Grußwort von Erzbischof Zollitsch im Caritas Baby Hospital in Bethlehem

„Glaubenszeugnis in einer Atmosphäre von Verzweiflung und Misstrauen“

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BETHLEHEM, 13. Mai 2009 (ZENIT.org/dbk.de).- Wir veröffentlichen die Grußansprache, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, heute beim Besuch von Papst Benedikt XVI. im Caritas Baby Hospital in Bethlehem gehalten hat.

Das Kinderkrankenhaus ist eine Gründung des Missionars Pater Ernst Schnydrig und wird von der Kinderhilfe Bethlehem getragen. Erzbischof Zollitsch gehört mit dem Vorsitzenden der Schweizer Bischofskonferenz, Msgr. Kurt Koch, zu den Protektoren der Kinderhilfe.

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Heiliger Vater, lieber Herr Präsident!

Als Protektoren der Kinderhilfe Bethlehem freuen Bischof Kurt Koch und ich uns, Sie im Caritas Baby Hospital begrüßen zu dürfen. Hier finden Kinder medizinische Hilfe und ihren Müttern wird etwas von der erdrückenden Last und Sorge des Alltags genommen. Zugleich hat dieser Ort hohen symbolischen Wert.

Am Weihnachtsabend 1952 ging Pater Ernst Schnydrig, Missionar Unserer lieben Frau von La Salette, zur Geburtskirche. Auf dem Weg wurde er Zeuge, wie ein verzweifelter palästinensischer Vater über sein totes Kind trauerte und weinte - und es mit bloßen Händen begrub. Diese dramatische Erfahrung war - und ist bis heute - Motor und Motivation des Caritas Baby Hospitals.

Pater Schnydrig gründete es und versprach: Nie wieder soll einem Kind am Geburtsort Jesu medizinische Hilfe verwehrt bleiben. So ist es auch kein Zufall, dass eine Plastik des barmherzigen Samariters, die Pater Schnydrig sehr schätzte, am Eingang der Kapelle steht.

Über fünfzig Jahre nach der Gründung ist nicht nur das Hospital selbst, sondern auch seine Unterstützung ein lebendiges und verbindendes Zeichen unseres christlichen Glaubens. Die Kinderhilfe Bethlehem ist das einzige Hilfswerk mit einem multinationalen Vorstand. Dies ist ein klares Zeichen, dass Christen in Europa Hand in Hand, über Grenzen hinweg, den Kindern am Geburtsort Jesu helfen wollen.

Die Zusammenarbeit zwischen Bethlehem und Europa beeinflusst Unterstützer und Unterstützte: Gefangen in der Mitte eines verwüstenden Konfliktes profitiert das Caritas Baby Hospital vom internationalen Schutz und Unterstützerkreis. Auf der anderen Seite verbinden Menschen in der Schweiz, in Deutschland, in Österreich und auch in Italien viel mit dem Wohlergehen der Kinder in und um Bethlehem. Alle Schweizer Diözesen sind Mitglieder in der Kinderhilfe Bethlehem und spenden jedes Jahr die Weihnachtskollekte. Eine ganze Reihe deutscher Diözesen sind Mitglied in der Kinderhilfe Bethlehem - ihr Anliegen ist in ganz Deutschland tief verwurzelt. Es ist Pater Schnydrigs Verdienst, dass gerade viele katholische Verbände sich die Sorge um die Kinder und Mütter von Bethlehem zueigen gemacht haben.

Wir in Europa tragen so gern bei zu einem Glaubenszeugnis in einer Atmosphäre von Verzweiflung und Misstrauen. Das Caritas Baby Hospital ist einzigartig in seiner Sorge um Kinder, unabhängig von ihrer Nationalität oder Religion, und lässt so den Samen des christlichen Glaubens am Geburtsort Jesu wachsen.

Ihr Besuch, Heiliger Vater, ist eine Ehre und eine übergroße Freude für uns alle. Es bedeutet uns viel, dass Sie die Zeit finden, hier am Geburtsort Jesu den Liebesdienst in den Mittelpunkt zu stellen (vgl. Deus Caritas est Nr. 22).