Guatemala: Bischöfe fordern erneut Aufklärung des Mordes an Bischof Gerardi

Weihbischof Gerardi von Guatemala wurde am 26. April 1998 ermordet

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GUATEMALA CITY, 29. April 2005 (ZENIT.org).- Anlässlich des siebten Jahrestags der Ermordung von Weihbischof Juan José Gerardi Conedera erneuerte das guatemaltekische Episkopat seine Forderungen nach lückenloser Aufklärung des Mordfalls.



Bischof Gerardi, der sich sehr für die Menschenrechte einsetze, wurde am 26. April 1998 in seinem Amtssitz zu Tode geprügelt. Zwei Tage vor seinem Tod hatte die vom Bischof geleitete Menschenrechtskommission der Erzdiözese von Guatemala einen Bericht vorgelegt, in dem die Menschenrechtsverletzungen des 36-jährigen Bürgerkriegs angeprangert wurden. Bis zum Ende des Krieges im Jahr 1996 seien dabei rund 200.000 Menschen entweder umgekommen oder verschwunden.

In dem mittlerweile als "Gerardi-Report" bekannten Bericht werden mehr als 55.000 Menschenrechtsverletzungen angeführt. 80% von ihnen werden den Militärs zugeschrieben.

In einer Erklärung, die am 15. April veröffentlicht wurde, gedenkt die Bischofskonferenz von Guatemala des Ermordeten und fordert für ihn Gerechtigkeit: "Anlässlich des anrückenden siebten Jahrestags der Ermordung von Bischof Juan Gerardi Conedera sehen wir uns dazu verpflichtet, sein Leben und sein Engagement für die Menschenrechte und das Gedächtnis der Opfer des Bürgerkrieges erneut in Erinnerung zu rufen, damit wir die Wahrheit erfahren, die Vergebung und Versöhnung erst möglich macht.

Sein Andenken drängt uns dazu, weiterhin Gerechtigkeit zu fordern für einen gerechten Mann", heißt es im Dokument, das die Unterschrift der beiden Bischöfe Pablo Vizcaíno Prado, Vizevorsitzender, und Victor Hugo Palma Paúl, Sekretär der guatemaltekischen Bischofskonferenz, trägt.

Diejenigen, "deren Pflicht es ist, Gerechtigkeit walten zu lassen", werden von den Bischöfen dazu aufgefordert, die Untersuchungen zum Mordfall aus dem Jahr 1998 weiterzuführen, bis alle Schuldigen identifiziert worden sein.

Als "Autoren des Mordes" wurden 2001 Oberst Byron Disrael Lima und dessen Sohn, Hauptmann Byron Lima Oliva, zu einer 30-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Unteroffizier Obdulio Villanueva, der dieselbe Strafe erhielt, wurde zwei Jahre später im Gefängnis ermordet. Der Priester Mario Orantes, ein ehemaliger Sekretär des ermordeten Weihbischofs, wurde wegen Mittäterschaft zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Im März dieses Jahres reduzierte das zuständige Gericht das Ausmaß der Haftstrafe der beiden Militärs auf 20 Jahre, da sie in Wahrheit nur "Mittäter" gewesen seien.