"Gott will stets Barmherzigkeit allen Menschen gegenüber"

Die Worte des Papstes beim heutigen Angelus-Gebet

Castel Gandolfo, (ZENIT.org) | 528 klicks

Um 12.00 Uhr sprach der Heilige Vater Franziskus heute auf der Piazza della Libertà vor dem Apostolischen Palast von Castel Gandolfo gemeinsam mit den anwesenden Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren:

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[Vor dem Angelus]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

An diesem Sonntag vollzieht sich unsere Begegnung zum Angelus-Gebete hier in Castel Gandolfo. Ich begrüße die Einwohner dieser schönen Stadt und möchte euch vor allem für eure Gebete danken. Ebenso danke ich euch Pilgern, die ihr so zahlreich erschienen seid.

Das heutige Evangelium – Kapitel 10 der Apostelgeschichte nach Lukas – ist das bekannte Gleichnis des barmherzigen Samariters. Wie können wir uns diesen vorstellen? Es handelte sich um einen gewöhnlichen Mann, der sich auf dem Weg durch die Wüste von Judäa von Jerusalem nach Jericho begab. Kurz zuvor hatten auf diesem Weg Räuber einen Mann überfallen, ausgeraubt, niedergeschlagen und halbtot liegen gelassen. Vor dem Samariter waren ein Priester und ein Levit, und somit zwei mit dem Kult im Tempel des Herrn betraute Männer, vorbeigekommen. Sie sahen ihn, gingen jedoch weiter. Als der Samariter den Mann sah, „hatte er“ nach dem Evangelium „Mitleid“ (Lk 10,33). Er ging zu ihm, goss etwas Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn in eine Herberge, und bezahlte ihm die Unterkunft. Er nahm sich somit seiner an: Dies ist ein Beispiel der Nächstenliebe. Doch warum wählte Jesus einen Samariter als Protagonisten des Gleichnisses aus? Diese Wahl ist darauf zurückzuführen, dass die Samariter von den Juden aufgrund unterschiedlicher religiöser Traditionen verachtet wurden. Dennoch lässt Jesus erkennen, dass das Herz dieses Samariters gut und großzügig ist – im Unterschied zu dem des Priesters und des Leviten. Er setzt den Willen Gottes in die Praxis um, der eher Barmherzigkeit als Opfer will (vgl. Mk 12,33). Gott will stets Barmherzigkeit allen Menschen gegenüber, nicht Verurteilung. Er will Barmherzigkeit des Herzens, denn er ist barmherzig und kann unser Elend, unsere Schwierigkeiten und auch unsere Sünden gut verstehen. Schenke uns allen dieses von Barmherzigkeit erfüllte Herz! Genau so verhält sich der Samariter: Er ahmt die Barmherzigkeit Gottes nach, die Barmherzigkeit jenen gegenüber, die sie benötigen.

Ein Mann, der diese Lehre des Evangeliums voll und ganz verwirklichte, ist jener Heilige, dessen liturgisches Gedenken wir heute begehen: der hl. Camillo de Lellis, der Gründer der „Gesellschaft der Diener der Kranken“, Schutzpatron der Kranken und der im Krankendienst tätigen Menschen. Der hl. Camillo starb am 14. Juli 1614. Gerade heute wird das 400-jährige Gedächtnis eröffnet, das in einem Jahr enden wird. Mit großer Zuneigung begrüße ich alle geistlichen Söhne und Töchter des hl. Camillo, die sein Charisma der Barmherzigkeit Tag für Tag im Umgang mit den Kranken leben. Seid wie er barmherzige Samariter! Mögen auch die Ärzte, das Krankenpflegepersonal und alle jene, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen tätig sind, von diesem Geist beseelt sein. Mit dieser Hoffnung wende ich mich vertrauensvoll an die Fürsprache der hl. Maria.

Ebenso empfehle ich der Gottesmutter gemeinsam mit euch ein weiteres Anliegen in Zusammenhang mit dem bevorstehenden Weltjugendtag in Rio de Janeiro an. Ich sehe viele gemessen an ihren Lebensjahren junge Menschen, doch in eurem Herzen seid ihr alle jung! Ich werde in acht Tagen meine Reise nach Brasilien antreten, doch viele junge Menschen werden bereits vor mir ankommen. Beten wir daher für diese große Pilgerreise, die beginnt, auf dass Unsere Liebe Frau von Aparecida, Patronin Brasiliens, die Schritte der Teilnehmer lenke und ihre Herzen öffne, damit sie die Sendung annehmen, die Christus ihnen geben wird.

[Nach dem Gebet des Angelus]

Liebe Brüder und Schwestern,

ich vereine mich im Gebet mit den Kardinälen und Gläubigen der Kirche in der Ukraine, die in der Kathedrale von Lutsk anlässlich des 70. Jahrstages des Massakers von Wolhynien zu einer Bittmesse versammelt sind. Die von der Ideologie des Nationalismus im Rahmen des 2.Weltkrieges verursachten Bluttaten forderten Tausende von Menschenleben und fügten den brüderlichen Beziehungen zweier Völker – des polnischen und des ukrainischen – schwere Wunden zu. Ich vertraue der Barmherzigkeit Gottes die Seelen der Opfer an. Für die jeweiligen Völker erbitte ich die Gnade einer tiefgehenden Versöhnung und einer heiteren Zukunft im Zeichen der Hoffnung und der aufrichtigen Zusammenarbeit am gemeinsamen Bau des Reiches Gottes.

Ich denke auch an die Hirten und Gläubigen, die an der Pilgerfahrt der Familie von Radio Maria nach Jasna Góra, Częstochowa, teilnehmen. Ich vertraue euch dem Schutz der Muttergottes an und segne euch von Herzen.

Mit Zuneigung begrüße ich die Gläubigen von der Diözese Albano! Ich erflehe ihren Schutz bei ihrem Schutzpatron, dem hl. Bonaventura, dessen Gedenktag die Kirche morgen feiert. Möge es ein schönes Fest werden, alles Gute! Ich heiße alle hier versammelten Pilger willkommen: die Gruppen von Pfarrgemeinden, die Familien, die jungen Menschen, besonders jene aus Irland, und die zu einem internationalen Zusammentreffen nach Rom gereisten gehörlosen jungen Menschen.

Von Herzen begrüße ich die Ordensfrauen aus Santa Elisabetta und wünsche ihnen eine fruchtbare geistliche Erneuerung. Ebenso gilt mein Gruß den Apostelinnen Jesu des Heiligsten Herzens Jesu mit Familien aus verschiedenen Ländern, den zum Generalkapitel versammelten Töchtern der göttlichen Liebe sowie den Oberinnen der Don-Bosco-Schwestern.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag und eine gesegnete Mahlzeit!