Großer Intellektueller und Prediger für die einfachen Herzen: Benedikt XVI. über Augustinus

Generalaudienz im Petersdom und in der Audienzhalle Pauls VI.

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ROM, 20. Februar 2008 (ZENIT.org).- „Doppelte“ Generalaudienz im Vatikan, und zum vierten Mal der heilige Augustinus und seine Lehre im Mittelpunkt: Nach der Pause der vergangenen Woche (aufgrund der Fastenexerzitien der Römischen Kurie) führte Benedikt XVI. heute Vormittag den Katechesenzyklus über die Kirchenväter weiter.



Rund 10.000 Pilger waren für die traditionelle Mittwochsaudienz angemeldet, so dass der Heilige Vater einen Teil der Gläubigen vor der eigentlichen Audienz in der Aula Paolo VI im Petersdom begrüßen musste. In der Basilika lud der Papst die Gläubigen dazu ein, nicht müde zu werden, überall Zeugen der Liebe zu sein. Sie sollten sich vor Augen halten, „dass die Liebe der Lebensstil ist, der den Gläubigen auszeichnet“.

In seinem Grußwort an die deutschsprachigen Pilger erinnerte der Papst daran, dass die Fastenzeit eine gute Gelegenheit sei, den Weg der Umkehr entschieden weiterzugehen und sich um eine geistliche Erneuerung zu bemühen: zur Neubelebung des Glaubens und der persönlichen Gottesbeziehung sowie zur Förderung des großherzigen Einsatzes im Geist des Evangeliums.

Benedikt XVI. konzentrierte sich dann in seiner Katechese insbesondere auf das Schaffen des heiligen Augustinus und die Vielzahl seiner Werke. In ihnen sei zu sehen, dass sich der Heilige ganz in das Geheimnis Gottes hinein gewagt habe und gleichzeitig darum bemüht gewesen sei, von den einfachen Menschen verstanden zu werden.

Die Schriften des Augustinus seien nicht allein für die Geschichte des Christentums von Bedeutung gewesen, sondern für die Ausbildung der gesamten abendländischen Kultur, erläuterte der Bischof von Rom. Klarstes Beispiel hierfür seien die „Bekenntnisse“.

Augustinus selbst habe kurz vor seinem Tod ein kritisches Verzeichnis seiner Schriften erstellt, um deren Gedächtnis trotz des Einfalls der Vandalen zu bewahren. Es umfasst 1.300 Schriften; zu diesen kommen 300 Briefe und mehr als 600 Predigten hinzu, die auf uns überkommen sind. Die Gesamtzahl der Predigten, so der Papst, dürfe sich ursprünglich auf zwischen 3.000 und 4.000 belaufen haben.

Die Veröffentlichungen des Heiligen umfassen philosophische, apologetische, lehrmäßige, moralische, monastische, exegetische und wider die Irrlehren gerichtete Schriften.

Die „Bekenntnisse“ (397-400) sind nach Worten des Papstes eine Autobiographie in der Gestalt eines Dialogs mit Gott. Das Wort „confessio“ habe zwei Bedeutungen: das Bekenntnis der eigenen Schwächen, der Armseligkeit der Sünden; gleichzeitig aber auch das Lob Gottes, die Anerkennung Gottes. „Die eigene Armseligkeit im Lichte Gottes zu sehen, wird zum Lob Gottes und zum Dank dafür, dass Gott uns liebt und uns annimmt; dass er uns verwandelt und zu sich selbst erhebt“, erklärte der Heilige Vater.

Weniger verbreitet als die „Bekenntnisse“ seien die „Retractationes“, die um das Jahr 427 in zwei Büchern verfasst wurden. In diesem Buch habe Augustinus eine Arbeit der „Revision“ (lat. „retractatio“) seines gesamten geschriebenen Werkes vorgelegt. Somit hinterlasse er ein einzigartiges und sehr wertvolles literarisches Dokument, das gleichzeitig eine „Lehre an Aufrichtigkeit und intellektueller Demut“ sei.

„Der Gottesstaat“, so Papst Benedikt XVI. anschließend, „ist ein eindrucksvolles und für die Entwicklung des politischen Denkens des Abendlandes sowie für die christliche Geschichtstheologie entscheidendes Werk“. Augustinus zeige in ihm nach den Wirren der Plünderung der ehemaligen „Welthauptstadt (410), was der Mensch sich von Gott erwarten muss und was nicht, worin das Verhältnis zwischen der politischen Sphäre und der Sphäre des Glaubens, der Kirche besteht, die große wahre Hoffnung, die uns der Glaube schenkt“.

Im „Gottesstaat“ präsentiere Augustinus die Menschheitsgeschichte, „die von der göttlichen Vorsehung gelenkt, aber durch zwei Arten der Liebe gespalten wird“.

In seinem Werk „Über die Dreifaltigkeit“, das aus 15 Büchern besteht, denke der Heilige über das Antlitz des einen und doch dreifaltigen Gottes nach, der ein „Kreis der Liebe ist“. Augustinus erkläre darin: „Gerade das dreifaltige Sein in drei Personen ist die wirklichste und tiefste Einheit des einen Gottes.“

Mit dem Werk „Über die christliche Lehre“ liefere Augustinus dann eine richtig gehend kulturelle Einführung in die Auslegung der Bibel und letztlich des Christentums selbst. Dadurch habe er einen entscheidenden Beitrag zur Ausformung der abendländischen Kultur geleistet.

Augustinus sei sich seiner intellektuellen Statur bewusst gewesen. Dennoch habe er in erster Linie den einfachen Menschen die christliche Botschaft vermitteln wollen. Beispiele hierfür seien die Werke über den Katechismus für die gewöhnlichen Gläubigen und das gegen die donatistische Irrlehre gerichtete Gedicht „Psalmus contra partem Donati“. Die Donatisten behaupteten, dass das wahre Christentum nur in Afrika bestehen würde. Augustinus hingegen habe alle Menschen begreifen lassen wollen, dass nur in der Einheit der Kirche unsere Beziehung mit Gott verwirklicht werde und der Friede in der Welt wachse.

Seine Predigten habe Augustinus oft frei gesprochen. Sie seien von Stenographen mitgeschrieben und dann sofort in Umlauf gebracht worden. Diese Veröffentlichungspraxis erkläre die rasche und breite Verbreitung der Schriften des Augustinus, die auch vielen anderen Bischöfen und Priestern als Muster dienten und gerne an die neuen Umstände angepasst wurden.

Der sterbende Augustinus, so berichtete der Papst, habe verfügt, dass seine Bibliothek gut aufbewahrt werde. So lebe der große Heilige in seinen Schriften weiter, und sei auch für uns lebendig: „Wir sehen so die bleibende Lebendigkeit des Glaubens, dem er sein ganzes Leben gewidmet hat.“