Gründerin der Fokolar-Bewegung verstorben

Chiara Lubich verbrachte ihre letzten Stunden im Fokolar in Rocca di Papa

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ROM, 14. März 2008 (ZENIT.org).- Chiara Lubich ist heute gegen 2 Uhr Mitternacht in ihrem Fokolar, das in Rocca di Papa bei Rom liegt, gestorben. Dorthin war sie am Donnerstag in den frühen Morgenstunden auf eigenen Wunsch hin gebracht worden, um die letzten Stunden ihres Lebens mit ihren engsten Mitarbeitern und Freunden zu verbringen.

Heute hatten Millionen Fokolare ihre Gründerin besonders im Gebet begleitet. An vielen Orten fanden am späten Abend des Donnerstags Gottesdienste im Gedenken an die verstorbene Chiara statt, die bis jetzt Präsidentin der Fokolar-Bewegung war.

Die 88-jährige Gründerin der Fokolar-Bewegung war 30 Tage lang in der Gemelli-Klinik hospitalisiert, wo sie nach einer Routineuntersuchung wegen akuten Atemproblemen behandelt worden war. Papst Benedikt XVI. hatte der Kranken in dieser Woche noch einen ermutigenden persönlichen Brief geschrieben.

Der behandelnde Arzt, Prof. Dr. Salvatore Valente, Lehrstuhlinhaber für Neumología in der Poliklinik „Agostino Gemelli“, bestätigte, dass die schweren Atembeschwerden angehalten hätten. Gestern Nacht wurde aber die künstliche Beatmung abgesetzt, nachdem auch weitere Komplikationen eingetreten waren. Danach wurde Chiara Lubich, die darum gebeten hatte, im Kreis ihrer engsten Mitarbeiter sein zu können, in ihr Fokolar nach Rocca di Papa bei Rom gebracht.

In seinem mit Hand geschriebenen Brief versprach der Papst Chiara „in diesem schwierigen Moment“ sein Gebet und seinen „besonderen Segen“. Er wisse um die Anfechtungen, die sie durchzustehen habe, erklärte der Papst, und er wünscht ihr den nötigen Trost „und dass ihr die Erfahrung des erlösenden Wertes eines in tiefer Gemeinschaft mit Ihm durchstandenen Leidens zuteil werde“.

Aus der ganzen Welt und seitens der Vertreter verschiedener Religionen waren in diesen Tagen Briefe für Chiara Lubich in der Gemelli-Klinik eingetroffen.

Unter den Besuchern an ihrem Krankenbett waren in den diesen Tagen der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., der Prager Kardinal Miloslav Vlk oder auch Andrea Ricardi, Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio. Nach Angaben der Fokolar-Bewegung erlebten sie mit der sterbenskranken Chiara Lubich Augenblicke tiefer geistlicher Gemeinschaft.

Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel erklärte am Ende seines Besuchs: „Ich wollte kommen, um meiner geliebten Chiara Lubich meinen persönlichen Gruß und den des Ökumenischen Patriachates von Konstantinopel zu entbieten. Sie hat mit ihrem Leben der ganzen Kirche soviel gegeben. Ich habe ihr auch meinen Segen gespendet. Ich bin so glücklich darüber, dass ich sie besuchen konnte“.

Chiara Lubich wurde am 22. Januar 1920 in Trient, Trentino geboren. Ihren Taufnamen Silvia hat sie 1943 durch Chiara ersetzt, als sie das Gelübde für ein geweihtes Leben im dritten Orden der Franziskaner ablegte.

Schon in der Familie wurde Chiara mit der Auseinandersetzung zwischen Christentum und Marxismus konfrontiert: Ihre Mutter war überzeugte Christin, ihr Vater Sozialist, ihr Bruder Redakteur bei der kommunistischen Zeitung L'Unità und zur Zeit des italienischen Faschismus Partisan.

Chiara Lubich wurde zunächst 1938 Volksschullehrerin. Sie unterrichtete anschließend in verschiedenen Trentiner Dörfern und begann an der Universität Venedig das Studium der Philosophie. Eine Beendigung des Studiums war wegen des Krieges nicht möglich.

Geprägt durch die Erlebnisse des Krieges und ihr stark ausgeprägtes christliches und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein, gründete sie 1943 die Fokolar-Bewegung, deren Präsidentin sie bis heute war.

Sie erwarb große Anerkennung durch ihre Bemühungen um die Ökumene und den interreligiösen Dialog. Für ihr Werk wurden ihr eine Vielzahl von internationalen Preisen und Ehrendoktoraten verliehen, unter anderem der Unesco-Preis für Friedenserziehung 1996, der Menschenrechtspreis des Europarates 1998 und jüngst der Ehrendoktor der ökumenischen Hope Universität.