Großbritannien: Bischöfe verteidigen den Papst gegen irreführenden BBC-Bericht

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LONDON, 4. Oktober 2006 ( ZENIT.org ).- Die Bischöfe von England und Wales haben beim Fernsehsender BBC Beschwerde gegen eine Nachrichtensendung vorgelegt, in der Papst Benedikt XVI. der Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden ist.



Die BBC-Nachrichtensendung „Panorama“ behandelte am Sonntag das Thema „Sexualverbrechen und der Vatikan“. Es wurde behauptet, dass geheime Dokumente des Vatikans ausfindig gemacht worden seien, aus denen hervorgehe, dass bezüglich aller Klagen aufgrund von Kindesmissbrauch strengstes Stillschweigen auferlegt worden wäre. Papst Benedikt XVI. wurde beschuldigt, in der Kardinalszeit in seiner Funktion als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre Priester vor polizeilichen Ermittlungen abgeschirmt zu haben.

Bei einem der beiden angeführten vatikanischen Dokumente handelt es sich um „Crimen sollicitationis“ („Verbrechen der Verführung“), das von der Kongregation des Heiligen Offiziums, dem Vorläufer der Kongregation für die Glaubenslehre, im Jahr 1962 erlassen und 2003 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Nach der Ausstrahlung der Sendung brachte Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, Erzbischof von Westminster und Vorsitzender der Bischofskonferenz von England und Wales, in einem Brief an BBC-Generaldirektor Mark Thompson, die „große Sorge und Betroffenheit der katholischen Gemeinschaft“ zum Ausdruck.

In dem Schreiben heißt es, dass niemand die verheerenden Auswirkungen von Kindesmissbrauch auf die Gesellschaft und das den Opfern und ihren Familien zugefügte Leid leugnen könne. Das Ausmaß der Tat sei umso schlimmer, wenn es sich beim Täter um einen Priester handele.

Der Kardinal räumt ein, dass es natürlich gerechtfertigt sei, die herzzerreißenden Dimensionen dieses Übels darzustellen, kritisierte zugleich aber nachdrücklich, dass die Fernsehsendung darauf aus sei, „Papst Benedikt XVI., dem Hirten einer Milliarde von Katholiken auf der ganzen Welt, zu schaden“. Das Ziel von „Panorama“ bestehe eindeutig darin, den Heiligen Vater „mit der Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche in Verbindung zu bringen“. Dies sei böswillig, unwahr und basiere auf einer falschen Darstellung von kirchlichen Dokumenten.

Kardinal Murphy-O'Connor äußert in dem Brief auch seine Verwunderung darüber, warum BBC keinen Vertreter der katholischen Kirche kontaktiert habe, um genaue Informationen zu beziehen: „Ich frage mich, ob es bei BBC ein anhaltendes Vorurteil gegen die katholische Kirche gibt. Es wird viele Menschen geben, nicht nur Katholiken, die sich fragen werden, ob der Sender BBC weiterhin bereit ist, in einigen seiner Darstellungen wahrhaft objektiv zu sein.“

In einer Erklärung von Dienstag verurteilte Erzbischof Vincent Nichols von Birmingham, Vorsitzender des Katholischen Büros zum Schutz von Kindern und schutzbedürftigen Erwachsenen, die niedrigen journalistischen Standards bei BBC, die zum ungerechtfertigten Angriff auf Papst Benedikt XVI. geführt hätten.

Die Zuschauer würden die sensationalistische Methode und die irreführende Zusammenstellung des Programms nur allzu gut durchschauen, das sich auf altes Material und undatierte Interviews stütze.

Die Angriffe auf die Person des Heiligen Vaters seien „falsch und vollkommen irreführend“, fuhr er fort: „Das erste Dokument aus dem Jahr 1962 befasst sich überhaupt nicht direkt mit Kindesmissbrauch, sondern mit dem Missbrauch des Beichtstuhls, was schon immer ein äußerst schwerwiegendes Verbrechen im Kirchenrecht darstellte. Die Sendung vermischt den Missbrauch des Beichtstuhls mit den unmoralischen Versuchen eines Priesters, sein Opfer zum Schweigen zu bringen.“

Das zweite Dokument aus dem Jahr 2001 diene der Klärung des Kirchenrechts und wolle sicherstellen, dass der Vatikan von jedem Kindesmissbrauchsfall in Kenntnis gesetzt werde und dass jeder dieser Fall rechtmäßig behandelt werde.

Erzbischof Nichols betonte außerdem, dass dieses Dokument weder die Ermittlungen von Zivilbehörden behindere noch eine Vertuschungsmethode darstelle, wie in der Sendung „Panorama“ behauptet wurde. Es verdeutliche vielmehr die Ernsthaftigkeit, mit der der Vatikan mit diesen Vergehen umgehe.

„Seit 2001“, so der Erzbischof, „hat Kardinal Joseph Ratzinger, der damalige Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, viele Schritte unternommen, um das Kirchenrecht im Fall von Behauptungen und Vergehen des Kindesmissbrauchs mit absoluter Gründlichkeit und Skrupel zur Anwendung zu bringen.“

BBC kündigte an, auf den Brief von Kardinal Murphy-O'Connor zu antworten.