Großbritannien: Gesetzesantrag zur Beihilfe zum Selbstmord abgelehnt

Politiker und Bischöfe verteidigen Behinderte

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LONDON, 9. JULI 2009 (ZENIT.org).- Am Dienstagabend wurde im House of Lords des britischen Parlaments ein Gesetzesantrag zur Legalisierung der Beihilfe zum Selbstmord angelehnt. 194 von 290 Mitgliedern stimmten gegen den Entwurf.


 
Paul Tully, Vorsitzender der Society for the Protection of Unborn Children („Gesellschaft für den Schutz ungeborener Kinder), zeigte sich zuversichtlich, dass die Organisation „Sterben in Würde“, die für viele Menschen, die mit Behinderungen leben oder arbeiten, beleidigend sei, ihre parlamentarische Kampagne nun aufgeben werde.

Baronin Jane Campbell, die sich für die Rechte von Behinderten einsetzt und selbst unter einer Muskelathrophie leidet, sprach sich ebenfalls gegen die Gesetzesnovelle aus, da sie für behinderte und unheilbar kranke Menschen eine Botschaft der Verzweiflung darstelle. Weiters warnte sie davor, dass ein solcher Gesetzesentwurf die öffentliche Meinung gegenüber behinderten Menschen nachhaltig verändern könnte, da sie dazu ermutigt würden, das Leben dieser Menschen zu beenden.

Der anglikanische Bischof von Exegeter, Michael Langrish, der eine 30-jährige Tochter mit Down-Syndrom hat, wies darauf hin, dass behinderten Menschen durch eine legalisierte Beihilfe zum Selbstmord viel Leid zugefügt werde. Er betonte, dass diese Menschen durch so genannte Wahlmöglichkeiten stark benachteiligt wären, wenn ihnen vermittelt würde, dass andere es ohnehin besser wüssten.
 
Ein weiterer Gegner der Gesetzesnovelle hob hervor, dass in den Niederlanden die Sterbebegleitung stark zurückgegangen sei, nachdem die Euthanasie legalisiert worden sei.

Bereits im März hatte der Erzbischof von Cardiff, Peter Smith, gegen die vorgeschlagene Gesetzesänderung protestiert und festgestellt, dass zahlreiche Menschen von Überlegungen zur Gesetzesnovelle gehört hätten, nach denen ihre Leben eine Verschwendung von Ressourcen seien und sie deshalb „bedenken sollten, ob sie nicht die Pflicht hätten zu sterben“.

Wenn die Beihilfe zum Selbstmord in bestimmten Situationen legal werden sollte, würde das nicht nur für eine befürwortende Minderheit eine Tür öffnen. Viele Menschen würden sich dann möglicherweise – unter Druck gesetzt – selbst überreden oder sich von anderen dazu überreden lassen, dass die Beihilfe zum Selbstmord der beste Weg für sie und ihr Umfeld wäre.