Große Erwartungen an den Kuba-Besuch des Papstes

Bischöfe rufen das ganze kubanische Volk auf, den Gast mit Liebe zu empfangen

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Von Jan Bentz

ROM, 5. März 2012 (ZENIT.org). - Ein deutliches Signal für die Menschenrechte erhoffen sich politisch und religiös verfolgte Kubaner sowie die Exilkubaner von dem anstehenden Besuch von Papst Benedikt XVI. ab dem 26. dieses Monats.

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, haben 749 kubanische Bürgerrechtler und Aktivisten der Demokratiebewegung einen offenen Brief an Papst Benedikt XVI. verfasst, in dem sie das Oberhaupt der katholischen Kirche bitten, während seines für den 26. März geplanten Besuches die Menschenrechtsverletzungen des Castro-Regimes deutlich anzusprechen.

Kuba ist ein Land mit großen Versorgungsengpässen, einem staatsgelenkten Medienbetrieb und der täglichen Überwachung durch den Staatssicherheit. Angeblich sind 6000 Spitzel täglich im Einsatz. Wie alle diktatorischen Regime fürchtet die Regierung nichts mehr als eine unkontrollierte Öffentlichkeit, weshalb oppositionelle Gruppen, die in Einzelaktionen auf die Straße gehen, festgenommen oder auch von Eingreiftrupps der Staatssicherheit verprügelt werden, wie es gerade mit den „Damen in Weiß“ geschehen ist. Diese Angehörigen, Ehefrauen und Mütter ehemaliger Häftlinge, die ein weißes T-Shirt mit einem Fotoaufdruck des inhaftierten, verfolgten oder getöteten Familienmitglieds tragen, besuchen die Sonntagsmesse in der Kirche Santa Rita de Casia in Havannas Stadtteil Miramar und machen anschließend friedlich auf die Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land aufmerksam. Nach Angaben ihrer Sprecherin Berta Soler werden sie sich auch in Zukunft nicht von den kubanischen Behörden daran hindern lassen, die Sonntagsmesse zu besuchen.

Die Frauengruppe entstand 2003 als Zusammenschluss von Angehörigen von 79 regierungskritischen Journalisten, Oppositionspolitikern und Menschenrechtsaktivisten (der sogenannten „Gruppe der 75“), die im Rahmen des kubanischen „schwarzen Frühlings“ verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Durch den international beachteten Kampf um Freilassung und die dabei erlittenen, schweren Verfolgungsmaßnahmen wurden sie zu der bekanntesten Menschenrechtsgruppe des Landes. Sie wurden mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Die kubanische Regierung verbot seinerzeit den Repräsentantinnen die Entgegennahme des „Sacharow-Preises“ der Europäischen Union für geistige Freiheit im Jahr 2006.

„Wir wären sehr glücklich, Sie in unserem Land zu empfangen, wenn die Botschaft von Glauben, Liebe und Hoffnung, die Sie uns bringen können, auch dazu dienen wird, der Unterdrückung jener Einhalt zu gebieten, die die Kirche besuchen wollen", heißt es in dem Statement an Papst Benedikt.

Die katholische Kirche war den Verfolgten bereits im April 2010 zur Hilfe gekommen und hatte mit dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro gesprochen. Die Gewalt und Unterdrückung hatten daraufhin nur für kurze Zeit aufgehört. Am 19. Oktober 2011 geleitete der Erzbischof von Havanna höchstpersönlich 14 „Damen in Weiß" nach Hause, weil die kubanische Staatssicherheit sie nach der Messe verhaften wollte. Seither kommt es immer wieder zu Verhaftungen von Seiten der Regierung.

Auf einer nationalen Konferenz der Kommunistischen Partei in diesem Jahr hatte Kubas amtierender Staats- und Parteichef Raúl Castro demokratische Veränderungen abgelehnt. Neben der kommunistischen Partei werde es keine weiteren geben. Dem iranischen Präsidenten Machmud Achmadinedschad wurde auf seinem kürzlichen Freundschaftsbesuch während seiner Lateinamerikareise in Havanna ein Ehrendoktortitel verliehen. In seiner Rede an der Universität kritisierte er „Arroganz und Hegemoniegelüste” der USA und der westlichen Welt.  

Papst Benedikt XVI.wird in seiner anstehenden Pastoralreise vom 23. bis 28. März 2012 zuerst Mexiko und dann Kuba besuchen. Anlass der Station in Kuba ist der 400. Jahrestag der Erscheinung der kubanischen Schutzheiligen, der barmherzigen Jungfau von El Cobre, ein Jubiläum, das drei Jahre lang in den Gemeinden vorbereitet wurde; das Bild zieht zurzeit unter großer Anteilnahme der gesamten Bevölkerung durch die Kirchen des Landes. Der Heilige Vater wird Santiago de Cuba und Havanna besuchen und von Staatspräsident Raúl Castro empfangen werden.

Die katholische Kirche hat seit dem 16. Jahrhundert, beginnend mit der spanischen Kolonisation, in der Geschichte des Landes bis zur Revolution im Jahr 1959- zu dieser Zeit waren 70 Prozent der Bevölkerung katholisch- eine bedeutende Rolle gespielt. Diplomatische Beziehungen zwischen Kuba und dem Heiligen Stuhl bestehen seit 1935. Seit der kommunistischen Machtübernahme unter Fidel Castro und dessen antireligiösen Maßnahmen ging die Zahl der Katholiken bis 1979 um etwa die Hälfte zurück. In den 80er Jahren gab es eine Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und der kommunistischen Regierung. Im November 1996 wurde Fidel Castro von Papst Johannes Paul II. empfangen. Dem folgte eine Pastoralreise des Papstes im Jahr 1998, wo an der Papstmesse auf dem Platz der Revolution eine Million Kubaner teilnahmen.

Die Kirche in Kuba ist in drei Erzdiözesen eingeteilt, Erzbistum San Cristóbal de la Habana, Camagüey und Santiago de Cuba. Es gibt ungefähr 300 Priester, davon 180 Diözesanpriester. Die Zahl der Taufen in Havanna ist steigend. Die Kirche unterhält mehrere Bildungseinrichtungen, darunter das Höhere Seminar in Havanna. In ihrem Besitz befinden sich auch einige Heime und Krankenhäuser, es gibt karitative Arbeit unter den Armen.

Nach Berichten des Fidesdienstes bereitet sich die Ortskirche intensiv auf den Besuch von Papst Benedikt XVI. vor. Dazu veröffentlichte die Diözese Holguin ein Video, das insbesondere auch die Orte zeigt, die der Papst besuchen wird. Das Video ist auf den Internetseiten der Kubanischen Bischofskonferenz zugänglich.

„Die Bischöfe Kubas möchten das ganze Volk dazu einladen, Papst Benedikt XVI. mit Liebe und Begeisterung zu empfangen“, heißt es in einem Schreiben der Kubanischen Bischofskonferenz vom 1. März. „Es sind nur noch wenige Tage, bis der Papst hier auf Kuba unter uns sein wird. Und es ist besonders interessant, dass das Schreiben der Bischöfe sich nicht nur an die kubanischen Katholiken sondern an das ganze kubanische Volk wendet“, so der Sekretär der Bischofskonferenz, Pfarrer José Felix Perez, bei der Präsentation des Schreibens.

„Alle Gläubigen bitten wir, sich während der Woche vor der Ankunft des Papstes an drei Tagen im Zeichen des Gebets und der Mission auf den Besuch vorzubereiten. Das Jubiläumsjahr 2012 ist der Danksagung für das Geschenk der Madonna del Cobre gewidmet, und wir wollen mit viel christlicher Liebe eine Wallfahrt zum Heiligtum der Gottesmutter veranstalten, bei der wir Gelegenheit haben werden, über die Lehren nachzudenken, die der Papst uns hinterlassen wird, damit wir die christlichen Wurzeln unseres Landes festigen“, so die Bischöfe.