Griechenland in Not: Kirche will Bürgern beistehen

Erzbischof: Wir bereiten uns darauf vor, Mahlzeiten und Kleidung zu verteilen

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ATHEN, DÜSSELDORF 11. Mai 2010 (ZENIT.org/idea).- Die orthodoxe Kirche in Griechenland möchte den Bürgern in der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise beistehen. Das sagte der Erzbischof von Athen und ganz Griechenland und Leiter der Autokephalen Orthodoxen Kirche von Griechenland, Hieronymus II., bei einem Treffen mit Premierminister George Papandreou. „Unsere Aufgabe als Kirche ist es, den Menschen Hoffnung zu bringen", so Hieronymus II. „Doch wir bereiten uns jetzt auch darauf vor, Mahlzeiten und Kleidung zu verteilen, sowie Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, seelsorgerlich beizustehen. Die Kirche wird an der Seite der Menschen stehen - so, wie sie es immer getan hat."

Das hoch verschuldete Land steht am Rande eines Staatsbankrotts und muss internationale Notkredite in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro beanspruchen sowie einen strikten Sparkurs einschlagen. Der Erzbischof geht davon aus, dass die Folgen der Einschnitte erst nach dem Sommer richtig spürbar werden. Unter anderem wurde ein Einstellungsstopp für Beamten beschlossen, eine Streichung bzw. Kürzung des 13. und 14. Monatsgehaltes sowie Rentenkürzungen. In der Bevölkerung haben die beabsichtigten Einschnitte Streiks und zum Teil gewaltsame Unruhen ausgelöst. Anfang Mai verbrannten bei Ausschreitungen in Athen drei Mitarbeiter in einem Bankgebäude.

Die Hauptaufgabe der griechisch-orthodoxen Kirche sieht Hieronymus II. darin, die Bürger an Werte wie Nächstenliebe zu erinnern. Viele Bürger sähen nur noch auf sich und ihr Wohlergehen. Der Erzbischof: „Hierbei handelt es sich nicht nur um eine wirtschaftliche oder finanzielle Krise. Es handelt sich auch um eine Wertekrise."

Ähnlich beurteilt der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos von Deutschland die Lage. Wie er der evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage sagte, betreffe die Wertekrise ganz Westeuropa: „Griechenland ist nur die Spitze des Eisbergs." Weite Teile der westlichen Welt seien von einem Egoismus erfasst, der den anderen aus dem Blick verloren habe. Hier müsse die Kirche gegensteuern. Zu den Ursachen der Krise gehöre aber auch, dass Griechenland in den vergangenen Jahren über seine Verhältnisse gelebt habe.