Hausprediger des Papstes: Der Glaube besiegt die Welt

Karfreitag im Petersdom

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1121 klicks

Am heutigen Karfreitag hat Papst Franziskus im Petersdom seiner ersten Karfreitagsliturgie vorgestanden. Es handelt sich dabei um den Vollzug einer alten traditionellen Liturgie, die sich durch verschiedene eigene Riten auszeichnet. Seit der frühchristlichen Zeit steht fest, dass an diesem Trauertag im Gedenken an Christi Tod keine festfreudigen Sakramente gefeiert werden: „Ecclesia … sacramenta penitus non celebrat,“ heißt es im Missale.

Die Liturgie gliedert sich in verschiedene Elemente eines Wortgottesdienstes, bei dem die  Passionsgeschichte des hl. Johannes verlesen wird, mit den  sogenannten „Großen Fürbitten“, den Improperien ( Heilandsklagen), der Enthüllung und Verehrung des Kreuzes durch den Papst und die Kardinäle und die Kommunionfeier.

Traditionell hält der „Hausprediger“ des Papstes, P. Raniero Cantalamessa OFMCap, die Karfreitagspredigt. Seine in den vorherigen Jahren üblichen Fastenpredigten waren in diesem Jahr entfallen.

In seiner Predigt konzentrierte sich der Kapuziner auf den Glauben an das Blut Christi und seinen für den Menschen unverdienten erlösenden Charakter. Der Kreuzigung Christ am Karfreitag gedenkend, sei der Höhepunkt des Jahrs des Glaubens erreicht. Dieser Glaube sei ein Glaube, „der die Welt besiegt“.

Der Karfreitag biete die beste Gelegenheit, den wichtigsten Entschluss des Lebens zu treffen, nämlich zu glauben. Christus sei für jeden gestorben, aber man müsste glauben, damit seine erlösende Gnade  wirksam werden könne. Cantalamessa zitierte mit diesen Worten Bischof Hilarius von Poitier aus dem 4. Jahrhundert: „Bevor ich Dich kennenlernte, gab es mich nicht.“ Man selber könne sich vor Gott nicht rechtfertigen, nur Christus könne es für uns.

Um diese Wahrheit zu verdeutlichen, benutzte Cantalamessa das Bild eines Bergsteigers: „Wie ein Bergsteiger, der gerade eine schwierige Passage hinter sich gebracht hat, können wir kurz innhalten, um uns zu erholen und das neue Panorama zu genießen.“ Damit fange man einen kleinen Moment der Sicht Gottes der Welt ein, der wie ein Satellitenbild viel größere Flächen wahrnehme. Aus dieser „hohen“ Warte scheine das Leben ganz anders, als man es manchmal vom eigenen Blickwinkel aus beurteile.

Den Gerechten vor dem Gesetz und den Gesetzesbrecher, von denen das Buch Kohelet spreche, treffe das gleiche Schicksal. Das Unrecht scheine belohnt zu werden, das Rechtmäßige unterlegen zu sein. Nur dort, wo der Glaube sei, geschehe manchmal das Gegenteil: „Ein Unschuldiger werde auf den Thron erhoben, das Unrecht erfährt seine gerechte Strafe.“ „In Christus, der stirbt und wieder aufersteht, hat die Welt ihr letztes Ziel erreicht.“

Der Fortschrittsglaube der Wissenschaft könne das Gefühl verleihen, am Anfang einer langen Zukunft zu stehen, in der nie geahnte Visionen Wirklichkeit würden. Die Fülle der Zeit sei aber mit Christi Tod bereits eingetreten, das höchste Ziel der Menschheit sei bereits erreicht:

„Der neue Himmel und die neue Erde haben bereits begonnen.“ Entgegen allem Schrecken auf dieser Welt müsste man mit den Augen des Glaubens die Unterlegenheit des Todes und des Bösen erkennen, das in alle Ewigkeit besiegt sei.

Die Auferstehung Christi sei aber nicht nur einfach eine Rückkehr zu den Lebenden, wie es bei Lazarus der Fall war. Christus habe eine neue Pforte geöffnet, ein neues Leben für alle ermöglicht. „Der Tod ist keine Wand mehr, an der alle menschlichen Hoffnungen zerschellen“, er sei eine Brücke in die Ewigkeit.

Die Frage, was den Gläubigen vom Ungläubigen trenne, beantwortete Cantalamessa mit: „Das Kreuz“. Für die einen ist es Ärgernis und Torheit, für die anderen Kraft Gottes und Weisheit. Christus starb für die Erlösung aller Menschen. Daraus ergebe sich die Aufgabe zu evangelisieren. „Die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben“ (2 Kor 5, 14).

An Hand einer Erzählung Kafkas vom sterbenden Königs, der seinem Boten eine Botschaft für das Volk anvertraute, verdeutlichte der Prediger, dass Christus von seinem Sterbebett aus allen eine Botschaft übermittelt habe: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.“

Es gebe so viele Menschen, die von dieser Botschaft träumten. Die Evangelisierung habe einen mystischen Ursprung, sie komme vom Kreuz Christi her, von seiner Seite, aus der Blut und Wasser strömten.

Um bereit zum Evangelisieren zu sein müsse der „komplizierte“ Palast des Königs „entrümpelt werden“. All das, was sich, wie bei historischen Gebäuden im Laufe der Jahrhunderte angesammelt habe, um sich den Bedürfnissen des jeweiligen Augenblickes anzupassen, müsse abgerissen und das ganze Haus müsse zu einem „klaren Zustand zurückgeführt werden.“ Dieser Auftrag sei  in der Vergangenheit an einen besonderen Heiligen erhalten: „Franziskus, geh hin und stelle mein Haus wieder her.“

Abschließend betete der Kapuziner zum Heiligen Geist, dass er „die Menschen aufwecke und sie dazu bringe, sich für die Botschaft selbst in Lebensgefahr zu bringen.“

Nach der Predigt folgte der Ritus der Kommunionspendung des  am Vortag konsekrierten Leibes Christi.

Den Abschluss der Feier bildete ein Auszug im Schweigen.

Papst Franziskus wird nach der Liturgiefeier dem alljährlichen Kreuzweg am Kolosseum in Rom vorstehen.