Grußwort von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch an deutsche Kardinäle

Empfang im Campo Santo Teutonico

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 894 klicks

„Habemus Papam“, mit Spannung hatten am letzten Mittwoch Tausende hier auf dem Petersplatz und Millionen Menschen in aller Welt auf diese Worte gewartet. Am frühen Abend erklangen sie von der Loggia des Petersdoms. Und kurz danach zeigte sich Papst Franziskus der Weltöffentlichkeit. Heute haben wir zu Beginn seines Pontifikats anlässlich seiner Amtseinführung die Eucharistie mit unserem neuen Heiligen Vater gefeiert. Ich begrüße Sie herzlich zum Empfang der Deutschen Bischofskonferenz hier im Campo Santo Teutonico. Ich empfinde diese Stunde als Moment großen Dankes und herzlicher Freude über den neuen Hirten, den uns der Herr durch das Wirken seines Geistes geschenkt hat.

Besonders begrüße ich die Kardinäle: alle, die vor dem Konklave mit ihren Redebeiträgen in den täglichen Kardinalstreffen Impulse für den Kurs der Kirche gegeben haben, und besonders jene, die darüber hinaus im Konklave durch ihre Stimmabgabe Verantwortung für die Kirche übernommen haben. Euch, liebe Mitbrüder, rufe ich von Herzen und sicherlich im Namen aller hier Versammelten zu: Danke für Eure Wahl. Sie hat einen Mann getroffen, der von Beginn an beeindrucken und Maßstäbe setzen konnte.

Papst Franziskus hat in seiner Heimat und in der Kirche seiner Heimat gelernt, wie man der Kirche trotz und dank der Vielfalt der Kräfte in ihrem Inneren eine Richtung geben kann. Er weiß sich in der Verantwortung für das Volk Gottes; und es ist das Volk Gottes, durch dessen Glauben er sich selbst stärken lassen will, um seinerseits den Glauben des Volkes Gottes zu stärken. Ich bin überzeugt, dass dies grundlegende Richtungsmarken seines Pontifikats sein werden. In manchen kleinen Gesten der ersten Tage hat der Papst gezeigt, was für ihn die Nähe zu den Menschen bedeutet, die er sucht. Sie reichen vom Bezahlen der Hotelrechnung bis zum Segen für einen Blindenhund vor wenigen Tagen bei der Audienz für die Journalisten, denen Papst Franziskus schmunzelnd zurief, sie hätten viel zu arbeiten gehabt.

Sehr viel Arbeit liegt nun auch vor ihm selbst. In meiner ersten Gratulation im Namen der Deutschen Bischofskonferenz habe ich Papst Franziskus die volle Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz, ja aller Katholiken unseres Landes zugesagt. Wir stehen an der Seite von Papst Franziskus, der uns in seiner ersten kurzen Ansprache auf die fundamentale Gemeinsamkeit angesprochen hat, in der wir stehen: Der Bischof mit dem Volk und das Volk mit dem Bischof. Diese Worte empfand ich – wie auch die heutige Predigt – äußerst wohltuend. Dabei dürfen wir den Heiligen Vater nicht mit unseren Erwartungen überfrachten. Vielerorts werden schon Forderungen an den Papst formuliert, was jetzt alles passieren müsse. Lassen wir dem Heiligen Vater die notwendige Zeit, um – wie er selbst mitteilen ließ – „in Gebet, Reflexion und Gesprächen“ die anstehenden Entscheidungen vorzubereiten und zu treffen!

Die Deutsche Bischofskonferenz wird den Weg mit Papst Franziskus gehen. Es ist nicht unser eigener Weg, den wir entwerfen und nur entschieden voran zu gehen hätten; es ist der Weg, den Gott selbst uns finden lässt. Dazu braucht es die Nähe zu Gott, besonders auch die Zeit zu Stille und Gebet. Dies hat Papst Franziskus gleich am Mittwochabend deutlich gemacht. Die erste Begegnung, die die Gläubigen in Rom auf dem Petersplatz und wir alle vor dem Fernseher mit ihm erleben durften, war mitgeprägt vom Gebet. Es war das Gebet füreinander – für den emeritierten Papst Benedikt XVI., für das Volk Gottes und für Papst Franziskus.

Schauen wir in diesen Momenten nach vorne! Lassen wir uns von den spannenden und die Welt in Atem haltenden Bildern und Nachrichten der vergangenen Tage weiter tragen. Mit Papst Franziskus gehen wir auf das Osterfest zu und wollen uns an seiner Seite wie damals die Apostel an Ostern senden lassen in die Welt und in die Bewährung des Glaubens.

Vom emeritierten Papst Benedikt XVI., an den wir auch in dieser Stunde dankbar denken, stammt das schöne Wort: „Wer glaubt, ist nie allein.“ Nehmen wir dieses Wort mit in das neue Pontifikat und verbinden wir es mit dem Motiv des Weges, das Papst Franziskus uns vorgibt: zu glauben heißt, zu Gott auf dem Weg zu sein, mit Glaubenden und Gottsuchern in aller Welt.

Verehrte Gäste, ich danke Ihnen nochmals für Ihr Kommen. Ich danke dem Rektor des Kollegs auf dem Campo Santo Teutonico, Pfr. Dr. Hans-Peter Fischer, für die Gastfreundschaft. Nun wünsche ich Ihnen gute Gespräche und eine ordentliche Stärkung, um das heute Morgen Erfahrene nachklingen zu lassen. Jesus war selbst jemand, der gute Einladungen auszusprechen und anzunehmen wusste.