Gottes Stil sind Barmherzigkeit und Geduld

Papst Franziskus übernimmt den Bischofssitz von Rom

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 645 klicks

Am Nachmittag des Zweiten Sonntags in der Osterzeit (oder seit Johannes Paul II. „Barmherzigkeits-Sonntag“) feierte Papst Franziskus eine hl. Messe zur Inbesitznahme der Kathedra des Bischofs von Rom in der Lateranbasilika, dem offiziellen römischen Bischofssitz.

Der Heilige Vater wurde im Vikariats-Palast von Kardinal Agostino Vallini, dem Generalvikar seiner Heiligkeit für die Diözese Rom und Erzpriester der päpstlichen Lateranbasilika, dem Bürgermeister von Rom, Giovanni Alemano, und zwei Vertretern der „Comune Roma“ willkommen geheißen. In der Basilika selber wurde er von den Kanonikern begrüßt. Neben Kardinal Vallini konzelebrierten mit dem Papst Camillo Ruini, emeritierter Generalvikar seiner Heiligkeit für die Diözese Rom, Mitglieder des Bischofskollegiums sowie weitere Diözesan-Pfarrer.

In seiner Predigt konzentrierte sich Papst Franziskus in Anlehnung an den Festtag auf das Thema der göttlichen Barmherzigkeit des Tagesevangeliums. Barmherzigkeit und Geduld seien die wichtigsten Kennzeichen des göttlichen Handelns.

Der Apostel Thomas mache die Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes, zunächst in der Form der Geduld. Thomas traue den Worten der Apostel nicht, sie hätten den Herrn gesehen. Aber „Jesus lässt den eigensinnigen Thomas in seiner Ungläubigkeit nicht fallen; er gibt ihm eine Woche Zeit, verschließt nicht die Tür, sondern wartet.“

Auch der hl. Petrus habe die göttliche Barmherzigkeit gerade in dem Moment erfahren, als er ihn verleugnete. Die Augen des Herrn hätten ihn voll Zärtlichkeit getroffen; er habe ihm zu verstehen gegeben, dass er ihn trotz seiner Schwachheit liebe. Petrus habe verstanden und geweint.

Auch die beiden Emmausjünger hätten die Barmherzigkeit erfahren, als sie in Gefahr waren, die Hoffnung zu verlieren. Jesus habe sie auf ihrem Weg nicht allein gelassen; er habe ihnen geduldig erklärt, was in der Schrift über ihn stehe. Gott sei niemals ungeduldig, auch nicht, wenn man sich gegen ihn verfehle: „Das ist der Stil Gottes: Er ist nicht ungeduldig wie wir, die wir oft alles und sofort wollen, auch von den Menschen. Gott hat Geduld mit uns, denn er liebt uns, und wer liebt, der versteht, hofft, schenkt Vertrauen, gibt nicht auf, bricht die Brücken nicht ab, weiß zu verzeihen.“

Das Gleichnis des barmherzigen Vaters mache immer wieder einen besonderen Eindruck auf ihn, gestand der Heilige Vater, da es so wunderbar Hoffnung schenke. Der Sohn, der alles hatte, habe alles verschleudert. Und wie habe der Vater reagiert? Er habe den Sohn niemals vergessen, habe immer auf ihn gewartet und ihn in seinem Herzen behalten, obwohl er sein ganzes Erbe, d.h. seine Freiheit, vergeudet hatte. Und als der Sohn reuig zurück ins Haus des Vater gekommen sei, habe er ihn mit offenen Armen empfangen: „Sobald er ihn von ferne erspäht, läuft er ihm entgegen und umarmt ihn zärtlich – mit der Zärtlichkeit Gottes – ohne ein einziges Wort des Vorwurfs: Er ist zurückgekehrt!“ Gott warte „immer auf uns, er wird nicht müde“, so der Papst.

Diese Geduld Gottes müsse in jedem den Mut wecken, zu Gott zurückzukehren, ganz gleichgültig, wie weit man sich entfernt habe. Man müsse immer zu Gott zurückgehen, auch wenn einem die Sünden noch so groß erschienen. Der hl. Thomas habe dies begriffen. Man könnte sich nicht auf seine eigenen Verdienste verlassen, sondern nur auf die unendliche Barmherzigkeit Gottes. Dies erfordere Mut. Diesen Mut müssten vor allem die Menschen in sich finden, die meinten, ihre Sünden seien zu groß, um vergeben zu werden.

„Doch Gott wartet gerade auf dich, er verlangt von dir nur den Mut, zu ihm zu gehen.“ Die Ursache der Mutlosigkeit liege in der Sünde Adams, der Scham verspürt habe, als ihm das Gewicht dessen bewusst wurde, was er getan hatte. Den Mut schöpfe man aus Christus, denn er habe „sich für uns entäußert, hat die Schande Adams, die Nacktheit seiner Sünde, auf sich geladen, um unsere Sünde reinzuwaschen.“

Franziskus erinnerte mit Paulus daran, dass man gerade in der Erfahrung der Sünde die Barmherzigkeit Gottes in sein Leben hineinlassen könne: „Für Gott sind wir keine Nummern, wir sind ihm wichtig, ja, wir sind das Wichtigste, das er hat; auch wenn wir Sünder sind, sind wir das, was ihm am meisten am Herzen liegt.“

Schließlich berichtete er von seiner persönlichen Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes, seiner Geduld, und wie viele Menschen er gesehen habe, die den Mut in sich gefunden hätten, ihre Finger wie Thomas „in die Wunden Jesu zu legen. Und ich habe immer gesehen, dass Gott es getan hat, dass er aufgenommen, getröstet, gewaschen, geliebt hat.“

Der Papst schloss mit einer Einladung, die Barmherzigkeit Gottes vor allem in den Sakramenten zu erfahren: „Lassen wir uns von der Barmherzigkeit Gottes einhüllen; vertrauen wir auf seine Geduld, die uns immer Zeit lässt; haben wir den Mut, in sein Haus zurückzukehren, in den Wunden seiner Liebe zu wohnen und uns von ihm lieben zu lassen, seiner Barmherzigkeit in den Sakramenten zu begegnen.“