Grußwort Benedikts XVI. im Anschluss an die Seligsprechung von Kardinal Clemens August von Galen (9. Oktober 2005)

"Er trägt uns auf, heute wieder den Glauben neu zu leben, und er zeigt uns auch, wie das geht"

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ROM, 11. Oktober 2005 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Grußworte, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag unmittelbar nach der Seligsprechung von Kardinal Clemens August Graf von Galen, Bischof von Münster (1878-1946), an die Gläubigen im Petersdom richtete.



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Am Ende dieser Feier, in der Kardinal Clemens August Graf von Galen in das Verzeichnis der Seligen aufgenommen wurde, wird mir die Freude zuteil, mich mit euch allen zu vereinen, die ihr so zahlreich hier in der Basilika von Sankt Peter erschienen seid, um dem neuen Seligen die Ehre zu erweisen. Herzlich begrüße ich meine verehrten Kardinals- und Bischofsbrüder, die verschiedenen Repräsentanten des öffentlichen Lebens und alle Anwesenden.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals. Auf Deutsch fuhr der Heilige Vater fort:]

Sehr herzlich grüße ich die Bischöfe und Priester, die Vertreter des öffentlichen Lebens und alle Pilger, die aus Münster und aus ganz Deutschland nach Rom gekommen sind. Mit Freude vereine ich mich mit euch allen in der Verehrung des neuen Seligen Kardinal Clemens August Graf von Galen. Wir alle, und besonders wir Deutschen, sind dankbar, dass uns der Herr diesen großen Zeugen des Glaubens geschenkt hat, der in finsterer Zeit das Licht der Wahrheit aufgerichtet und den Mut des Widerstands gegen die Macht der Tyrannei gezeigt hat. Aber wir sollen uns auch fragen: "Von woher kam ihm diese Einsicht in einer Zeit, in der gescheite Leute der Verblendung verfielen? Und von woher kam ihm die Kraft zum Widerstand in einem Augenblick, in dem auch starke Menschen sich schwach und feige gezeigt haben?"

Einsicht und Mut sind ihm aus dem Glauben gekommen, der ihm die Wahrheit gezeigt und das Herz und die Augen dafür geöffnet hat, und weil er Gott mehr fürchtete als die Menschen, der ihm den Mut gegeben hat, zu tun und zu sagen, was andere nicht zu tun und zu sagen wagten. So gibt er uns Mut, ja er trägt uns auf, heute wieder den Glauben neu zu leben, und er zeigt uns auch, wie das geht – in ganz einfachen, demütigen und doch großen und tief reichenden Dingen. Denken wir daran, dass er sehr oft zu Fuß zur Muttergottes nach Telgte gepilgert ist, dass er die ewige Anbetung in St. Servatius eingeführt hat, dass er oft im Sakrament der Buße die Gnade der Vergebung erbeten und geschenkt bekommen hat.

So zeigt er uns diese einfache Katholizität, in der der Herr uns begegnet, in der er uns das Herz aufmacht und uns so die Unterscheidung der Geister, den Mut des Glaubens und die Freude daran gibt, dass wir Erlöste sind. Wir danken dem Herrn für diesen großen Zeugen und bitten darum, dass er uns leuchte und führe.

Seliger Kardinal Graf von Galen, bitte gerade in dieser Stunde für uns, für die Kirche in Deutschland und in der ganzen Welt. Amen.

[Vom Heiligen Stuhl veröffentlichtes deutsches Original]