Gottes Wege sind unergründlich

Priestererlebnis von Sebastian Augusto Ovejer, Argentinien

Wien, (ZENIT.org100Wunder) | 911 klicks

Seit etwa fünf Jahren bin ich Priester und danke Gott immer wieder für die Freude, die er mir Tag für Tag schenkt. Vor einiger Zeit war ich bei einem ungewöhnlichen Ereignis die Hauptperson.

Es war Winter, ich hatte Fieber und war zum Nachtdienst eingeteilt. Ich besaß weder ein Auto noch besonders viel Geld. Um Mitternacht rief mich jemand an, der mir von einer Frau erzählte, die wegen einer Herzattacke ins Krankenhaus eingewiesen worden war. Sofort zog ich mich warm an und versuchte, ein Taxi zu bekommen. Im Krankenhaus angekommen, empfing mich jene Dame sehr unhöflich und sagte, dass es ihr gut ginge und dass sie nichts brauche. Sie meinte, sicher habe mich ihre Nichte, die sich immer in alles einmischen würde, angerufen. Ich machte einen Versuch, ihr die Wichtigkeit des Gebetes, der Beichte und der Krankensalbung zu erklären, aber dafür interessierte sie sich nicht im Geringsten.

So dachte ich, es sei wohl das Beste, wieder zu gehen, zog meinen Mantel an und verabschiedete mich. Auf dem Korridor verlangsamte ich meine Schritte und dachte: „Ich habe Fieber, fühle mich nicht gut, habe Geld für das Taxi ausgegeben, es ist kalt, ich bin müde… – und das soll alles umsonst gewesen sein?“

Bei diesen Gedanken machte ich eine Kehrtwende und ging geradewegs auf das Zimmer der Frau zu. Ohne große Umschweife kam ich sofort zum Punkt: „Jetzt schauen Sie bitte mal auf die Uhr, liebe Dame. Ich bin müde, krank und habe Geld für das Taxi ausgegeben, um hierher zu Ihnen zu kommen. Ich gehe hier so lange nicht weg, bis Sie sich nicht entschließen, von Gott die Vergebung in der Beichte zu erlangen und die Krankensalbung zu empfangen.“

Und was geschah dann? Zu meinem großen Erstaunen brach die Frau in Tränen aus! Erst nach einer Weile beruhigte sie sich und erzählte mir, dass sie es wegen ihres streitsüchtigen Charakters seit vielen Jahren nicht mehr übers Herz gebracht hatte, zu beichten. Nun wagte sie endlich den zutiefst ersehnten Schritt und empfing auch die Krankensalbung. Am Ende gab ich ihr ein Skapulier, das sie zu meiner großen Zufriedenheit ohne Zögern annahm.

Es ist wunderbar, in welcher Weise Gott in unseren Herzen wirkt! So, wie es manchmal auch unglaublich ist, welcher äußerer Mittel er sich bedient: In diesem Fall hatte er sich meiner Eigenliebe bedient! Mich hatte vor allem der Gedanke an meine Gesundheit und an die Knappheit des Geldes beschäftigt. Er hingegen hat diesen momentanen Egoismus benutzt, um ein Wunder der Barmherzigkeit zu vollbringen. Gepriesen sei der Herr!

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Das ganz normale Wunder
100 Glaubenszeugnisse von katholischen Priestern
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