Großbritannien: Rückschau auf Papstbesuch und seine Botschaft

Drei Tage lang Feierlichkeiten zum ersten Jahrestag; katholische Identität gestärkt

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Von Traci Osuna

LONDON, 9. September 2011 (Zenit.org). - Mitte September werden die katholischen Gläubigen Großbritanniens für drei Tage zusammenkommen, nicht nur, um den ersten Jahrestag des historischen Besuchs von Benedikt XVI. in ihrer Heimat zu begehen, sondern auch, um sich über die Auswirkungen seines Besuchs auf ihr Leben und ihren Glauben auszutauschen.

In einem Interview mit ZENIT berichtete Clare Ward, Beraterin der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales für die Heimatmission, über die Feierlichkeiten, die von Freitag, dem 16. September, bis Sonntag, dem 18. September, stattfinden werden, und schilderte einige interessante Erfahrungen von Menschen, die ihr von den Veränderungen in ihrem Leben nach dem Papstbesuch im letzten Jahr erzählten hatten.

ZENIT: Wie hat sich das Empfinden unter den Katholiken in Großbritannien seit dem Besuch des Heiligen Vaters im letzten Jahr verändert?

Clare Ward: Der Besuch des Papstes in Großbritannien hat einen tiefen und sehr positiven Eindruck auf die katholischen Gemeinden in England und Wales gemacht. Viele Menschen haben bestätigt, in ihrem Glauben und in ihrer katholischen Identität erneuert worden zu sein. Während seines Besuchs hatte der Heilige Vater uns eingeladen, sich seinem öffentlichen Gebet und Zeugnis anzuschließen. In den [vergangenen] Monaten sagten die Menschen, dass sie neues Vertrauen hätten, ihren Glauben mit ihrer Familie, ihren Nachbarn und Freunden zu teilen.

Um dieses erneuerte Vertrauen zur unterstützen, hat die Bischofskonferenz von England und Wales die Mittel für ein sogenanntes Vermächtnisprogramm mit dem Titel „Einige konkrete Aufgaben“ bereitgestellt, um es den Menschen zu ermöglichen und zu ermutigen, sich weiterhin mit den Worten Papst Benedikts auseinanderzusetzen. Das Programm umfasst eine breite Palette von Veranstaltungen, um die Mission vor Ort zu fördern: die Sammlung von Bekehrungsberichten, Glaubenszeugnisse, Multimedia-Mittel zur Mission, die Organisation einer Konferenz mit dem Anliegen, Katholiken zu erreichen, die nicht in die Kirche gehen, und vieles mehr.

Das Programm wird umrahmt von den Reden, Predigten und Ansprachen des Heiligen Vaters in Großbritannien, es bezieht auch einige der Schriften des seligen John Henry Newman mit ein, der während des Papstbesuchs in Birmingham seliggesprochen worden war.

ZENIT: Welche Veranstaltungen sind für die Feierlichkeiten geplant?

Clare Ward: Um den Jahrestages des Papstbesuches hervorzuheben, sind Familien und Gemeinden am 17. September eingeladen, zum Feiern zusammenzukommen, um vermutlich eine Mahlzeit ... eine Gebetszeit, Fotografien und ihre liebsten Erinnerungen miteinander zu teilen.

Am 18. September wird der inländische Missionssonntag stattfinden, an dem die katholischen Gemeinden für die Evangelisierung in England und Wales beten, darüber nachdenken und die Arbeit durch eine jährliche Kollekte unterstützen werden. Am Nachmittag des 18. September wird eine nationale Dankmesse in der Westminster Kathedrale unter Konzelebration von den Bischöfen von England und Wales gefeiert.

Zeitgleich mit dem Jubiläumswochenende wird am 16. September die Praxis des Freitagsopfers für die Gläubigen als ein klares und unverwechselbares Zeichen ihrer eigenen katholischen Identität wieder eingeführt.

ZENIT: Welche Reaktionen gab es auf die an die Öffentlichkeit gerichtete Bitte von Bischof Kieran Conry, über die persönlichen Erfahrungen seit dem Papstbesuch zu berichten?

Clare Ward: Den Sommer über hat es sehr ermutigende Rückmeldungen gegeben.... Wir sind momentan dabei, eine Auswahl zusammenzustellen, um sie online zu veröffentlichen. Als Momentaufnahme: Paul aus Plymouth schrieb: „Es war für mich eine wunderbare Erfahrung. Das Schweigen während der Wandlung war eindrucksvoll, ich werde immer daran denken. Es erinnerte mich an die Speisung der Fünftausend und ich bin sicher, dies wird auch so eine ähnliche Erfahrung gewesen sein.“

Familie Plummer aus dem Südwesten Englands teilte mit: „Die Seligsprechung von Kardinal Newman war sehr bewegend, und die Messe war wunderschön. Als besonders demütig war der Strom von Priestern anzusehen, die zur Kommunionausteilung zu uns kamen. Die Feier war genau die wunderbare, erhebende, verjüngende und bestärkende Erfahrung, die wir uns erhofft hatten. Es festigte uns in unserer Identität als Katholiken.“

James Finnegan (16) aus Liverpool: „Die Teilnahme an diesem bedeutsamen Ereignis bedeutete ein wahres spirituelles Erwachen in meinem Herzen und flößte mir ein ... Gefühl von Stolz auf meinen katholischen Glauben ein. Nach meiner Rückkehr nach Liverpool in die St. Margaret-Marien-Kirche konnte ich diesen Stolz und die Freude an die Gemeindemitglieder weitergeben, indem ich meine Erfahrungen in der Sonntagsmesse mitteilte.“

Clare aus Weybridge schrieb: „Wenn ich heute darüber nachdenke, was den Besuch des Papstes so besonders gemacht hat, war es das Gefühl der Begegnung, dahin geführt und dazu ermutigt zu werden, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen und zu erkennen, dass Gott einen Plan mit jedem und eine Sehnsucht nach jedem Menschen hat. Für uns heißt es jetzt, weiter diese Begegnung zu suchen.“

ZENIT: Das Thema des diesjährigen inländischen Missionssonntags lautet: „Frischer Wind in unseren Segeln“. Wie ist dies Ihrer Ansicht nach in der letzten Zeit unter den Katholiken in Großbritannien verwirklicht worden?

Clare Ward: Bischof Kieran Conry, Vorsitzender der Abteilung für Evangelisierung und Katechese der Bischofskonferenz, ermutigt alle, sich zu engagieren, und sagte: „Ein Jahr [danach], sind wir eingeladen, weiter nachzudenken und zu entscheiden, was als Nächstes kommt. Angeregt durch das Wort und Beispiel des Heiligen Vaters, laden die Bischöfe von England und Wales dazu ein, die Segel neu zu setzen und unter der Führung des Heiligen Geistes nach neuen Wegen zu suchen, die Freude des Glaubens jeden Tag zu teilen.“

Die Art und Weise, wie Menschen ihre Stellungnahme zum Papstbesuch zum Ausdruck gebracht haben, war sehr kreativ und abwechslungsreich.

Zum Beispiel hat ein Diakon im Nordwesten von England eine Apologetikwebsite erstellt, worin er einlädt, über Glauben und Vernunft zu schreiben; oder Studenten und Mitarbeiter des St Dominic’s Sixth Form College in Harrow (London) widmeten seitdem eine Woche dem Glauben „in Aktion“ als Antwort auf den Aufruf des Heiligen Vaters ..., sich für die soziale Gerechtigkeit einzusetzen.

Der Besuch des Heiligen Vaters hatte Alexander Claridge aus Weymouth dazu angeregt, auf die Einladung des Papstes hin am Weltjugendtag teilzunehmen: „Ich kam von dem Besuch nach Hause zurück und fühlte, dass sich etwas in mir verändert hatte. ... Mir wurde bewusst, dass es noch viel mehr bedeutet, ein Katholik zu sein, und ich kann es kaum erwarten, Seine Heiligkeit in Madrid wiederzusehen, und ich werde die Erforschung meines Glaubens fortsetzen.“

In der Diözese von Middlesbrough haben sich mehr als 2.000 junge Menschen zusammengetan, um ihre katholische Erziehung mit Schwerpunkt auf den Ruf zur Heiligkeit zu feiern. Die Schülerinnen und Schüler aus [mehreren Gemeinden] fanden sich zur „Little BIG Assembly“ [kleine Große Versammlung] ein, ... einer Feier mit Gebet, Lobpreis, Gesang, Tanz, Schauspiel und persönlichem Zeugnis. Die Veranstaltung wurde organisiert als Folgeveranstaltung der „BIG Assembly“, bei der Papst Benedikt in London mit Kindern aus allen Teilen des Landes zusammengekommen war. Dabei hatte er die Versammelten daran erinnert, dass Gott nur unsere Freundschaft wolle und uns dazu aufrufe, heilig zu werden.

Der Besuch hat auch nationale Gespräche über Kirche, Gesellschaft und soziales Handeln unter Leitung des „Caritas Social Action Network“ (CSAN) angeregt. Seit September letzten Jahres hat diese Caritasdachorganisation eine Reihe von Veranstaltungen organisiert. Anregung dazu gaben Äußerungen des Papstes während seines Besuchs hinsichtlich des Aufbaus einer neuen Kultur der sozialen Verantwortung. Die erste Veranstaltung, „A Common Endeavour“, galt als der erste große Schritt in dem Programm zur „Neugestaltung und Neubelebung“ der Arbeit der katholischen Gemeinden in England und Wales. 180 Delegierte aus allen Diözesen und anderen unabhängigen Organisationen und Projekten, die im weiten Feld des sozialen Handelns tätig sind, nahmen an der Veranstaltung teil.

Viele andere Erfahrungsberichte treten weiterhin zutage, die von den Früchten des Besuchs von Papst Benedikt in Großbritannien Zeugnis geben. Die empfangenen Gnaden sind vielfältig und zahlreich. Der Besuch war ein außergewöhnliches Erlebnis, und nun trachten wir danach, unsere Segel neu zu setzten, um auf dem Empfangenen weiterzubauen.

[ZENIT-Übersetzung des englischen Originals]