"Gott ist stets treu; Gott ist uns stets treu"

Katechese von Papst Franziskus während der Generalaudienz am 10. April 2013

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 743 klicks

Bei der Generalaudienz heute Morgen um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz traf der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammen.

In seiner in italienischer Sprache gehaltenen Rede setzte der Papst die dem Jahr des Glaubens gewidmete Katechesenreihe fort. Im Zentrum seiner Betrachtungen stand das Thema: „Am dritten Tag ist er auferstanden: Sinn und Ausmaß der Rettung der Auferstehung“.

Nach einer Zusammenfassung der Katechese in verschiedenen Sprachen erwies Papst Franziskus den anwesenden Gruppen von Gläubigen einen besonderen Gruß. Anschließend richtete er einen Appell zugunsten der von einem schweren Erdbeben betroffenen Bevölkerung im Süden des Iran.

Die Generalaudienz endete mit dem „Vaterunser“ und dem apostolischen Segen.

Die Katechese des Heiligen Vaters in deutscher Übersetzung:

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Liebe Brüder und Schwester, guten Tag!

Im Rahmen der Katechese vom vergangenen Mittwoch betrachteten wir das Ereignis der Auferstehung Jesu, in dem die Frauen eine besondere Rolle spielten. Heute möchte ich über das Ausmaß der Erlösung nachdenken. Welche Bedeutung hat die Auferstehung für unser Leben? Und warum ist unser Glaube ohne sie vergeblich? Unser Glaube gründet sich auf den Tod und die Auferstehung Christi gleich einem Haus, das auf seinen Fundamenten ruht: Wenn diese nachgeben, stürzt das gesamte Gebäude ein. Am Kreuz hat Christus sich selbst hingegeben, indem er unsere Sünden auf sich nahm und in die Tiefen des Todes hinabstieg. In der Auferstehung besiegt er sie, befreit uns von ihnen und ebnet uns den Weg für unsere Geburt in ein neues Leben. Dies hat der hl. Petrus am Beginn seines ersten Briefes mit folgenden Worten zusammengefasst: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben und das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe empfangen, das im Himmel für euch aufbewahrt ist“ (1, 3-4).

Den Worten des Apostels zufolge hat sich mit der Auferstehung Jesu etwas vollkommen Neues ereignet: Aus der Knechtschaft der Sünde befreit, werden zu Kindern Gottes und entstehen daher zu einem neuen Leben. Wann wird dies zur Wirklichkeit für uns? Im Sakrament der Taufe. In früherer Zeit erfolgte dies gewöhnlich durch Eintauchen. Der zu Taufende stieg unbekleidet in das große Taufbecken, und der Bischof oder Presbyter begoss sein Haupt drei Mal mit Wasser und taufte ihn im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Daraufhin stieg der Getaufte aus dem Becken und legte das neue weiße Gewand an: Dieses Eintauchen in den Tod und die Auferstehung Christi war seine Geburt in ein neues Leben. Er war zu einem Sohn Gottes geworden. In seinem „Brief an die Römer“ schrieb der hl. Paulus: „Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,15). Der Heilige Geist, den wir bei der Taufe empfangen haben, lehrt uns und drängt uns zu folgendem Ruf zu Gott: „Vater“, d.h. „Abba!“, das so viel bedeutet wie „Papa“. So ist unser Gott: Er ist zu uns wie ein Papa. Der Heilige Geist verwirklicht in uns dieses neue Dasein als Kinder Gottes. Dabei handelt es sich um das größte Geschenk des Ostergeheimnisses Jesu. Gott behandelt uns wie Kinder; er versteht uns, verzeiht uns, umarmt und liebt uns auch dann, wenn wir Fehler begehen. Bereits im Alten Testament behauptete der Prophet Jesaja, dass selbst wenn eine Mutter ihren Sohn vergisst, Gott uns niemals vergisst (vgl. 49,15). Das ist von großer Schönheit!

Dennoch ist unsere Kind-Beziehung zu Gott nicht wie ein Schatz, den wir in einer Ecke unseres Lebens ruhen lassen. Vielmehr muss sie wachsen, Tag für Tag Nahrung erhalten durch das Vernehmen des Wortes Gottes, das Gebet, die Teilnahme an den Sakramenten, insbesondere jenes der Buße der Eucharistie und der Barmherzigkeit. Wir können als Kinder leben! Darin besteht unsere Würde – wir besitzen die Würde von Kindern. Uns wahrhaft wie Kinder zu verhalten bedeutet, jeden Tag zulassen, dass Christus uns verwandelt und uns an ihn angleicht; es bedeutet zu versuchen, trotz der Erkenntnis unserer Grenzen und unserer Schwäche als Christen zu leben, ihm nachzufolgen. Die Versuchung, Gott beiseite zu lassen und uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen, lauert stets im Hintergrund. Die Erfahrung der Sünde fügt unserem christlichen Leben, unserem Kind-Sein Gottes Wunden zu. Aus diesem Grund müssen wir den Mut zum Glauben haben und dürfen uns nicht leiten lassen von der Haltung, der der Gedanke entspringt: „Gott ist nicht notwendig, er ist nicht wichtig für dich“, usw. Genau das Gegenteil ist der Fall: Nur, wenn wir uns wie Kinder Gottes verhalten, ohne uns von unseren Stürzen und unseren Sünden entmutigen zu lassen, und uns geliebt von ihm fühlen, wird unser Leben eine Erneuerung erfahren und von Heiterkeit und Freude erfüllt sein. Gott ist unsere Stärke! Gott ist unsere Hoffnung!

Liebe Brüder und Schwestern, wir müssen als Erste diese feste Hoffnung in uns tragen und zu sichtbaren, klaren und leuchtenden Zeichen dafür werden. Der auferstandene Herr ist die Hoffnung, die niemals abnimmt und niemals enttäuscht (vgl. Röm 5,5). Die Hoffnung des Herrn enttäuscht nicht! Wie oft schwindet in unserem Leben die Hoffnung, wie oft bleiben unsere Herzenswünsche unerfüllt! Die Hoffnung von uns Christen ist stark, sicher, und fest verankert in dieser Erde, auf der Gott uns dazu berufen hat, unseren Weg zu gehen. Sie ist offen für die Ewigkeit, denn sie gründet sich auf Gott, der stets treu ist. Wir dürfen eines nie vergessen: Gott ist stets treu; Gott ist uns stets treu. Möge uns die Auferstehung mit Christus in der Taufe durch das Geschenk des Glaubens, für ein Erbe, das nicht verdirbt, dazu bewegen, dem Göttlichen verstärkt nachzuspüren, öfter an Gott zu denken, öfter zu ihm zu beten. Christsein reduziert sich nicht darauf, Gebote zu befolgen, sondern bedeutet, in Christus zu sein, wie er zu denken, zu handeln und zu lieben. Es bedeutet zuzulassen, dass er von unserem Besitz ergreift, es verändert, verwandelt und von der Finsternis des Bösen und der Sünden befreit.

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir nach der in uns lebenden Hoffnung gefragt werden (vgl. 1 Petr 3,15), verweisen wir auf Christus, den Auferstandenen durch seine Verkündigung mit unseren Worten, vor allem aber mit unserem Leben als Auferstandene. Offenbaren wir die Freude an unserem Dasein als Kinder Gottes, die Freiheit, die uns das Leben in Christus schenkt, die wahre Freiheit, die uns aus der Knechtschaft des Bösen, der Sünde und des Todes befreit! Durch das Schauen unserer Heimat im Himmel erhalten wir neues Licht und neue Kraft, die auch in unser Bemühen und unsere täglichen Mühen einströmen. Wir haben einen kostbaren Dienst für diese Welt zu vollbringen, der es oft nicht mehr gelingt, den Blick nach oben zu erheben, den Blick zu Gott zu erheben.