Gregor der Große (um 540-604)

Kirchenvater und Kirchenlehrer

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 321 klicks

Gregor der Große zählt zu den bedeutendsten Kirchenlehrern und ist einer der vier lateinischen Kirchenväter.Gregor wurde um 540 in Rom geboren und entstammte einer adeligen Senatorenfamilie, dem Geschlecht der Anicier. Zunächst schlug er eine weltliche Laufbahn ein und wurde 572/573 Präfekt in Rom. Doch die berufliche Karriere erfüllte Gregor nicht, und er zog sich in das Klosterleben zurück. Doch der Rückzug vom weltlichen Leben sollte nicht lange dauern, denn von 579 bis 586 war Gregor als Gesandter von Papst Pelagius beim Hof in Konstantinopel tätig. Als er von seinem Dienst nach Rom zurückkehrte, wurde er einmütig zum Papst (590-604) gewählt. Gregor aber wollte lieber Mönch bleiben und versuchte die Flucht. Er soll in einem Fass verborgen den Weg aus Rom gesucht haben, doch eine Lichtsäule habe den Heiligen verraten. So musste er nach Rom zurückkehren und das Amt antreten. Gleich zu Beginn seines Pontifikats soll sich ein weiteres Wunder ereignet haben: In Rom wütete damals die Pest. Deshalb unternahm Gregor mit den Gläubigen eine Prozession, als er plötzlich über dem Grab Kaiser Hadrians einen Engel erblickte, der sein blutiges Schwert in die Scheide steckte. Die Pest war besiegt, und das Grabmal trug fortan den Namen „Engelsburg“.

Das Pontifikat Gregors des Großen war durch die reichen Erfahrungen Gregors in der Verwaltungstätigkeit geprägt. „Nachdem er Papst geworden war, riet er den Bischöfen, sich bei der Verwaltung der kirchlichen Angelegenheiten die Sorgfalt und die Achtung vor den Gesetzen zum Vorbild zu nehmen, wie sie den zivilen Beamten eigen ist“, wie Benedikt XVI. während der Audienz am 28. Mai 2008 ausführte. „Von Anfang an bewies er eine außergewöhnlich nüchterne Sicht der Wirklichkeit, mit der er sich messen musste, eine außerordentliche Arbeitsfähigkeit bei der Ausführung sowohl der kirchlichen wie der zivilen Angelegenheiten, eine stete Ausgewogenheit in den auch mutigen Entscheidungen, die ihm sein Amt auferlegte.“

Zu den großen Problemen der Zeit zählte die Langobarden-Frage. Gregor der Große wollte sie bekehren und so auf der Basis gegenseitiger Achtung einen langfristigen Frieden sichern. Er führte zu diesem Zweck intensive Verhandlungen mit dem Langobardenkönig Agilulf. Besondere Aufmerksamkeit widmete Gregor der Große auch sozialen Fragen. Mit dem Kirchenvermögen half er Bedürftigen und in Not geratenen Menschen. Es sollten Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Redlichkeit herrschen: „Außerdem führte er in Rom wie in anderen Teilen Italiens eine sorgfältige Neuordnung der Verwaltung durch und erließ präzise Anweisungen, damit die Güter der Kirche, die für ihren Unterhalt und für ihr Evangelisierungswerk in der Welt nützlich waren, mit absoluter Redlichkeit und gemäß den Regeln der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit verwaltet werden. Er forderte, dass die Bauern vor den Missbräuchen der konzessionierten Verwalter des in Kirchenbesitz befindlichen Landes geschützt und im Fall von Betrug sofort entschädigt würden, damit das Antlitz der Braut Christi nicht durch unehrenhaften Gewinn beschmutzt werde.“

Gregor der Große starb am 12. März 604.

Zum umfangreichen Schriftenbestand, den Gregor der Große der Nachwelt hinterlassen hat, zählt eine über 800 Briefe umfassende Briefsammlung sowie exegetische Schriften, „unter denen … die ‚Moralia in Iob‘ , die ‚Homilien zu Ezechiel‘ und die ‚Homilien zu den Evangelien‘ hervorzuheben sind. Bedeutsam ist auch das hagiographische Werk ‚Dialogi‘. … Das wichtigste und bekannteste Werk ist zweifellos die ‚Regula pastoralis‘ (‚Pastoralregel‘), die der Papst zu Beginn seines Pontifikats mit einer deutlich programmatischen Zielsetzung verfasst hat“, so Benedikt XVI. während der Audienz am 4. Juni 2008. „Gregor nimmt sich vor, in ihr die Gestalt des idealen Bischofs zu skizzieren, der Lehrer und Leiter seiner Herde ist. … Indem er ein Lieblingsthema aufgreift, bekräftigt er, dass der Bischof vor allem der ‚Prediger‘ schlechthin ist; als solcher muss er vor allem Vorbild für die anderen sein, so dass sein Verhalten ein Bezugspunkt für alle sein kann. Eine wirksame Pastoraltätigkeit erfordert sodann, dass er jene kennt, an die er sich wendet, und seine Predigten an die Situation eines jeden anpasst: Gregor verweilt dabei, die verschiedenen Kategorien von Gläubigen mit scharfsinnigen und genauen Bemerkungen zu beschreiben, die die Bewertung derjenigen rechtfertigen können, die in diesem Werk auch eine psychologische Abhandlung gesehen haben. … Der große Papst besteht dennoch auf der Pflicht, dass der Hirt jeden Tag die eigene Armseligkeit erkennen müsse, damit der Stolz das vollbrachte Gute nicht vor den Augen des höchsten Richters wertlos mache.“

„Gregor war in seinem Herzen ein einfacher Mönch geblieben und lehnte deshalb entschieden die großen Titel ab. Er wollte – und das ist ein Ausdruck von ihm – ‚servus servorum Dei‘, Diener der Diener Gottes, sein. … Gerade weil er dies war, ist er groß und zeigt auch uns das Maß der wahren Größe“, wie Benedikt XVI. abschließend anmerkte.