"Haltet am Glauben fest in Syrien"

Aufruf des melkitisch-katholischen Erzbischofes von Bosra und Hauran, Nicolas Antiba

Wien, (KIN Ös) | 472 klicks

Erzbischof Nicolas Antiba von Bosra und Hauran, der erst vor kurzem die Bischofsweihe empfangen hat, spricht von seiner Bestürzung über den Massenexodus der Christen aus dem Land, ist aber jedoch davon überzeugt, dass die Zukunft einer der ältesten Kirchengemeinschaften gesichert ist.

Der melkitisch-katholische Erzbischof Nicolas Antiba von Bosra und Hauran schilderte, dass nach weiteren Angriffen Hunderte der ihm anvertrauten Gläubigen im Süden Syriens in die Nähe seines Hauses in Khabab fliehen. Bei den Angriffen soll unter anderem eine der ältesten Kirchen des Landes aus dem 6. Jahrhundert zerstört worden sein.

Mit Blick auf den Angriff auf die Kirche St. Elias in Izra, die auf das Jahr 542 datiert wird, sagte er, der Exodus der Christen aus Syrien könne möglicherweise Ausmaße wie im Irak annehmen, wo beinahe alle gläubigen Christen ihre Heimat verließen. Erzbischof Antiba wies darauf hin, dass die Vertriebenen, die in Khabab eintreffen, aber auch anderenorts dringende Hilfe benötigen, unter anderem Nahrungsmittel und ein Dach über dem Kopf – ein Problem, das sich weiter zuspitzt, da das Wetter schlechter wird. Am 25. August 2013 war Nicolas Antiba vom melkitisch-katholischen Patriarchen Gregor III. Laham zum Bischof geweiht worden. Die Kommentare des 67-jährigen Nicola Antiba erinnerten an das, was der Patriarch im vergangenen Monat zum Ausdruck brachte. So erklärte Antiba, die Krise verschlimmere sich durch die aus dem Ausland in das Land strömenden Kämpfer und Waffen, die für Erzbischof Antiba wie ein „Krebsgeschwür“ sind, die das Land zu zerstören drohen.

Der Erzbischof wiederholte den Aufruf, die Pläne für eine militärische Intervention ausländischer Staaten in Syrien aufzugeben. Seine Botschaft an Präsident Barack Obama sei: „Lasst uns in Ruhe!“ Vor dem Hintergrund zahlreicher Berichte, dass bis zu einem Drittel der christlichen Bevölkerung Syriens Binnenflüchtlinge sind oder als Flüchtlinge im Ausland leben, erklärte Erzbischof Antiba: „Ich denke – ich weiß –, dass Verfolgung die Kirche nicht zerstören wird.

Das Blut der Kirche verhilft der Kirche zu neuem Leben. Ich habe die Hoffnung, dass wir als Christen hier weiterleben werden. Ja, wir werden weniger sein – man denke an das, was im Irak geschehen ist – aber ich glaube nicht, dass es im Land keine Christen mehr geben wird.“ Nicolas Antiba sagte dies als Reaktion auf die Angriffe auf die alte, vorwiegend von Christen bewohnte Stadt Maalula, die Anfang des Monats von Dschihad-Gruppen überfallen und besetzt worden war. Aus der Stadt geflohene Christen sprachen von direkten Angriffen gegen Christen, und es gab Berichte, die Kämpfer wollten „den Sieg über die Ungläubigen“.

Kurze Zeit zuvor hatte Patriarch Gregor III. Laham „Kirche in Not“ darüber informiert, dass 450.000 Christen in Syrien – annähernd ein Drittel aller syrischen Christen – geflohen seien. Erzbischof Antiba erklärte: „Christen sind friedvolle Menschen. Sie kämpfen nicht, schon gar nicht in Syrien, wo wir ohne jedes Problem in Ruhe gelebt haben.“ — „Wir sind die Menschen, die keine Möglichkeit zum Kampf haben. Im Gegenteil, wir sind friedvolle Menschen, und wir werden als erste angegriffen. Christen haben sehr viel gelitten. Wir leiden immer noch. Es ist nicht leicht.“ Er wiederholte seine Forderung, die USA und ihre Verbündeten sollten Pläne, die einen Militärschlag favorisierten, aufgeben. Der Erzbischof erklärte: „Ich hoffe, dass [die USA und ihre Verbündeten] uns in Ruhe lassen werden. Wenn weiterhin Waffen in das Land gebracht werden, wird sich die Lage verschlimmern. Hier kämpfen nicht Syrer gegen Syrer – diejenigen, die sich an den Kämpfen beteiligen, sind Nicht-Syrer.“ Und er fuhr fort: „Bringt statt Waffen den Frieden in unser Land. Waffen sind wie ein Krebsgeschwür – ein Fremdkörper, der uns zu vernichten droht.“

In einem Aufruf an die USA, sich aus der Politik Syriens herauszuhalten, erklärte Antiba: „Ich würde Präsident Obama sagen ‚Sie sprechen immer vom Frieden… bitte lassen Sie uns in Ruhe und setzen Sie Ihre Ideen für den Frieden in die Praxis um. Sie haben Ihre eigene Vorstellung von Demokratie, und das ist schön, aber das ist nicht zwangsläufig unsere Vorstellung von Demokratie. Lassen Sie uns unsere eigene Vorstellung von Demokratie herausfinden.“