Haiti: "Kirchliche Präsenz in diesem kleinen Land"

Fides-Interview mit Kardinal Langlois

Rom, (Fides) | 231 klicks

Er ist der jüngste neue Kardinal des Konsistoriums, das in den vergangenen Tagen im Vatikan abgehalten wurde, und der erste Kardinal in der Geschichte Haitis: Der 55-jährige Kardinal Chibly Langlois leitet als Erzbischof das Bistum Les Cayes. Im Gespräch mit dem Fidesdienst spricht er über die Situation der Kirche in seinem Land.

„An erster Stelle möchte ich für diese Gelegenheit danken, über die Kirche in Haiti zu sprechen“ so Kardinal Langlois im Gespräch mit dem Fidesdienst, „denn in unserem Land ist der Glaube tief verwurzelt. Im Namen der Kirche danke ich dem Papst dafür, dass er für Haiti einen Kardinal ernannt hat, denn dies bedeutet sehr viel: eine kirchliche Präsenz in diesem kleinen Land. In Haiti versuchen wir stets die Richtlinien der lateinamerikanischen Bischöfe für die Evangelisierung des Kontinents umzusetzen. Das bedeutet, dass wir die Seelsorge als Priorität betrachten und uns an die Seite der armen Menschen mit ihren Sorgen stellen, wie dies auch Papst Franziskus immer wieder fordert. Es ist uns ein Anliegen, dass wir alle an der Evangelisierung beteiligen: Jugendliche, Priester, Bischöfe, Ordensleute, Familien Pfarrgemeinden. Wir müssen diese pastorale Vision gemeinsam umsetzen“.

Haiti ist das ärmste Land Lateinamerikas und wurde im Januar 2010 von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht. Die von der Naturkatastrophe verursachten Wunden liegen immer noch offen. Zudem befindet sich das Land in einer politischen Krise, die es lähmt, wobei der neue Kardinal in seiner Eigenschaft als Erzbischof von Les Cayes zu vermitteln versuchte (vgl. Fides 18/02/2014).

„Die katholische Kirche fühlt sich in Haiti auch für die Lebensumstände der Menschen verantwortlich: Es herrscht eine wirtschaftliche Krise angesichts derer wir nicht gleichgültig bleiben dürfen“, so Kard. Langlois, „Hier sollte auch die Tätigkeit der Kirche im gesellschaftlichen Bereich erwähnt werden: Wir begleiten politische Führungskräfte, wenn es darum geht einen Dialog zu führen, an dem alle Seiten beteiligt sind, wenn es um die Lösung der Probleme in unserer Gesellschaft geht. Wir tragen gemeinsam Verantwortung für die Überwindung der politischen Krise in unserem Land. Die Bischofskonferenz stellt sich deshalb auch als Mittlerin zur Verfügung und wir hoffen, dass es durch den Dialog Fortschritte gibt. Wir stehen kurz vor der Unterzeichnung von Vereinbarungen. In diesem Sinn spielt die Kirche eine klare Rolle in der Gesellschaft“. (CE)

(Quelle: Fides, 25/02/2014)