Gott, unser Vater

Papst erklärt ersten Satz des Credo

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1098 klicks

In seiner Katechese während der Generalaudienz hat Papst Benedikt XVI. heute die Erklärung des Credo fortgesetzt. Er betrachtete die Zusätze zu „Ich glaube an Gott“, die lauten: den Vater, den Allmächtigen. Es sei heute besonders schwer, von dem Wort „Vater“ her ein Bild Gottes zu gewinnen, weil der Vater in unserer Gesellschaft kaum noch erscheine. Heute müsse man geradezu ein „Gleichnis vom verlorenen Vater“ schreiben, zitierte der Papst einen Theologen. Der Bezug auf die Gestalt des Vaters lasse etwas von Gottes Liebe verstehen, die größer ist als die eines jeden Menschen.

[Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung der Katechese:]

Liebe Brüder und Schwestern!

In den Betrachtungen über „Was ist Glaube?“ in diesem Jahr des Glaubens sind wir in der letzten Katechese beim Credo angelangt und haben den Satz „Ich glaube an Gott“ betrachtet. Das Wort „Gott“ ist dann versehen mit zwei Zusätzen: „den Vater, den Allmächtigen“. Und heute möchte ich diese beiden Titel, vor allem den Titel „Vater“ mit euch betrachten. Es ist heute schwer, von dem Wort „Vater“ her ein Bild Gottes zu gewinnen, weil der Vater in unserer Gesellschaft kaum noch erscheint. Ein Theologe hat gesagt, heute müsste man nicht nur das Gleichnis vom verlorenen Sohn, sondern ein „Gleichnis vom verlorenen Vater« schreiben. Er ist nicht mehr da oder verzerrt vorhanden. Was sagt uns das Wort „Vater“? Wenn wir es hier in unserer heutigen Wirklichkeit kaum noch wahrhaft überzeugend ausgedrückt finden – obwohl wir die Krise nicht vergröbern sollen –, so zeigt uns jedenfalls die Heilige Schrift das Urbild dessen auf, was Vater-Sein sein sollte, was Vater-Sein Gottes bedeutet. Der Bezug auf die Gestalt des Vaters lässt uns etwas von Gottes Liebe verstehen, die größer ist als die eines jeden Menschen. Die Schrift sagt uns: Schon vor der Erschaffung der Welt hat Gott uns geliebt, und er begleitet unser ganzes Leben mit seiner Liebe und Gnade. Er ist ein Vater, der seine Kinder nie verlässt, sondern sie in Liebe und Treue trägt und hält, der seine Sonne über Böse und Gute aufgehen lässt (vgl. Mt 5,45), der die Vögel des Himmels und die Blumen kleidet und der um uns nicht weniger sorgt als um Vögel und Blumen (vgl. Mt 6,26ff). In Jesus Christus wird das Gesicht des Vaters offenbar. Er ist das „Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15). In ihm können wir sehen, was Vaterschaft Gottes heißt. An Gott Vater glauben heißt, unter dem Wirken des Heiligen Geistes an den Sohn glauben. Gott ist für uns Vater, da er seinen Sohn für uns hingibt, unsere Sünden verzeiht und uns den Geist schenkt, der uns rufen lässt: „Abba, Vater“ (Röm 8,15). Im Ostergeheimnis leuchtet schließlich das Gesicht Gottes vollends auf. Und da ist nun das Wort von der Allmacht: Ist Gott wirklich allmächtig, wenn es so viel Böses in der Welt gibt, wenn es so eine ungeheure Macht des Negativen gibt? Viele zweifeln heute an der Allmacht Gottes. Aber Gottes Allmacht ist anders, als wir uns Macht vorstellen. Es ist nicht Macht, die zuschlägt, sondern Macht, die gütig ist, die Freiheit gibt und die heilt, die warten kann und die den anderen durch Liebe überzeugt. Gott hat einen Teil seiner Macht wirklich an uns abgetreten, als er uns die Freiheit gab, die er respektiert mit all ihren Konsequenzen. Freiheit ist ihm so kostbar, dass er auch diese Konsequenzen hinnimmt, und er, das ganze überblickend, weiß, dass er es kann und darf. Gottes Allmacht bedeutet, dass er auf unsere Bekehrung wartet, dass er nicht durch Gewalt uns vom Bösen abbringt, sondern durch die überzeugende Güte seines Erbarmens, durch die Güte seines Sohnes. Und ich glaube, wir sollten einmal darüber nachdenken, was das bedeutet: Gott wartet auf meine Bekehrung, wartet darauf, dass ich frei zu ihm komme, dass ich sein Gesicht erkenne, sein Herz erkenne, dass ich ihn lieben lerne und dadurch wahr werde. Und so ist er unser wahrer Vater, wie wir in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn sehen, der auch wartet, der seinem Sohn die Freiheit lässt, sich zu verlieren, wissend, dass in seinem Herzen die Sehnsucht nach dem Vater stark ist und das Böse überwinden wird. Lassen wir uns von dieser Art von Gottes Macht überzeugen. Nicht die Macht, dreinzuschlagen und zu zerstören, ist die wahre Macht, sondern die Macht, gütig zu sein und mit der Macht der Vergebung zu verwandeln. Das ist die wirkliche Allmacht, die Macht Gottes, der wir uns anvertrauen und die uns ruft, der wir mit unserer Freiheit antworten wollen.

Gerne heiße ich alle Besucher und Pilger deutscher Sprache willkommen. Bitten wir den Herrn, dass er uns im Glauben stärkt, im Glauben an seine Allmacht und an seine Liebe, dass wir so aus der Freiheit der Kinder leben im Vertrauen auf seine Liebe und sein Erbarmen, das uns das Heil bringt. Von Herzen segne ich euch alle.