Habemus Papam: Franziskus

Jorge Mario Kardinal Bergoglio aus Buenos Aires (76) ist das neue Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1393 klicks

Heiß ersehnter weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Seit 19.05 Uhr stand fest: der fünfte Wahlgang war erfolgreich. Mindestens 77 der 115 wahlberechtigten Kardinäle müssen für den Nachfolger Benedikts XVI. votiert haben.

Volksfeststimmung auf dem Petersplatz. Um 19.37 Uhr tritt die Schweizer Garde an und bezieht Stellung. Die Blaskapelle der italienischen Gendamerie spielt auf. 6000 Journalisten zücken ihre Kameras. Immer wieder bereits Sprechchöre: "Viva il Papa", obwohl noch niemand weiß, wer der neue Pontifex ist. "Egal, wer der Papst sein wird, es wird der richtige sein, wir werden ihn als Oberhaupt annehmen", war von den Gläubigen zu hören, die bereits seit Stunden auf dem Petersplatz warten, immer in atemloser Spannung den Blick auf den blechernen Schornstein auf der Sixtinischen Kapelle gerichtet.  Mindestens 150.000 Menschen sind bereits auf den Platz geströmt, immer weitere kommen dazu. Der Papst ist ja auch Bischof von Rom, deshalb ist es für alle Römer ein besonderer Moment.

Weihbischof Dominique Schwaderlapp aus Köln in diesem Moment, live zugeschaltet: "Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen."

Und dann brandet Jubel auf, hinter der Benediktions Loggia ist das Licht angegangen.

Um 20.12 verkündet Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran mit der traditionellen Formel: „Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam! Eminentissimum ac reverendissimum dominum, dominum Georgium Marium Sanctæ Romanæ Ecclesiæ Cardinalem Bergoglio, qui sibi nomen imposuit Franziscum (Ich verkünde euch eine große Freude: Wir haben einen Papst! Seine Eminenz, den hochwürdigste Exzellenz der Heiligen Römischen Kirche, Kardinal Bergoglio, der sich den Namen Franziskus gegeben hat)". Begeistert begrüßen ihn die Gläubigen auf dem Petersplatz als ihren neuen Oberhirten, als den Nachfolger Petri.

In seiner kurzen Ansprache, die mit den Worten "Guten Abend" begann und mit "Gute Nacht, ruht euch aus" endete, gedachte er seines Vorgängers und betete gemeinsam mit den Versammelten für ihn das Vaterunser und das Ave Maria. Danach spendete er den Segen "Urbi et Orbi".

Franziskus, Sohn italienischer Einwanderer in Argentinien, ist der 266. Papst, der erste Jesuit und der erste Lateinamerikaner in der Kirchengeschichte. Auch mit der Wahl seines Namens nach dem "poverello" ist er der erste in der Geschichte der Päpste. Er ist gelernter Chemiker und war im Konklave 2005 Alternativ-Kandidat zu Joseph Kardinal Ratzinger, der unter Tränen die Kardinäle gebeten haben soll, nicht ihn, sondern Ratzinger zu wählen. Eine Berufung an die Kurie hatte er immer abgelehnt. Sein Wappen trägt den Wahlspruch "Miserando atque eligendo".

Hier seine Ansprache im Wortlaut:

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Brüder und Schwestern! Guten Abend!

Ihr wisst, es war die Aufgabe des Konklaves, Rom einen Bischof zu geben. Es scheint, meine Mitbrüder, die Kardinäle, sind fast bis ans Ende der Welt gegangen, um ihn zu holen. … Aber wir sind hier. … Ich danke euch für diesen Empfang. Die Diözese Rom hat nun seinen Bischof. Danke. Zunächst möchte ich ein Gebet sprechen für unseren emeritierten Bischof Benedikt XVI. Beten wir alle gemeinsam für ihn, dass der Herr ihn segne und die Mutter Gottes ihn beschütze.

[Vater unser …Gegrüßet seist du, Maria …Ehre sei dem Vater…]

Und jetzt beginnen wir diesen Weg - Bischof und Volk -, den Weg der Kirche von Rom, die den Vorsitz in der Liebe führt gegenüber allen Kirchen; einen Weg der Brüderlichkeit, der Liebe, des gegenseitigen Vertrauens. Beten wir immer füreinander. Beten wir für die ganze Welt, damit ein großes Miteinander herrsche. Ich wünsche euch, daß dieser Weg als Kirche, den wir heute beginnen und bei dem mir mein Kardinalvikar, der hier anwesend ist, helfen wird, fruchtbar sei für die Evangelisierung dieser schönen Stadt.

Und nun möchte ich den Segen erteilen, aber zuvor bitte ich euch um einen Gefallen. Ehe der Bischof das Volk segnet, bitte ich euch, den Herrn anzurufen, daß er mich segne: das Gebet des Volkes, das um den Segen für seinen Bischof bittet. In Stille wollen wir euer Gebet für mich halten.

Jetzt werde ich euch und der ganzen Welt, allen Männern und Frauen guten Willens, den Segen erteilen. [Segen.]

Brüder und Schwestern, ich verabschiede mich von euch. Vielen Dank für den Empfang. Betet für mich und bis bald! Wir sehen uns bald: Morgen möchte ich die Mutter Gottes aufsuchen und sie bitten, ganz Rom zu beschützen. Gute Nacht und angenehme Ruhe.

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