für die deutschsprachigen Pilger wurden folgende Grußworte auf Italienisch verlesen:]

Von Herzen begrüße ich die Pilger deutscher Sprache, heute besonders die Delegation des Landes Oberösterreich in Begleitung des Bischofs von Linz Ludwig Schwarz. Ihr habt das Friedenslicht von Betlehem mitgebracht. Es ist ein starkes Zeichen, das uns in unserem Vorsatz erleuchte, Licht der Welt zu sein, uns das Vertrauen und die Hoffnung authentischer Kinder Gottes ausstrahlen lasse und den Frieden Christi in unsere Familien und in unsere Nachbarschaft bringe. Gerne erbitte ich Gottes Segen und Gnade für euch und eure Lieben.

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