Gute Darsteller und interessante Fragen – Filmkritik zu „Mein Kind vom Mars“

Von José García

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WÜRZBURG, 22. November 2007 (Die-Tagespost.deZENIT.org).- Vater-Sohn-Geschichten bietet das Kino seit jeher in unterschiedlichen Spielarten – die vielleicht originellste erzählte „Findet Nemo“ (2003), weil im Pixar-Animationsfilm die Hauptfiguren Fische waren. Strenggenommen handelte „Findet Nemo“ jedoch wie die Spielfilme aus diesem Subgenre von einem Vater, der nach einem tragischen Schicksalsschlag ein Kind allein erziehen soll.



Eine neue Variante der Rumpffamilie aus alleinerziehendem Vater und Einzelkind liefert der Spielfilm „Mein Kind vom Mars“ („Martian Child“) von Menno Meyjes, der nach einem Drehbuch von Seth Bass und Jonathan Tolins auf der preisgekrönten, halb-biografischen Kurzgeschichte „The Martian Child“ des Science-Fiction-Autors David Gerrold basiert.

„Mein Kind vom Mars“ handelt vom Science-Fiction-Autor David Gordon (John Cusak), der nach dem Tod seiner Frau ein Kind adoptieren möchte. Von Waisenhaus-Leiterin Sophie (Sophie Okonedo) lässt sich David dazu überreden, den absonderlichen und verstörten Dennis (Bobby Coleman) aufzunehmen. Dies erweist sich als durchaus komplizierte Aufgabe, denn Dennis glaubt, vom Mars zu stammen und auf der Erde eine „Mission“ erfüllen zu sollen.

Um sich vor Sonnenstrahlung zu schützen, verlässt etwa Dennis das Haus nur in einem Pappkarton. Außerdem trägt er wegen der geringen Erdanziehungskraft einen Gürtel mit Batterien. David gewinnt nach und nach Dennis Vertrauen, stellt aber auch zuhause Verhaltensregeln auf, an die sich Dennis halten soll. Obwohl sich David liebevoll um Dennis kümmert, und es zwischen den beiden langsam zu einer Annährung kommt, gelingt es dem Schriftsteller nicht, den Jungen von seiner Marsmensch-Theorie abzubringen.

Derweil hat David auch noch berufliche Probleme: Sein Agent Jeff (Oliver Platt) gibt sich äußerst besorgt, David könnte die Fortsetzung seines Erfolgromans nicht rechtzeitig liefern, was die strenge Verlegerin (Anjelica Huston) über die Maßen enttäuschen würde. In der Schule eckt Dennis nicht nur durch seine – gelinde gesagt – unkonventionelle Art an, sondern bekommt auch noch mächtig Ärger, weil er die anderen Schüler bestiehlt. Der Junge wird der Schule verwiesen – was das Jugendamt und insbesondere Sozialarbeiter Lefkowitz (Richard Schiff) fragen lässt, ob David seiner Vaterrolle gewachsen ist.

Gut, dass David auf die Unterstützung seiner Schwester Liz (Joan Cusak, Johns echte Schwester) und vor allem der besten Freundin seiner verstorbenen Frau, Harlee (Amanda Peet), rechnen kann. Die zarte Romanze, die sich zwischen David und Harlee langsam entwickelt, bis sie zusammen mit Dennis eine Familie bilden, stellt eine besonders schöne Nebenhandlung dar.

Der niederländische Regisseur Menno Meyjes inszeniert die Vater-Kind-Beziehung mit manchen Anklängen an „Ich bin Sam“, und zwar nicht nur deshalb, weil in beiden Spielfilmen Richard Schiff eine ähnliche Rolle spielt. In den beiden Filmen haben Vater und Kind mit übergroßen Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich entsprechend den Hollywood-Spielregeln wie von selbst lösen. Dass der emotionale Wendepunkt von „Mein Kind vom Mars“ in einer schön fotografierten, an Antoine de Saint-Exupérys „Der Kleine Prinz“ angelehnten Szene erreicht wird, ändert nichts daran, dass die auftretenden Probleme oberflächlich behandelt werden.

Dafür überzeugen in einem bis in die Nebenrollen prominent besetzten Film nicht nur die „großen“ Schauspieler, sondern insbesondere auch der zehnjährige Bobby Coleman, der zwar in „Mein Kind vom Mars“ nicht seine erste Rolle spielt, aber immerhin ein unverbrauchtes Gesicht besitzt. Das Zusammenspiel mit David, der sich in dem Jungen wiedererkennt, gelingt hervorragend.

Obwohl sich stellenweise der Film „weichgespült“ ausnimmt, sorgen die humorvollen Momente dafür, dass der Film nicht ins kitschige Melodram umkippt. Ohne die üblichen klischeehaften Elemente des „Familienfilms“ plädiert „Mein Kind vom Mars“ für Toleranz gegenüber dem Anderssein, den Zusammenhalt in der Familie und die Kraft der Liebe.

[Die Tagespost vom 13. November 2007]