Großbritannien: Kirche kritisiert Gesetzesvorlage über menschliche Befruchtung und Embryologie

Es geht um die Legalisierung der Kreuzung von menschlichen und tierischen Embryonalzellen

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GLASGOW, 17. November 2007 (ZENIT.org).- Zwei führende Hirten in Großbritannien haben die Politiker aufgefordert, die Bedenken der katholischen Gläubigen im Hinblick auf die für heute geplante Ratifizierung des Gesetzes über menschliche Befruchtung und Embryologie ernst zu nehmen.



Die Herstellung von hybridem Gewebe, bei der menschliche und tierische Embryonalzellen gekreuzt werden und Chimären-Embryonen entstehen, wird von der katholischen Kirche strikt abgelehnt, und die Ethik-Enquete der Europäischen Union verbietet grundsätzlich die Züchtung hybrider Lebewesen.

Die gestern veröffentlichte Erklärung wurde von Kardinal Keith O'Brien, Erzbischof von Saint Andrews und Edinburgh, und dem Glasgower Erzbischof Mario Conti unterzeichnet, auch Vorsitzender des Gemeinsamen Bioethik-Ausschusses der katholischen Kirche in Großbritannien und Irland ist.

Der Gesetzentwurf „Human Fertilization and Embryology Bill“, der bisher als „Human Tissue and Embryos Bill“ bekannt war („Gesetz zu menschlichem Gewebe und Embryonen“), wird heute, Montag, im House of Lords zur Abstimmung gebracht. Damit soll eine Anpassung der Regelung über künstliche Empfängnis bzw. Befruchtung in vitro und die Embryonenforschung in Großbritannien erreicht werden.

Sollte der Gesetzesvorschlag verabschiedet werden, wird die Schaffung von hybriden Embryonen durch die Befruchtung tierischer Eizellen mit menschlichen Spermien nach Landesgesetzen straffrei sein. Dasselbe gilt für den umgekehrten Vorgang. Zwei Frauen könnten die Eizelle der einen mit tierischen Spermien befruchten lassen und so zu Eltern eines hybriden Retortenbabys avancieren.

Die Gegner der Gesetzesvorlage befürchten zudem, dass die Legalisierung einer solchen Form von hybider Zeugung langfristig zu einer Wiedereröffnung der Abtreibungsdebatte und zu einer noch größeren Liberalisierung führen werde.

Kardinal O'Brien und Erzbischof Conti betonen, dass es keinerlei Rechtfertigung für die Gesetzesvorlage zur Schaffung hybrider Embryonen seitens der wissenschaftlichen Forschung gebe. Und sie fügen hinzu: „Es ist ein gefährlicher Präzedenzfall und unnötig, weil die Würde der menschlichen Person dabei nicht geachtet wird. Wir weisen darauf hin, dass solche Praktiken in Kanada, Australien und vielen europäischen Ländern verboten sind.“

Angesichts des Vorstoßes englischer Forscher hatte der Präsident der Bundesärztekammer in Deutschland, Professor Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, die Erzeugung von Mensch-Tier-Hybrid-Embryonen durch Klonen schon Mitte September als „ethisch inakzeptable Grenzüberschreitung“ zurückgewiesen. Das deutsche Embryonenschutzgesetz verbietet nicht das Klonen von Embryonalzellen, heißt es im Deutschen Ärzteblatt. Verboten sind jene Verfahren, bei denen ausdrücklich eine Befruchtung stattfindet und humane Embryonen verwendet werden.

In Anbetracht der Komplexität der Fragen haben die Hirten vorgeschlagen, einen nationalen Beratungsausschuss zu bilden, um der Regierung Hilfestellungen bei bioethischen Fragen zu bieten.

Angesichts von grundsätzlichen ethischen Fragestellungen wie dem natürlichen Status der Väter und den natürlichen Bindungen zwischen Eltern und Kindern genüge es nicht, rein wissenschaftliche und medizinische Argumente ins Feld zu führen, „wenn es in Realität um eine ethische Grundsatzentscheidung geht“.

Erzbischof Conti zeigte sich in einem Interview über die Schaffung von hybriden Organismen entsetzt. Er rief die Regierung zu einem Nachdenkprozess auf und beklagte die unzureichende Arbeit der britischen Behörde, die mit der Kontrolle der Embryonalforschung betraut ist.

Kardinal Cormac Murphy-O’Connor, Erzbischof von Westminster, hält eine Legalisierung der derzeit geltenden Bestimmungen für „zutiefst falsch“. Es handle sich nämlich nicht um eine natürliche Elternschaft, und die Rechte, die die Kinder von Natur aus besitzen, hätten gegenüber den Wünschen des Paares das Nachsehen.