Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier: den Schrein anfassen

Unvergessliches Erlebnis auch für Blinde

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ROM, 26. April 2012 (ZENIT.org). – Am heutigen 26. April werden rund 100 sehbehinderte und blinde Menschen im Rahmen der Heilig-Rock-Wallfahrt des Deutschen Katholischen Blindenwerks in Trier die Möglichkeit haben, den Schrein des Heiligen Rocks mit den eigenen Händen zu berühren.

Der Leiter der „Arbeitsstelle Medien für Blinde und Sehbehinderte“ im Bistum Trier, Martin Ludwig, betonte, dass diese Wallfahrt gerade auch für Sehbehinderte wichtig sei, weil die Teilnehmer an erster Stelle Christen seien und die persönliche Begegnung im Vordergrund stehe. So bestehe die Möglichkeit, die Atmosphäre „aufzusaugen“, ergänzt durch die Beschreibungen von Sehenden. Den Schrein dann persönlich zu berühren, werde sicher für viele der Höhepunkt sein und somit unvergesslich bleiben.

Blinde seien imstande, sich intensiver auf die Gebete, die Musik und die daraus resultierende Stimmung zu konzentrieren und sich davon berühren zu lassen. Zu viele visuelle Eindrücke könnten unter Umständen sogar stören. Das Leitwort der Wallfahrt „Und führe zusammen, was getrennt ist“ treffe genau das, was sehbehinderte Menschen schon immer lebten: ihre Veranstaltungen, in denen man versuche, einer visuell ausgerichteten Welt die Welt der Blinden zu vermitteln, seien immer integrativ, sie umfassten Sehende und Nichtsehende.

Für blinde und sehbehinderte Menschen wurde das Pilgerbuch vom Deutschen Katholischen Blindenwerk in Form eines Braillebuchs erstellt. Es macht den Inhalt des gedruckten Pilgerbuches für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich, kann in der Brailleschrift gelesen und von einer CD abgehört werden.

Auch 1000 Schüler mit verschiedenen Behinderungen und ihre 250 Begleiter trafen sich am Mittwoch, dem 25. April, im Innenhof des Trierer Priesterseminars beim Begegnungsfest am Tag der Förderschulen. Es herrschte eine fröhliche Stimmung mit Gesang, Tanz und Musik. Auf der Bühne rocken „Donnerwetter und Band“ von der Rosenbergschule in Bernkastel-Kues, die Schüler tanzen alle mit. Sie kamen aus 26 Förderschulen im Bistum Trier und deren Partnerschulen.

„Das kommt ja super an“, freute sich Anke Jansen, pädagogische Fachkraft von der Astrid-Lindgren-Schule in Dohr, während sich ihre Schüler vor der Bühne bei den Händen fassten und im Kreis tanzten. Zuvor waren die Schüler zum Heiligen Rock gepilgert. Sieben Jugendliche von der Förderschule hatten sogar einen kleinen Pilgerweg zu Fuß zurückgelegt, von der Basilika St. Matthias über verschiedene Stationen bis zum Dom. Die Schüler tragen selbst gefertigte Pilgerzeichen, einen Pilgerstab und Kreuze mit einem Gebetstext.

„Aufregend, interessant und sehr schön“, fand es der 17-jährige Bernhard beim Heiligen Rock. „Es war schön, den Heiligen Rock anzugucken, er sieht ja schon ziemlich alt aus“, sagt die 16-jährige Alexandra. Und der 11-jährige Maurice meint: „Ich fand´s auch toll, am liebsten wäre ich noch länger beim Heiligen Rock geblieben, um ihn in Ruhe anzuschauen.“

In einer ersten Bilanz der Wallfahrt, die vom 13. April bis 13. Mai dauert, hatte Wallfahrtsleiter Msgr. Dr. Georg Bätzing betont, das kühle, wechselhafte Aprilwetter habe die Menschen nicht davon abgehalten, zur Wallfahrt zu kommen. In der ersten Woche habe man 140.000 Pilger gezählt, auf die man gut vorbereitet gewesen sei. Die Organisation sei reibungslos vonstatten gegangen. Täglich seien zwischen 400 und 500 Helfer im Dienst. Insgesamt gebe es die beeindruckende Zahl von 2300 Helfern. Seine persönliche Bilanz: Er sei bewegt, berührt und begeistert. Er halte sich täglich einmal am Schrein bei den Menschen auf und erlebe, was diese an Freude, Kummer und Tränen der Bewegtheit darüber mitbrächten, dass sie in diesem Gewand Jesus selber sähen. Dies sei ein starker Impuls auch für seinen eigenen Glauben.

Highlights seien sicher die „Festa boliviana“ der Kolpingfamilie gewesen und die Tage der Kita-Kinder. Bemerkenswert sei auch die Tatsache, dass ebenfalls die Not der Christen in der Welt in den Chaldäern aus dem Irak und den Melkiten aus Syrien präsent sei. In der zweiten Wallfahrtswoche gebe es viele Fußpilger, die in der Pilgeroase einträfen. Das Jugendevent mit den geistlichen Gemeinschaften Taizé, Chemin neuf, Sant' Egidio, Emmanuel und den Gemeinschaften von Jerusalem habe ganz neue Impulse aufgezeigt, wie man heute Glauben leben könne.

Noch bis zum 13. Mai lädt das Bistum Trier zur Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier ein. In dieser Zeit ist erstmals seit 1996 der Heilige Rock wieder im Trierer Dom zu sehen (ZENIT berichtete).  Die Wallfahrt steht unter dem Leitwort „Und führe zusammen, was getrennt ist“.

Der Heilige Rock, die Tunika Jesu Christi, ist die bedeutendste Reliquie der Christenheit und des Trierer Doms. Die hl. Helena, Mutter Kaiser Konstantins, hat ihn im 4. Jahrhundert nach Trier gebracht. Ausgestellt wird das heilige Gewand nur ganz selten: in der Vergangenheit in den Jahren 1933, 1959 und 1996. [jb]

Informationen rund um die Heilig-Rock-Wallfahrt gibt es im Internet oder im Wallfahrtsbüro, Telefon 0651-7105-8012.

Das Braillebuch und die CD sind kostenlos hier oder im Internet erhältlich.