Gregorianische Messen

Die fürbittende Allmacht der hl. Messe

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 723 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen. 

Frage: Nach meinem Verständnis beinhaltet eine Gregorianische Messe 30 Messen, die in ununterbrochener Folge gefeiert werden. Ein älterer Priester sagte mir vor kurzem, dass, falls die Serie auch nur für einen Tag unterbrochen würde, sie ganz von neuem begonnen werden müsse. Ich traf auch auf einen älteren Ordensmann, der die Gläubigen dies lehrt. Nun kommen meine Fragen: 1) Hat die Gregorianische Messe (oder Messen) irgendeine liturgische oder kirchenrechtliche Basis? 2) Hängt die Wirksamkeit dieser Messen davon ab, ob man sie ohne Unterbrechung feiert? 3) Wenn dem so ist (wie man weithin denkt), kommen wir dann nicht einem Aberglauben nahe oder, wie es hl. Johannes vom Kreuz bezeichnete, fehlt es uns an schlichtem Glauben? Ihm zufolge „Legen diese Menschen den Methoden, ihre Andachtsformen und Gebete auszuüben, so viel Wirksamkeit bei und vertrauen so sehr auf sie, dass sie glauben, ihr Gebet sei nutzlos und bleibe unbeantwortet, wenn nur ein einziger Aspekt daran fehlt oder gewisse Grenzen überschritten worden sind. Dementsprechend vertrauen sie mehr auf diese Methoden als auf das lebendige Gebet – nicht, ohne sich in erheblicher Weise Gott gegenüber ehrabschneidend und beleidigend zu verhalten.“ -- P.C., Rom 

P. Edward McNamara: Seit Papst Gregor dem Großen (540-604) gehören Gregorianische Messen in der Kirche zur traditionellen Praxis. Der Legende nach erschien damals ein verstorbener Mönch und bat um 30 Messen, die für die Freigabe seiner Seele aus dem Fegefeuer zelebriert werden sollten. Nachdem die Messen in der vorgesehenen Zeit gefeiert worden waren, erschien er noch einmal strahlend in himmlischer Glorie. 

Ausgehend von dieser Legende etablierte sich die Praxis der Feier von 30 aufeinanderfolgenden Messen für ein und dieselbe Person mit der Intention, sie vom Fegefeuer zu befreien, als Gepflogenheit, die über die Jahrhunderte hinweg auf verschiedene Weisen geregelt worden ist. 

Die aktuelle Regelung geht auf eine Erklärung vom 24. Februar 1967 zurück, mit der die Heilige Kongregation für den Gottesdienst einige Restriktionen, die unser Leser erwähnt, auflockert, was dem älteren Priester wohl nicht bekannt ist. 

Der erwähnten Erklärung zufolge wird die Tradition beibehalten, dass eine Gregorianische Messe eine Serie von 30 aufeinanderfolgenden Messen beinhaltet. Es ist aber nicht erforderlich, dass ein und derselbe Priester alle Messen zelebriert, noch dass sie an ein und demselben Altar dargebracht werden. Wenn also ein Priester, der sich verpflichtet hat, eine solche Serie zu feiern, an einem bestimmten Tag verhindert ist, kann er einen anderen Priester bitten, diese Messintention für ihn zu übernehmen. 

Es kann auch passieren, dass der Priester keinen Ersatz findet und dass die Serie aufgrund einer unvorhergesehenen Verhinderung (zum Beispiel einer Krankheit) oder aus einem vernünftigen Grund (die Feier einer Beerdigung oder einer Trauung) unterbrochen wird. Für diesen Fall hat die Kirche bestimmt, dass die Früchte der Fürbitte (die bis zu jenem Moment die kirchliche Praxis und die Frömmigkeit der Gläubigen dieser Serie zugedacht haben) erhalten bleiben. Der Priester bleibt dazu verpflichtet, die 30 Messen so bald wie möglich zu vervollständigen, muss aber die Serie nicht von neuem beginnen. 

Ich glaube nicht, dass diese fromme Sitte abergläubig macht oder dass sie ein magisches Verständnis widerspiegelt. Man geht dabei davon aus, dass sich die Seele des Menschen im Fegefeuer befindet, und auf diese Weise erkennt man an, dass wenige Menschen unmittelbar nach dem Tode bereit für den Himmel sind. Es beinhaltet auch einen Glaubensakt und einen Akt des Vertrauens auf die fürbittende Allmacht der Messe in Bezug auf Seelen, die sich in der Reinigungsphase befinden. Insofern ist mit der Bitte um die Feier einer Gregorianischen Messe ein geistliches Werk der Barmherzigkeit verbunden, das dem Brauch ähnelt, vollständige Ablässe für Verstorbene zu erwerben. 

Der Gerechte Richter ist auch unendlich barmherzig. Er kann sich denjenigen gegenüber, die nur eine Stunde die Last der Arbeit getragen haben, so großzügig erweisen, wie gegenüber jenen, die den ganzen Tag die volle Bürde der Arbeit haben tragen müssen. 

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel Gregorian Masses