Heilige Messe am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus im Petersdom: In der menschlichen Schwachheit zeigt sich die Kraft des Herrn

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ROM, 30. Juni 2006 (ZENIT.org).- Das Hochfest der beiden Apostel Petrus und Paulus wird in Rom als großer Feiertag begangen. Zu Ehren der Begründer der römischen Kirche, die zugleich Patrone der Ewigen Stadt sind, feierte Benedikt XVI. am Donnerstagvormittag im Petersdom ein Pontifikalamt, in dem er 27 Metropoliten das Pallium verlieh.



Das Pallium ist eine um den Hals getragene schmale Stola aus weißer Wolle, die mit sechs schwarzen Seidenkreuzen bestickt ist. Sie erinnert an die Gestalt des Guten Hirten, der das Lamm auf seinen Schultern sicher nach Hause trägt. Wenn der Heilige Vater den Erzbischöfen das Pallium umlegt, so symbolisiert diese Handlung die Überantwortung der päpstlichen Autorität an die Oberhirten der wichtigsten Ortskirchen und bringt auch ihre Gemeinschaft mit ihm zum Ausdruck.

In diesem Jahr waren es 27 Würdenträger, denen das Pallium verliehen wurde. Acht kamen aus Europa, sieben aus Lateinamerika, fünf aus Afrika, vier aus Nordamerika und drei aus Asien. Keiner von ihnen stammte aus dem deutschsprachigen Raum.

Vor diesem traditionellen Ritus predigte Papst Benedikt XVI. über den Apostelfürsten Petrus. Zunächst betrachtete er jene Stelle aus dem Tagesevangelium (Mt 16,13-19), wo Jesus den Petrus jenen "Felsen" nennt, auf dem er seine Kirche bauen werde; jenen Menschen, dem er die "Schlüssel des Himmelreiche" geben werde sowie die damit verbundene Macht: "Was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein" (Mt 16,19).

In diesem Zusammenhang wies Benedikt XVI. darauf hin, dass dieses Versprechen Jesu an der Schnittstelle zwischen der jüdischen und der heidnischen Welt stattgefunden habe. Dort würde Jesus auch zum ersten Mal seine Absicht kundtun, nach Jerusalem gehen zu wollen. "Der Herr befindet sich ständig auf dem Weg zum Kreuz", erklärte der Heilige Vater. Ständig sei er der "Diener des leidenden und getöteten Gottes". Auch heute müsse die Kirche – und in ihr Christus – leiden; Jesus werde immer noch verhöhnt, und immer noch würde man versuchen, ihn aus der Welt zu verdrängen. Aber gerade in der leidenden Kirche wirke der Herr, bekräftigte Benedikt XVI. So zeige er der ganzen Welt, dass er selbst es sei, der die Kirche aufbaue – mit Hilfe von schwachen Menschen.

Im zweiten Abschnitt der Predigt führte der Papst den Gläubigen die Szene des Letzten Abendmahls vor Augen. Nach der Einsetzung der Eucharistie habe sich Jesus direkt an den Apostel Petrus gewandt und unter anderem auch über den Teufel gesprochen. "Oftmals scheint es uns, dass Gott dem Teufel zu viel Freiheit lässt; dass er ihm erlaubt, uns in einer zu schrecklichen Art und Weise zu erschüttern, und dass dies unsere Kräfte übersteigt und uns zu sehr unterdrückt", sagte der Bischof von Rom. Das Gebet Jesu setze dem Bösen aber eine Schranke. Sein Beten, so Benedikt XVI., sei somit der "Schutz der Kirche".

Jesus bete besonders auch für den Glauben seines Stellvertreters, des Apostelfürsten Petrus, da dieser immer im Dienst der anderen stehe. Zugleich verdeutliche die Schwachheit des Petrus, dass die eigene Kraft nicht ausreiche, um die Kirche des Herrn aufzubauen und zu leiten.

Schließlich kam Papst Benedikt XVI. auf jene Stelle des Johannesevangeliums zu sprechen, wo der auferstandene Herr dem Apostel Petrus seine Herde anvertraut (Joh 21,15-23). Bei dieser Gelegenheit habe Jesus dem ersten Apostel auch gezeigt, dass das Leben auch Kreuz bedeute. Für Benedikt XVI. ist es offensichtlich, dass der Herr immer gewinnt – durch das Kreuz. Die Macht des Herrn ist in seinen Augen die "Macht des Guten, der Wahrheit und der Liebe" – eine Macht, die stärker sei als der Tod.

Am Ende seiner Predigt richtete Benedikt XVI. einen herzlichen Gruß an die Mitglieder einer Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Die Mitfeier des Gründungsfests der Kirche Roms sei ein konkreter Ausdruck jener brüderlichen Verbundenheit, die zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche bestehe. Diese Brüderlichkeit gilt es nach Papst Benedikt zu vertiefen, "um zusammen vom gleichen Kelch zu trinken und zusammen jenes Brot zu essen, das der Herr ist".