Greed vs. Himmelsfreuden

Impuls zum 25. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 587 klicks

Wieder erzählt der Herr ein Gleichnis. Diesmal das vom unehrlichen Verwalter. Jesus schildert das Verhalten eines Mannes, der das Pech hat, dass sein Herr ihm die Verwaltung entzieht, wohl weil er sich nicht korrekt verhalten hat. Es geht hier aber nicht darum, in welcher Weise und in welchem Umfang er unehrlich gewesen ist. Vielmehr erweckt der Herr den Eindruck, dass der Umgang mit Geld im Grunde immer etwas Dubioses ist. “Schafft euch Freunde mit dem ungerechten Mammon!” rät er. Und so hat die Handlungsweise des Verwalters sogar seine innere Logik. Wenn das Geld sowieso etwas Ungerechtes ist, dann ist es auch zu rechtfertigen, dass der Verwalter es dazu benutzt, sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. Er erlässt eigenmächtig den Schuldnern einen Teil der Schuld, um sich bei ihnen beliebt zu machen, damit sie sich später revanchieren können, wenn es ihm selbst schlecht ergeht.

Will der Herr damit sagen, dass wir uns im Geschäftsgebaren unseriös verhalten dürfen, um für uns einen Vorteil herauszuschlagen? Sicher nicht. Es ist ja nicht Jesus, der das Tun des unehrlichen Verwalters lobt, sondern der “Herr” im Gleichnis. Was vielmehr die Quintessenz des Gleichnisses sein könnte, ist etwas, das den Menschen aller Zeiten, besonders aber uns heutigen Menschen ins Stammbuch geschrieben werden muss: Ihr gebt dem Geld einen absolut übertriebenen Stellenwert! Der Mammon ist tatsächlich für viele ein Gott, vor dem man das Knie beugt, und, wenn es sein muss, seine besten Grundsätze vergisst.

Aber wieso denn, möchte man dagegen halten, wenn man das Geld nicht wichtig nimmt, wie soll dann die Volkswirtschaft funktionieren?

Das ist richtig. Worauf es ankommt – wie immer – ist die innere Einstellung. Die aber ist  beim Geld erwiesenermaßen schwierig Da scheint der “Fürst dieser Welt” immer seine Hand im Spiel zu haben. Wenn man es schafft, das Geld einfach nur als ein Mittel zum Zweck zu benutzen, ohne seine innersten Wünsche daran fest zu machen, kann es gelingen. Und es gelingt, Gott sei Dank, auch vielen.

Als vor einigen Jahren der Eklat mit den Lehman Brothers und der Immobilien-“Blase” passierte, wurde auch in ganz und gar weltlichen Publikationen das Wort “greed” (=Habgier) ins Spiel gebracht. Das war ungewöhnlich. Denn im öffentlichen Leben spricht man weder von Tugenden noch von ihrem Gegenteil, den Lastern. Das ist so, als würde man bei Eheprozessen von Lüsternheit sprechen, bei Politikern von Machtgier oder bei Enthüllungsjournalisten von Geltungsdrang.

Auch wenn man also bei den aktuellen Geldtragödien nur ausnahmsweise vom inneren Beweggrund spricht (der Christ weiß, dass Habgier und alle anderen bösen Neigungen Folgen der Erbsünde sind, gegen die man etwas tun kann), so zeigt das Beispiel, wie gefährlich der Umgang mit dem Geld sein kann. Es hilft nur eines: zuverlässig sein, sagt der Herr. Vom materiellen Gut einen inneren Abstand halten. Das ist die berühmte und oft missverstandene Tugend der Armut. Natürlich ist es am leichtesten, mit Geld gar nichts zu tun zu haben. Aber die Armut leben soll auch der, der mit viel Geld zu arbeiten hat.

Jesus sagt: “Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?” (Lk 16,10)

Wer also zuverlässig und losgelöst ist, dem wird das “wahre Gut” anvertraut.

Hier finden wir, so meine ich, einen verhüllten Hinweis darauf, dass derjenige, der nach den Vorstellungen Gottes lebt, in der anderen Welt im Rahmen der Seligkeit des Himmels wunderbare Aufgaben anvertraut bekommt. Wir sollten unsere Phantasie ruhig gelegentlich darauf richten, was uns im Himmel erwartet. Das Wort “Anschauung Gottes” ist gar zu abstrakt.

Auch in der Ewigkeit erwarten uns Aufgaben, gibt es Arbeit, allerdings dann ohne Mühsal und ohne Überdruss – die reine Wonne. Mit anderen Worten, es lohnt sich, sich auf den Himmel zu freuen.

Am Montag feiert die Kirche das Fest eines neuen Heiligen, Pius von Pietrelcina, besser bekannt als Pater Pio. Wie kaum ein anderer hat diese große Mystiker, der auf Erden schon halb im Himmel lebte (wenn auch mit schweren Kreuzen beladen), mit größter Selbstverständlichkeit von den Glückseligkeiten der anderen Welt gesprochen. Für ihn war die Armut gleichbedeutend mit Nichts-Haben.

Frage wir uns uns im Wohlstandsparadies: Ist unsere diesseitige Welt so schön, dass wir darüber die vollkommene Freude des Himmels vergessen könnten?

Gott hat den Menschen zum Glücklichsein geschaffen, und jeder Mensch weiß das. Für die diesseitige Welt gilt das auch schon, aber mit Einschränkungen. Das, was uns hier daran hindert, sind die oben erwähnte Gier und die anderen Fehlhaltungen. Papst Franziskus twittert:

„Das eigene Glück darin zu suchen, materielle Dinge zu besitzen, ist ein sicherer Weg, um nicht glücklich zu sein“.

Was der Papst über das Glück des Himmels sagt, finden Sie auf anderen seiner tweets.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).