Größte Heiligsprechung in der Geschichte der Kirche

Papst Franziskus erhebt Märtyrer von Otranto zur Ehre der Altäre

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 522 klicks

Papst Franziskus hat am Sonntag, dem 12. Mai, neben der kolumbianischen Ordensgründerin Laura di Santa Caterina da Siena Montoya y Upegui (1874-1949) und der Mexikanerin Maria Guadalupe Garcia Zavala (1878-1963) den seligen Antonio Primaldo und seine Gefährten, die 800 „Märtyrer von Otranto“, heilig gesprochen. Es handelt sich um eine Gruppe von Männern, die im Jahr 1480 zur Zeit der Eroberungsfeldzüge des ottomanisch-türkischen Eroberers Mehmed II im süditalienischen Otranto vor die Wahl gestellt wurden, entweder zum Islam zu konvertieren oder getötet zu werden. Sie widersetzten sich unter Führung des Schneiders Antonio Pezzulla, genannt „Primaldo", dem Ansinnen, ihrem Glauben abzuschwören, und wurden daraufhin vor den Augen ihrer Familien ermordet.

Diesen Mut hätten sie in einem Glauben gefunden, dessen Blick über die menschlichen Perspektiven und die Grenzen des irdischen Lebens hinausreiche, erklärte Franziskus in seiner Predigt. Zum Glaubenszeugnis gehöre freilich stets auch das Zeugnis der Liebe, ohne das jedes Martyrium und jede Mission ihre christliche Prägung verlören.

„Es ist mein Wunsch, dass die Märtyrer von Otranto dem geliebten italienischen Volk dabei helfen, der Zukunft hoffnungsvoll entgegenzublicken, im Vertrauen auf Gott, der uns selbst in den schwierigen Momenten niemals im Stich lässt“, so der Papst und verwies auch auf die zahlreichen Christen, die heute Gewalt, Anfeindungen und Unverständnis ausgesetzt seien: „Gott gebe ihnen Mut zur Glaubenstreue und mache es ihnen möglich, Böses mit Gutem zu vergelten.“

Mehmet II war einer der mächtigsten und erfolgreichsten Herrscher in der ottomanisch-türkischen Geschichte, der im Jahr 1453 die bisher als unbezwingbar geltende Stadt Konstantinopel eingenommen hatte. 1480 drang er nach Otranto vor, der apulischen Stadt im äußersten Stiefelabsatz von Italien. Zunächst richteten sie ein Blutbad in der Kathedrale an, in die sich der Klerus mit einigen Hundert Menschen geflüchtet hatte. Weiterhin wurden Tausende von Menschen mit der Absicht ermordet, den Einwohnern der Halbinsel durch Terror Angst einzuflößen und sie gefügig zu machen. Nachdem die Stadt gefallen war, wurden ihre zivilen und religiösen Führer entweder enthauptet oder in Stücke gerissen.

Donald Prudlo, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Jacksonville State University im US-Bundesstaat Alabama, bezeichnete das Martyrium der 800 Männer in einem Interview mit Radio Vatikan als „Rettung Europas“:

„Die Bedeutung ihres Opfers war klar. Antonio und seine Mitbürger haben letztlich Europa gerettet — ihr mutiges Handeln gab der Christenheit einerseits die Zeit, sich wieder zusammenzuschließen, und andererseits, die Dimension der Bedrohung zu realisieren. Mehmed II. starb im folgenden Jahr im Alter von nur 49 Jahren, was die Exansionspläne der Ottomanen zunichte machte.“

Nach der Befreiung Otrantos durch Alfonso von Aragon ein Jahr später wurden die unverwesten 800 Leichen in der Kathedrale der Stadt beigesetzt. 1771 bestätigte Papst Clemens XIV. den Kult zu ihrer Verehrung als Patrone der Stadt. 2007 erkannte  Benedikt XVI. sie offiziell als Märtyrer an, da sie aus Hass gegen den christlichen Glauben getötet worden waren. Über den abgeschlossenen Prozess für die Heiligsprechungen hatte Benedikt XVI. in der Versammlung der Kongregation für die Heiligsprechungen am 11. Februar informiert, in der er auch seinen Amtsverzicht ankündigte.

Ein kirchliches Ereignis ähnlichen Ausmaßes war lediglich im Jahre 2007 die Seligsprechung von 498 Märtyrern des spanischen Bürgerkrieges am 28. Oktober.

Laura di Santa Caterina da Siena Montoya y Upegui

Mit der kolumbianischen Ordensgründerin Laura di Santa Caterina da Siena Montoya y Upegui wurde die erste Kolumbianerin zur Ehre der Altäre erhoben. Der Seligssprechungsprozess war 1963 wie üblich in ihrer Heimatdiözese eingeleitet worden.

Die neue Heilige absolvierte eine Ausbildung als Lehrerin und plante nach dem Abschluss im Fach Religion ursprünglich, bei den Karmelitinnen einzutreten. Später reifte ihr Wunsch, unter den Indios zu missionieren, und sie ging mit vier Gefährtinnen 1914 nach Debeiba. Unterstützung erhielt sie vom Bischof von Santa Fe de Antioquia, Maximiliano Crespo Riveraund, und sie gründete die Ordensgemeinschaft der „Missionarinnen der Unbefleckten Jungfrau Maria und St.Katharina von Siena.“

Die letzten neun Jahre ihres Lebens war M. Laura an den Rollstuhl gefesselt. Sie starb nach langer und schwerer Krankheit am 21. Oktober 1949 in Medellín.

Die von ihr gegründete Kongregation umfasst heute ungefähr 500 Ordensschwestern in 19 Ländern auf den drei Kontinenten Amerika, Afrika und Europa.

Durch die Fürsprache der Mutter Laura Montoya erhofft sich der Papst einen neuen missionarischen Impuls. Nach ihrem Beispiel wünscht er sich von den „lieben Menschen Kolumbiens“ auch weitere Bemühungen um den Frieden, Eintracht und die rechte Entwicklung ihres Landes.

„Möge die geschätzte mexikanische Nation, die von Gewalt und Unsicherheit beeinträchtigt ist, den Weg zu Solidarität und brüderlichem Zusammenleben fortsetzen“, so der Papst.

Ihr Gedenktag ist der 21. Oktober.

Maria Guadalupe Garcia Zavala (1878-1963)

Die Mexikanerin Maria Guadalupe Garcia Zavala (1878-1963), auch „Madre Lupita“ genannt, lehnte in ihrer Jugend, veranlasst durch eine intensive Beziehung zur Muttergottes, eine Heirat ab und widmete sich als Krankenschwester in einem Hospital besonders der Fürsorge für arme Kranke. Am 13. Oktober 1901 gründete sie die Ordensgemeinschaft der „Congregación religiosa de las Siervas de Santa Margarita Maria y de los Pobres“(„Dienerinnen der heiligen Margarita Maria und der Armen“), deren Generaloberin sie wurde. Während der Revolution und der Kirchenverfolgung in Mexiko in den Jahren 1911 bis 1936 konnten die Schwestern innerhalb des Krankenhauses im Untergrund wirkende Priester und Bischöfe, so auch den Erzbischof von Guadalajara, betreuen. Durch die Pflege von verwundeten Soldaten entgingen sie weiterer Verfolgung und Belästigung.

Am 13. Oktober 1961 feierte die Gemeinschaft noch das diamantene Ordensjubiläum von Madre Lupita, zwei Jahre vor ihrem Tod. Madre Lupita wurde am 25. April 2004 seliggesprochen.

„In die Hände der hl. Guadalupe García Zavala legen wir alle Armen, Kranken und Leidenden sowie jene, die ihnen Beistand leisten. Möge die Heilige Mexiko bei der Verbannung aller Gewalt und Unsicherheit zur Seite stehen, sodass Wege der Solidarität und des friedlichen Zusammenlebens beschritten werden können“, so Papst Franziskus.

Ihr Gedenktag ist der 24. Juni.