Großbritannien: Kardinal Murphy-O'Connor spricht sich gegen die bestehende Strafpraxis für Verbrecher aus

"Mehr Gefängnisse bedeuten nicht weniger Verbrechen"

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LONDON, 27. April 2006 (ZENIT.org).- Mehr Gefängnisse und längere Haftstrafen seien nicht der richtige Weg, um kriminellen Delikten beizukommen, erklärte Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, Erzbischof von Westminster, am Mittwoch in London.



"Selbst im gefährlichsten Verbrecher können wir die Fähigkeit zu Reue und Wiedereingliederung in die Gesellschaft erkennen", betonte der Kardinal, der sich deshalb für ein größeres Angebot an Erziehungs- und Rehabilitationsmaßnahmen sowie für alternative Strafen aussprach.

Die Barmherzigkeit und die Kraft Gottes seien wirksam und würden allen Menschen angeboten, erläuterte er in seiner Ansprache vor den Mitgliedern des "Prisoners' Education Trust". Jeder könne erlöst werden. Aus diesem Grund müsse das Strafsystem allen Straftätern die Möglichkeit zu Veränderung und Rehabilitation geben. "Diese meine Worte gründen nicht auf einem naiven Optimismus gegenüber der menschlichen Natur, sondern auf der Herrschaft der göttlichen Gnade. Jeder Mensch hat die Pflicht, seine natürlichen Anlagen zu entfalten und seinen Zweck zu erfüllen. Das bedeutet, dass jeder in der Lage ist, sich zu verändern."

Der 73-jährige Kardinal forderte zum einen, von der gängigen Praxis reiner Bestrafung abzugehen, und zum anderen, den Opfern von Verbrechern verstärkt zu helfen. Die "wiederherstellende Gerechtigkeit" müsse mehr als bisher in Betracht gezogen werden, fuhr Kardinal Murphy-O'Connor fort. Dann wäre den direkt Betroffenen die Gelegenheit gegeben, sich am Prozess der Wiederherstellung der Gerechtigkeit zu beteiligen, und die Täter wären dazu verpflichtet, dem Opfer und der Gemeinschaft gegenüber Wiedergutmachungen zu leisten.

Der Kardinal wies auch darauf hin, dass die britischen Gefängnisse so voll seien wie nie zuvor und zu bersten drohten. "Wahre Gerechtigkeit muss zu einem positiven Ergebnis führen", bekräftigte er abschließend: "für das Opfer, für die Gesellschaft und für den Täter."