Gott ist unter uns, um unsere Wunden zu heilen

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 340 klicks

Die zentralen Punkte, die Papst Franziskus in der heutigen Predigt in Santa Marta in den Vordergrund seiner Überlegungen rückte, waren: Kontemplation, Nähe und Überfluss. Er sagte, man könne Gott nicht allein mit Intelligenz verstehen. Die „Herausforderung für Gott“ bestehe darin, sich in „in unser Leben einzumischen“, um unsere Wunden zu heilen, so wie Jesus dies getan habe. Papst Franziskus bezog sich in seinen Ausführungen auf den Brief des Apostels Paulus an die Römer (5,12.15b.17-19.20b-21). Wenn die Kirche etwas über das Mysterium Gottes sagen wolle, benutze sie dafür ein Wort: „wundervoll“.

„Sich in dieses Mysterium zu versenken, das sagt uns Paulus hier, über unsere Rettung, unsere Erlösung, das versteht man nur auf den Knien, in der Kontemplation. Nicht nur mit dem Verstand. Wenn der Verstadn ein Mysterium erklären möchte, wird sie immer – immer! – verrückt! Und so ist es auch in der Geschichte der Kirche passiert. Die Kontemplation: Verstand, Herz, Knie, Gebet … alles zusammen, um in das Mysterium einzutreten. Das ist vielleicht das erste Wort, das uns hilft.“

Das zweite Wort, das uns helfen möge, in das Mysterium einzutreten, sei die Nähe. Gott sei uns nah, denn es sei ein Mensch gewesen, der eine Sünde begangen habe, und es sei ein Mensch gewesen, der uns gerettet habe. Dies sei Gott, der uns nahe stehe. Seit dem ersten Moment, als der Herr Abraham ausgewählt habe, sei er neben seinem Volk hergegangen. Dies sehe man auch in Jesus, der die Arbeit eines „Handwerkers, eines Arbeiters“ verrichte.

„Das Bild, das mir dabei in den Kopf kommt, ist das einer Krankenschwester in einem Krankenhaus: Sie heilt die Wunden eine nach der anderen, aber mit ihren Händen. Gott bindet sich ein, er mischt sich unter unser Elend, nähert sich unseren Wunden und heilt sie mit seinen Händen, und um Hände haben zu können, ist er Mensch geworden. Es ist eine persönliche Arbeit Jesu. Ein Mensch hat die Sünde begangen, ein Mensch kommt, um ihn zu heilen. Nähe. Gott rettet uns nicht nur mit einem Dekret, einem Gesetz; er rettet uns mit Zärtlichkeit, mit Liebkosungen, mit seinem Leben, für uns“.

Der dritte Punkt sei der Überfluss. Dort, wo die Sünde im Überfluss vorhanden sei, gebe es noch mehr Gnade. Papst Franziskus sagte, jeder kenne sein Elend gut. Die Herausforderung Gottes sei, dies zu überwinden, die Wunden zu heilen, wie Jesus dies getan habe. Er gebe das Geschenk seiner Liebe und seiner Gnade. Man verstehe so „die Vorliebe Jesu für die Sünder“.

„Im Herzen dieser Menschen gab es die Sünde im Überfluss. Aber er ging zu ihnen mit dieser überbordenden Gnade und Liebe. Die Gnade Gottes gewinnt immer, denn er gibt sich selbst hin, er nähert sich, liebkost uns, heilt uns. Aus diesem Grund — vielleicht gefällt es einigen nicht, dies zu sagen — sind aber diejenigen, die dem Herzen Gottes näher stehen, die Sünder, denn er sucht sie und ruft sie: ‚Kommt! Kommt!‘ Und wenn sie ihn um eine Erklärung bitten, sagt er: ‚Diejenigen die gesund sind, brauchen den Arzt nicht; ich bin gekommen, um zu heilen, um zu retten.‘“

Abschließend sagte der Heilige Vater: „Einige Heiligen sagen, eine der hässlichsten Sünden sei das Misstrauen in Gott. Ich frage mich: Wie können wir einem so nahen Gott, einem so guten Gott, der unser Sünderherz vorzieht, misstrauen? Es ist nicht einfach, dieses Mysterium zu verstehen; man begreift es nicht mit dem Verstand. Vielleicht helfen uns diese drei Punkte: Kontemplation, Nähe und Überfluss. Es handelt sich um einen Gott, der immer mit Hilfe seiner überbordenden Gnade, seiner Zärtlichkeit, siegt, seinem Reichtum an Barmherzigkeit.“