"Habt keine Angst vor der Freude"

Die Worte des Papstes beim heutigen Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 544 klicks

Nach der hl. Messe anlässlich des Tages der Seminaristen, Novizen und jungen Menschen auf dem Weg zu ihrer Berufung zeigte sich der Heilige Vater am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den Angelus zu beten.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren:

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[Vor dem Angelus]

Liebe Brüder und Schwestern!

Zunächst möchte ich meine Freude mit euch darüber teilen, in diesem „Jahr des Glaubens“ gestern und heute einer besonderen Pilgergruppe begegnet zu sein: den Seminaristen, Novizen und Novizinnen. Ich bitte euch, für sie zu beten, auf dass die Liebe Christi immer mehr in ihrem Leben reife und sie zu wahren Missionaren des Reiches Gottes werden.

Das Evangelium des heutigen Sonntags (Lk 10,1-12, 17-20) spricht gerade von dieser Sendung: von der Tatsache, dass Jesus kein isolierter Missionar ist, der seine Mission alleine vollbringen will, sondern seine Jünger mit einbezieht. Heute sehen wir, dass er neben den zwölf Aposteln weitere 72berufen hat und sie zu zweit in alle Ortschaften schickt, um zu verkündigen, dass das Reich Gottes nahe ist. Das ist sehr schön! Jesus will nicht alleine handeln; er ist gekommen, um die Liebe Gottes in die Welt zu tragen und sie mit dem Stil der Gemeinschaft und der Brüderlichkeit zu verbreiten. Aus diesem Grund bildet er sofort eine Gemeinschaft von Jüngern, eine Missionsgemeinschaft. Sofort erzieht er zur Mission, zum Hinausgehen.

Wir müssen jedoch eines bedenken: Das Ziel ist nicht die Sozialisierung, das Verbringen von Zeit miteinander, sondern die Verkündigung des Reiches Gottes, und das ist dringend! Wir dürfen die Zeit nicht mit Gerede vergeuden, auf die Zustimmung aller warten, sondern hinausgehen und verkünden. Allen muss der Friede Christi gebracht werden, und wenn sie ihn nicht annehmen, geht man weiter. Den Kranken muss Heilung gebracht werden, weil Gott den Menschen von allem Übel heilen will. Wie viele Missionare tun dies! Sie säen Leben, Gesundheit, Trost in den Randgebieten der Welt aus! Wie schön ist es doch, nicht für sich alleine, sondern für das Gute zu leben! Ich sehe viele junge Menschen auf dem Petersplatz: Bewahrt das in eurem Herzen, und fragt euch: Ruft mich Jesus dazu auf, aus mir selbst hinauszugehen, um das Gute zu tun?Euch lieben jungen Menschen stelle ich folgende Frage: Habt ihr den Mut dazu, auf die Stimme Jesu zu hören? Es ist schön, Missionar zu sein! … Ihr seid großartig, das gefällt mir!

Wer sind diese von Jesus vorausgeschickten 72 Jünger? Wofür stehen sie?Wenn die Zwölf die Apostel sind und daher auch die ihnen nachfolgenden Bischöfe repräsentieren, so können die 72 auch für die anderen geweihten Ämter, Priester und Diakone stehen; in weiterem Sinne können wir an die anderen kirchlichen Ämter denken: an die Katecheten und Laien, die sich in den Pfarreien einsetzen; an alle, die mit den Kranken arbeiten und sich der verschiedenen Formen des Leidens und der Ausgrenzung annehmen, aber immer als Missionare des Evangeliums, mit der Dringlichkeit des Reiches Gottes, das nahe ist.

Das Evangelium sagt uns, dass diese Zweiundsiebzig voller Freude von ihrer Sendung zurückgekehrt sind, denn sie hatten die Kraft des Namens Christi gegen das Böse erfahren. Jesus bestätigt dies: Diesen Jüngern gibt er die Kraft, den Satan zu bezwingen. Er fügt jedoch hinzu: „Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind“ (Lk 10,20). Wir dürfen uns nicht rühmen, als seien wir die Hauptakteure: Hauptakteur ist allein der Herr mit seiner Gnade. Unsere Freude ist allein diese: seine Jünger zu sein, seine Freunde. Möge uns die Gottesmutter dabei helfen, gute Arbeiter des Evangeliums zu sein.

Liebe Freunde, erinnern wir uns an die Freude! Habe keine Angst davor, von Freude erfüllt zu sein! Habt keine Angst vor der Freude; vor dieser Freude, die der Herr uns schenkt, wenn wir ihn in unser Leben eintreten lassen. Lassen wir zu, dass er in unser Leben tritt und uns zur Verkündigung des Evangeliums bis in die Randgebiete des Lebens auffordert. Habt keine Angst vor der Freude. Freut euch, und habt Mut!

[Nach dem Gebet des Angelus]

Liebe Brüder und Schwestern,

wie ihr wisst, wurde vor zwei Tagen die dem Glauben gewidmete Enzyklika „Lumen fidei“, Licht des Glaubens, veröffentlicht. Anlässlich des „Jahres des Glaubens“ hat Papst Benedikt XVI. diese Enzyklika nach jenen zur Liebe und zur Hoffnung begonnen. Ich habe diese Arbeit übernommen und zu Ende geführt. Ich biete sie voller Freude dem ganzen Volk Gottes an: So ist es vor allem heute für uns alle notwendig, das Wesentliche des christlichen Glaubensanzugehen, ihn zu vertiefen und mit den aktuellen Problemen zu konfrontieren.Ich denke aber, dass diese Enzyklika wenigstens in einigen Teilen auch für den nützlich sein kann, der sich auf der Suche nach Gott und dem Sinn des Lebens befindet. Ich lege sie in die Hände von Maria, der vollkommenen Ikone des Glaubens, auf dass sie die vom Herrn gewünschten Früchte trage.

Einen herzlichen Gruß richte ich an euch alle, ihr lieben Gläubigen und Pilger. In besonderer Weise begrüße ich die jungen Menschen der Diözese Rom, die sich auf die Reise zum Weltjugendtag in Rio de Janeiro vorbereiten. Liebe junge Menschen, auch ich bereite mich vor! Gehen wir gemeinsam auf dieses große Fest des Glaubens zu; möge die Gottesmutter uns dabei begleiten.

Mein Willkommensgruß gilt auch den zum Generalkapitel versammelten Rosminianer-Schwestern und Englischen Franziskanerinnen und den aus verschiedenen Ländern anlässlich einer Fortbildung eingetroffenen Verantwortlichen der Gemeinschaft Sant’Egidio Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag!

Gesegnete Mahlzeit!

Auf Wiedersehen!