Hab keine Angst vor dem Leben

Ein Interview mit Msgr. Eduardo Chávez*

| 717 klicks

ROM, 7. September 2012 (ZENIT.org). - Im Rahmen des 23. Internationalen Mariologischen Kongresses mit dem Thema „Die Mariologie vom Zweiten Vatikanischen Konzil. Rezeption, Bilanz und Perspektiven“ , der vom 5. bis zum 9. September 2012 an der Università Pontificia Antonianum in Rom stattfand, wurden die Rolle und die Position der Jungfrau Maria 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil diskutiert. Ziel des Kongresses war es, den bisherigen Diskussionsverlauf, aber auch die bis heute eingetretenen Veränderungen zu beleuchten und eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen.

ZENIT: Wie ist mit Abstand von 50 Jahren seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Rolle der Jungfrau Maria zu beschreiben?

Msgr. Eduardo Chávez: Die Jungfrau Maria wirkt mit, ist aber immer Kreatur. Maria ist ein Modell für die Kirche. Sie hilft uns, und wir können uns als Vermittlerin an sie wenden. Maria ist Schülerin und Missionarin zugleich. Das Verhältnis ist dynamischer Natur. Maria nimmt an und gibt weiter, deshalb verkörpert sie die Evangelisation.

ZENIT: Wie zeigt sich die Rolle Marias als Mutter?

Msgr. Eduardo Chávez: In der toltekischen Kultur gab es einen Gott, doch war es die Madonna von Guadalupe, die das enge Mutterverhältnis schuf. Sie sprach: „Ich bin hier, ich habe die Ehre und Freude, eure Mutter zu sein.“ Maria ist die Mutter Gottes, der Kirche und von uns allen. Sie war es, die sagte: „Habe keine Angst, weder vor dem Tod noch vor dem Leben.“ Maria schenkt uns unendliche, bedingungslose und universale Liebe.

ZENIT: Liebe und fehlende Liebe ist ein in unserer Gesellschaft aktuelles und sehr diskutiertes Problem?

Msgr. Eduardo Chávez: Leider gibt es junge Menschen, die Selbstmord begehen, obwohl sie noch so jung sind. Sie sind verzweifelt und haben Angst vor dem Leben. Es ist besorgniserregend, dass sie keine Angst vor dem Tod, sondern vor dem Leben haben. Sie fürchten die Bewährungsproben, die Schwierigkeiten, die Einsamkeit. Maria liebt einfach, und lässt jeden von uns sich aufgehoben und geliebt fühlen.

ZENIT: Könnte man sagen, dass Maria gleich einem Leuchtturm die richtige Richtung weist?

Msgr. Eduardo Chávez: Ja, aber Maria zeigt nicht nur den Weg auf, indem sie Leuchtsignale aussendet, um den Vergleich aufzugreifen. Maria ist ein Orientierungspunkt. Sie ist das Licht, das uns hilft, unseren Weg fortzusetzen. Das Verhältnis beruht auf aber Gegenseitigkeit, es gibt einen Dialog. In der Heiligen Schrift heißt es: „Frau, siehe deinen Sohn. Siehe deine Mutter.“ Mit diesen Worten wird Maria zur Mutter aller, sowohl der guten als auch der schlechten Menschen. Sie ist die Fortführung des „fiat”. Für jeden von uns gibt es immer die Möglichkeit, den eigenen Weg zu wählen. Und Maria hilft uns und gibt uns die Möglichkeit zu wählen.

Das Interview führte Britta Dörre.

*Msgr. Eduardo Chávez ist Kanoniker der Basilika von Guadalupe (Mexiko) und promoviert in Kirchengeschichte.