Gott offenbart sich den Einfachen

Zu den Kleinen gehören, die wissen, dass sie Gott brauchen

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VATIKANSTADT, 7. Dezember 2011 (ZENIT.org). – Der „messiaische Jubelruf“ Jesu als Juwel im Beten des Herrn stand im Zentrum der Katechese bei der Generalaudienz, in der Papst Benedikt die Katechesenreihe über das Beten Jesu fortführte. In diesem Jubelruf würden seine innige Gemeinschaft mit dem Vater und seine Gottessohnschaft spürbar. Diese Seinsgemeinschaft sei die Voraussetzung dafür, ihn zu kennen. „Daher kann nur er aus seiner Sohnschaft, aus seinem Mitsein mit dem Vater uns sagen, wer er ist“, so der Papst.

Nur durch ihn könnten die Menschen  Wissen um Gott erwerben, das er in einer Umkehrung der Logik der Welt den Kleinen offenbare. In der Welt geschehe es so: „Zunächst geht man an die gescheiten, mächtigen Leute, und dann sickert es irgendwie auch zu den Kleinen durch. Gott macht es umgekehrt. Er geht nicht über die Mächtigen und Großen und Gelehrten; die Kleinen sind es, die Einfachen, denen er sich öffnet.“

Ihnen könne er sich öffnen, weil sie „näher an seinem Herzen sind, weil sie auf ihn warten und sich nicht selbst genügen, sondern wissen, dass sie nur ihn durch seinen Abstieg ihn sehen können.“

Um Gott zu erkennen, müsste man also einfachen Herzens sein und sich dessen bewusst, dass man Gott brauche. Auf dieses Angewiesensein antworte die Einladung des Herrn: „Kommt alle zu mir […]. Lernt von mir, denn ich bin von Herzen gütig und demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“ (Mt 11,28.29).

Diese Demut und Güte könne man von Jesus lernen. Innere Ruhe und Frieden finde man nicht durch besonderes Wissen oder Theorien, sondern durch die Gemeinschaft mit seiner Person, durch das Ähnlichwerden mit ihm und somit durch die Gemeinschaft mit Gott selbst.

Gott zeige sich denen, deren Herz auf ihn warte.[jb]

[Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung der Katechese:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute haben wir als Lesung bei dieser Audienz den sogenannten „messianischen Jubelruf“ Jesu gehört, seinen besonderen Dank und Lobpreis an den Vater, den uns die Evangelisten Matthäus und Lukas überliefert haben. Dieser Jubelruf ist ohne Zweifel ein Juwel im Beten des Herrn, das uns zugekommen ist. Deutlich sehen wir darin, greifen wir gleichsam die innige Gemeinschaft Jesu mit dem Vater und seine Gottessohnschaft: Jesus nennt Gott „Vater“, und er selbst ist der „Sohn“ und sagt uns: Nur der Sohn kennt den Vater, das heißt, kennen kann man nur jemanden, mit dem man in Seinsgemeinschaft steht; ohne eine Gemeinschaft des Seins, des Miteinanderseins geht auch keine Erkenntnis auf. Nur er ist so beim Vater, so eins mit ihm, dass er ihn wirklich kennt. Daher kann nur er aus seiner Sohnschaft, aus seinem Mitsein mit dem Vater uns sagen, wer er ist. Und nur durch ihn können wir dann auch um Gott wirklich wissen.

 Fragen wir uns nun: Wem offenbart er das? Den Kleinen. Das ist die Umkehrung der Logik in der Welt: Zunächst geht man an die gescheiten, mächtigen Leute, und dann sickert es irgendwie auch zu den Kleinen durch. Gott macht es umgekehrt. Er geht nicht über die Mächtigen und Großen und Gelehrten; die Kleinen sind es, die Einfachen, denen er sich öffnet. Ihnen kann er sich öffnen, weil sie näher an seinem Herzen sind, weil sie auf ihn warten und sich nicht selbst genügen, sondern wissen, dass sie nur durch sein Heruntergehen ihn sehen können. So sagt uns Jesus: Wenn wir Gott erkennen wollen, dann müssen wir – was immer wir sonst in der Welt sein mögen, gescheit oder dumm, groß oder klein – einfachen Herzens sein, reinen Herzens sein, müssen wir dahin kommen, dass wir zu diesen Kleinen gehören, die wissen, dass sie Gott brauchen, die auf ihn warten und die auf ihn offen sind.

Bei Matthäus folgt dann auf den Jubelruf die Einladung des Herrn: „Kommt alle zu mir […] Lernt von mir, denn ich bin von Herzen gütig und demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“ (Mt11,28.29). Von Jesus lernen – und was sollen wir lernen? Eben die Güte und die Demut, die wahre Reinheit des Herzens. Der Weg, den er uns zeigt und auf dem wir in allen Schwierigkeiten der Welt innere Ruhe und Frieden und Freude finden, ist der, nicht irgendetwas zu wissen, nicht Theorien zu erfinden, sondern ihm nachzugehen, ihm ähnlich zu werden, in die Gemeinschaft mit seiner Person und so mit dem lebendigen Gott selbst zu kommen, Kinder Gottes, Söhne Gottes, Töchter Gottes zu werden. Dann leben wir richtig, und dann können wir uns auch freuen, dass Gott sich denen zeigt, deren Herz auf ihn wartet.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Herzlich willkommen sage ich allen Pilgern und Besuchern aus den Ländern deutscher Sprache. In Christus dürfen wir mit kindlichem Vertrauen, wie er gesagt hat, Gott den Vater nennen. Im Gebet wollen wir unser Herz einfach machen, offen werden für Gottes Gaben und bereit, den Willen Gottes zu erfüllen, und so auch dann die innere Ruhe, die Freude finden. Nutzen wir dazu diese Zeit des Advents! Der Herr möge euch alle segnen, gesegneten Advent euch schenken!

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