Grußwort des Delegierten Präsidenten, Kardinal John Tong Hon, Bischof von Hong Kong (China)

Krise führt zum Glauben: 3000 Erwachsenentaufen in diesem Jahr

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VATIKANSTADT, 9. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Grußwort des delegierten Präsidenten, Kardinal John Tong Hon, Bischof von Hong Kong (China), bei der ersten Generalkongregation.

[Wir dokumentieren die Grußworte in der zur Verfügung gestellten Übersetzung des Presseamts des Heiligen Stuhls:]

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Lieber Heiliger Vater,

von Seiten der Synodenväter und der Teilnehmer möchte ich Ihnen unsere herzlichen Grüße und unsere tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck bringen dafür, dass Sie uns zur dieser Versammlung der Bischofssynode eingeladen haben. Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens ist in der Tat ein dringliches Thema, weil viele Menschen in der Welt unseren Herrn Jesus Christus immer noch nicht kennen und viele der Getauften die Glaubenspraxis aufgegeben haben.


Vor fünfzig Jahren hat uns das Zweite Vatikanische Konzil ermutigt „hinauszufahren” (Lk 5,4). In ähnlicher Weise müssen wir uns auch heute die Gemeinschaft der frühen Kirche (Apg 2,42-47) zum Vorbild nehmen für die Evangelisierung. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft besaßen drei Eigenschaften, die mit den drei griechischen Worten didache, koinonia und diakonia beschrieben werden können. Didache bedeutet Lehre, die nicht nur Theorie ist, sondern vielmehr eine persönliche Annahme des menschgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus. Koinonia bedeutet Gemeinschaft auf verschiedenen Ebenen: grundsätzlich mit Gott; und dann mit allen Gliedern der Kirche; und in noch weiterem Sinn mit den Menschen der ganzen Welt, insbesondere mit den Armen. Diakonia bedeutet Dienst, von dem Jesus uns lehrt, dass wir uns nicht bedienen lassen, sondern dass wir dienen sollen, auch bis zur totalen Selbsthingabe am Kreuz (vgl. Mt 20,28). Für diese drei Eigenschaften gibt es in Hongkong, Macao und Festlandchina Zeugnisse.

In Hongkong erlebten viele Familien vor der Rückkehr der Stadt unter die Souveränität von China 1997 eine Krise aufgrund der Angst davor, unter einem kommunistischen Regime zu leben. Der Begriff „Krise” besteht in der chinesischen Sprache aus zwei Zeichen: „Gefahr” und „Chance”. So kehrten angesichts der Krise der Unsicherheit auch nicht-praktizierende Katholiken auf der Suche nach einer geistlichen Unterstützung zur Kirche zurück. Und viele Gläubige nahmen an den Katechesen, Bibelkursen und theologischen Seminaren teil, um ihren Glauben zu vertiefen und das Evangelium verkünden zu können. Heute hat unsere Diözese mehr als eintausend gut ausgebildete freiwillige Katecheten. In diesem Jahr haben mehr als dreitausend Erwachsene in der Osternacht die Taufe empfangen.

Macao, unsere Nachbardiözese, hat ähnliche Bemühungen unternommen und in den letzten Jahren eine wachsende Zahl von Taufen erlebt. Der Pfarrer einer ländlichen Gemeinde in Nordchina hat mir von seinen Erfahrungen bei der Evangelisierung erzählt. Nachdem er viel gebetet hatte, beschloss er, die Pfarrgemeinde in zwei Gruppen mit verschiedenen Aufgaben einzuteilen. Den Neugetauften gab er den Auftrag, ihre nicht-katholischen Freunde und Verwandten zur Katechese zu bringen, und denen, die schon länger den katholischen Glauben angenommen hatten, gab er den Auftrag, die Katechumenen im Katechismus zu unterrichten. Während des Katechismusunterrichts betete der Pfarrer mit ganzem Herzen in der Kirche. Schließlich gab es in der Pfarrei mehr als tausend Taufen pro Jahr.

Unter den Merkmalen von didache, koinonia und diakonia, wie sie beispielhaft in der frühen Kirche gelebt wurde und sich in den oben genannten Zeugnissen widerspiegeln, scheint mir die didache am wichtigsten zu sein, denn Gott wirkt durch uns als Seine Zeugen. Wir müssen in der heutigen Zeit angesichts einer in der Welt vorherrschenden materialistischen Kultur und angesichts des Problems der abgefallenen Katholiken in der Kirche eifrige Zeugen unseres Glaubens sein. Wir müssen ebenso den jungen Menschen Aufmerksamkeit schenken, woran der Heilige Vater uns immer wieder erinnert: “Mögen die jungen Menschen den Jugendlichen das Evangelium verkünden.” Gottes Heilsplan ist wundervoll. Ich bin sicher, dass wir mit Glauben, Hoffnung und Liebe in unserem Evangelisierungsauftrag Erfolg haben werden.

Lieber Heiliger Vater, die Synodenväter und die Teilnehmer danken Ihnen für ihre freundliche Aufmerksamkeit. Sie freuen sich darauf, Ihre Worte und Ihr Zeugnis zu hören.