Gottesdienst für Erstkommunikanten?

Für Kinder ein ganz besonderes Erlebnis

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 345 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie und Studiendekan der Theologischen Fakultät am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zur Feier der Erstkommunion.

Frage: Für die Tochter meiner Nichte kam der Moment, die Erstkommunion zu empfangen und es wurde ihr gesagt, dass sie weder ein traditionelles weißes Kleid tragen, noch die Kommunion zusammen mit anderen Erstkommunikanten empfangen müsse. Sie könne zu jeder Messfeier gehen und einfach mit allen zusammen die Kommunion empfangen. Ich habe mich hierüber beim Pfarrer beschwert und daraufhin eine knappe Antwort erhalten, in der es heißt, dass weiße Kleider für bestimmte Mütter zu teuer seien. Auf die anderen Fragen, die ich ihm gestellt hatte, ging er nicht ein. Hat der Pfarrer das Recht, so vorzugehen? – D.S., Woy Woy, Australien.

P. Edward McNamara: Man muss bei dieser Frage verschiedene Aspekte berücksichtigen.

Vom kirchenrechtlichen Standpunkt aus betrachtet könnte man sagen, dass der Pfarrer, streng genommen, berechtigt ist, keine besondere Erstkommunionfeier zu organisieren. Er sollte festgestellt haben, dass das Kind ausreichend gut vorbereitet ist und seine erste Beichte abgelegt hat. Dann kann er dem Kind erlauben, ohne besondere Kleidung bei jeglicher Messfeier die Kommunion zu empfangen. Es muss kein hierfür speziell vorbereiteter Gottesdienst sein.

Das liegt teilweise daran, dass der Empfang der Erstkommunion – im Unterschied zu Taufe und Firmung – kein anderes Sakrament darstellt, als es jeder weitere Kommunionempfang sein wird. Die Erstkommunion ist einfach der Höhepunkt des Initiationsprozesses, der in der ersten vollen Teilnahme am heiligen Messopfer gipfelt. In den meisten Ostkirchen empfangen Kleinkinder alle drei Sakramente in ein und derselben Feier.

Im Messbuch gibt es für den Erstkommunionempfang auch keinen besonderen Ritus und kein Messformular, das sich von anderen Formularen unterscheiden würde. Tatsächlich legt man vielerorts Erstkommunionfeiern gern auf April- oder Maisonntage, die dann mit Hochfesten zusammenfallen.

Andererseits stellt die besondere Feier der Erstkommunion von Kindern in der Kirche lateinischen Ritus eine etablierte pastorale Praxis dar, die sich über nunmehr lange Zeit hinweg als wertvoll erwiesen hat. Bei guter Vorbereitung kann sie für ein Kind zu einem ganz besonderen Erlebnis werden und die Bedeutung der vollen Teilnahme am sakramentalen Leben der Kirche unterstreichen. Sie kann durchaus auch eine ganze Familie zu einer geistlichen Erneuerung führen.

Objektiv gesehen ist es tatsächlich gleichgültig, ob der Erstkommunionempfang bei einer normalen Pfarrmesse oder ob er bei einer besonderen gottesdienstlichen Feier stattfindet. Von der subjektiven Wahrnehmung her betrachtet würden die meisten Kinder jedoch wahrscheinlich die tiefere Bedeutung der Kommunion nicht erfassen, wenn keine äußeren Hilfen gegeben würden, die die Wichtigkeit des Ereignisses unterstreichen.

Zugegebenermaßen gehören die äußeren Elemente nicht zur Herzmitte der Vorbereitung auf die Erstkommunion, denn diese sollte in erster Linie geistlich und in Bezug auf die Lehre stattfinden und zwar so, dass sie siebenjährigen Kindern angepasst ist. Wir sollten aber nichts unterlassen, was helfen könnte, diese tiefere Bedeutung zu erfassen.

Daher wäre es im vorliegenden Fall angebracht, einerseits den Priester zu respektieren, andererseits aber den Bischof über diese besondere pastorale Praxis zu informieren. Vielleicht legt dieser andere Maßstäbe an und hält dieses Vorgehen für weniger dienlich in Bezug auf das Seelenheil.

Mit seiner Haltung hat der Priester übrigens ein echtes pastorales Problem ans Licht gebracht. Unter bestimmten Umständen sind solch markante geistliche Momente wie die Taufe und die Erstkommunion bisweilen zu Gesellschaftsereignissen degeneriert, bei denen unter Familien, die um Ansehen und Publikumseffekte bemüht sind, ungesunde und unchristliche Wettbewerbshaltungen entstanden sind. Manchmal haben sich Familien dem Druck ausgesetzt gefühlt, sie müssten bei solchen Anlässen unnötige und schwer zu verkraftende Ausgaben tätigen.

In Italien und in anderen Ländern findet folgende Lösung breite Anwendung: Die Pfarrei verleiht oder verkauft den Eltern ein standardisiertes Gewand, das einzig für Erstkommunikanten bestimmt ist. Normalerweise ist es für Jungen und Mädchen das gleiche Gewand. In einigen Fällen tragen Mädchen dazu ein weißes Stirnband. Das lässt alle sozialen Unterschiede verschwinden und legt die Betonung allein auf den Kommunionempfang und nicht auf oberflächliche Dinge.

Wenn man sich für diese Praxis entscheidet und sie über längere Zeit anwendet, gewinnt man schließlich auch die Eltern dafür, weil sie nicht nur von übermäßigen Ausgaben befreit werden, sondern weil es ihnen erlaubt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

So kann man also dieses reale Problem an einigen Orten lösen. Es mag auch andere Lösungen geben. Von Wichtigkeit aber ist es, jene Lösungen anzustreben, die die Schwierigkeiten beseitigen und gleichzeitig jene Elemente bewahren und stärken, die ihre pastorale Wirksamkeit unter Beweis gestellt haben.

Gleichzeitig muss man auch zugeben, dass die alte Tradition, Mädchen ein spezielles weißes Gewand tragen zu lassen, gewisse Vorteile hatte, besonders wenn solche Kleider von Familienmitgliedern angefertigt, sorgfältig aufbewahrt und innerhalb der Familie benutzt wurden.

Ich kenne immerhin eine Familie, in der das Brautkleid der Mutter später umgenäht wurde zum Taufkleid und Erstkommunionskleid der Kinder. Dadurch wird auf wunderbare Weise die geistige Fruchtbarkeit, die das Ehesakrament mit sich bringt, symbolisiert.

Schwierig wird es, wenn solche Traditionen verloren gehen und größerer Wert auf die äußere Erscheinung gelegt wird.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC aus dem englischen Originalartikel http://www.zenit.org/en/articles/first-communion-without-pomp