Heiligenkreuz, ein blühendes Missionszentrum

Neuer Abt eingeführt

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HEILIGENKREUZ, Freitag, 29. April 2011 (Die Tagespost.de/ZENIT.org). - Der neue Abt Maximilian Heinrich Heim übernimmt ein blühendes Zisterzienserkloster und setzt auf Kontinuität.

 

Von Stephan Baier

 

Ein dutzend Erzbischöfe und Bischöfe, 36 Äbte und Äbtissinnen, 200 Priester und weit mehr als tausend Gläubige drängten sich am Nachmittag des Ostermontags in der mittelalterlichen Abteikirche des Stiftes Heiligenkreuz als der am 10. Februar neu gewählte Abt Maximilian Heinrich Heim feierlich benediziert wurde. Trotz des Großaufgebots an Geistlichkeit, trotz der immensen logistischen Herausforderungen, war von Hektik oder Nervosität in den zisterziensischen Klostermauern im Wienerwald nichts zu spüren.

Da beteten und sangen die alten und jungen Mönche des boomenden Zisterzienserklosters, deren Altersdurchschnitt bei nur 45 Jahren liegt. Da dominierten romanisch-gotische Architektur und barocke Ornate. Da roch es drinnen in der Abteikirche nach Weihrauch und draußen im Stiftshof nach Wildschweingrillwürstel, zu denen – nach der Liturgie selbstverständlich – Bier und stiftseigener Wein gereicht wurde.

Altabt Gregor Henckel Donnersmarck, der das traditionsreiche Kloster vor den Toren Wiens zwölf Jahre erfolgreich geführt hatte, begrüßte am Portal der Kirche strahlend die Gäste. Später flankierte er seinen Nachfolger – der auch sein Wunschkandidat für die Nachfolge gewesen sein soll – und bestätigte formvollendet, als der Generalabt der Zisterzienser der guten Ordnung halber in der Liturgie fragte: „Kannst Du bezeugen, dass die Wahl rechtmäßig war?“

Unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Wien und Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, und im Beisein des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, verneigte sich der Gewählte und noch nicht Geweihte vor dem Generalabt der Zisterzienser, und dieser sprach: „Dank sei Gott dem Herrn!“

Das Stift birgt ein gutes Stück österreichischer Geschichte

Feierlich und erhaben ging diese Abtweihe vonstatten, aber zugleich mit einer spürbaren Herzlichkeit, die in den Beziehungen zwischen den Handelnden begründet ist: So begrüßte Kardinal Schönborn Dom Mauro-Giuseppe Lepori eben nicht nur als Generalabt des Zisterzienserordens, sondern auch als seinen früheren Studenten an der Universität Fribourg, garniert mit einem Lob für dessen wissenschaftliche Abschlussarbeit. Die Mönche des 878 Jahre alten Stiftes strahlten mit ihren Altäbten Gregor und Gerhard um die Wette. Der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, war angereist, um seinen in Kronach geborenen fränkischen Landsmann als neuen Abt in Niederösterreich zu erleben, und musste mitanhören, dass dieser vor wenigen Tagen nun die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen hat.

„Das hätte er nicht müssen“, betont man im Stift Heiligenkreuz. „Aber es ist ein schönes Zeichen.“ Einerseits nämlich leben in Heiligenkreuz Mönche deutscher und österreichischer Staatsangehörigkeit diskriminierungsfrei zusammen, andererseits jedoch repräsentiert Heiligenkreuz auch ein gutes Stück österreichischer Geschichte: Gegründet wurde das Kloster vom heiligen Leopold von Österreich, auf Anregung seines Sohnes Otto, der Zisterziensermönch und Schriftsteller, aber auch Bischof von Freising war – und als solcher ein bedeutender Vorgänger Joseph Ratzingers auf dem Bischofsstuhl Korbinians. Nicht weniger als zehn Babenberger (darunter sogar vier regierende Herrscher) und zwei Habsburger fanden im Kapitelsaal dieses Klosters ihre letzte Ruhe.

Doch auch als Neo-Österreicher vergisst der neue Abt seine Wurzeln nicht: Im Schild seines persönlichen Wappens finden sich auch die Wappen seiner Heimatstadt Kronach, der ehemaligen Zisterzienserabtei Langheim in der Diözese Bamberg und der sechsstrahlige goldene Stern aus dem Wappen des Zisterzienserklosters Stiepel, ein Hinweis auf die Gottesmutter Maria.

Freuen konnte sich der Wiener Erzbischof über die Zusage des neuen Abtes, den „alten Traditionen“ treu zu bleiben, auch jener der Stiftspfarreien. Immerhin betreut das Kloster Heiligenkreuz nicht nur zwei Priorate und eine Philosophisch-Theologische Hochschule, die seit 2007 von der Wiener Theologischen Fakultät unabhängig und Päpstlichen Rechts ist, und die den Namen Benedikts XVI. tragen darf, sondern auch 21 Pfarreien in der Erzdiözese Wien, der Diözese Eisenstadt und der Diözese Essen, weshalb auch Bischof Franz-Josef Overbeck angereist war.

Schließlich war der 1961 geborene Maximilian Heinrich Heim, der 1983 in Heiligenkreuz eingetreten war und 1988 die Priesterweihe empfangen hatte, unmittelbar vor seiner Wahl zum Abt als Prior in Bochum-Stiepel – in der Diözese Essen – tätig. Zuvor war der nun seit wenigen Tagen 50-Jährige Kaplan in Wiener Neustadt und Novizenmeister sowie Prior in Heiligenkreuz gewesen. 2004 hatte Abt Gregor Pater Maximilian Heim nach Stiepel gesandt und zugleich den dortigen Prior, Christian Feurstein, als Prior nach Heiligenkreuz gerufen. Letzterer wurde 2010 zum neuen Abt des steirischen Zisterzienserklosters Rein gewählt, ersterer nun am Ostermontag in Heiligenkreuz benediziert.

Grund zur Freude zeigte im Gespräch mit dieser Zeitung auch der Grazer Dogmatiker Bernhard Körner, der als sein Doktorvater dem neuen Abt einen „theologischen Gesamtblick“ und „synthetisches Denken“ bescheinigt. 2004 wurde Maximilian Heinrich Heim an der Universität Graz mit einer Arbeit über die Ekklesiologie Joseph Ratzingers promoviert. Die Arbeit brachte dem Dissertanten und seinem Abt nicht nur eine Einladung des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation ein. Maximilian Heim wurde 2009 sogar in den erweiterten Ratzinger-Schülerkreis aufgenommen. Bernhard Körner ist überzeugt, dass der neue Abt das theologische Format hat, um der „Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“ als Großkanzler Impulse zu geben. Seit 2004 ist Maximilian Heim dort Dozent, seit 2007 ordentlicher Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik an der Hochschule in Heiligenkreuz.

Zugleich Vater des Klosters und Fragender

„Du hast keinen Grund, die Emmaus-Jünger nachzuahmen und in Panik davonzulaufen“, scherzte Kardinal Schönborn am Ostermontag an den neuen Abt gewandt in seiner Predigt. Die Begründung des Kardinals: Heiligenkreuz erlebe eine „kaum je dagewesene Blütezeit“, ja geradezu „einen Boom, was Nachwuchs und Hochschule betrifft“. Den neuen Abt erinnerte der Kardinal daran, dass er gegenüber seinen Mitbrüdern Christus repräsentiere und zugleich ein Suchender bleiben müsse. Nach dem Bild Christi solle der Abt ein Vater seines Klosters sein und ein Fragender bleiben, „damit es zu österlichen Begegnungen kommen kann“. Schönborn mahnte: „Die Liebe zum Herrn soll immer die Mitte eures Lebens sein.“

In jedem Kloster, so meinte der selbst aus dem Dominikanerorden kommende Kardinal, bestehe die Gefahr, dass der Ritus die Oberhand gewinne. Die Mitte aber müsse Christus selbst sein. „Die Begegnung mit dem Auferstandenen wird zur Sendung.“ Deshalb seien die Klöster von Anfang an auch Missionsstationen gewesen. „Heiligenkreuz ist ein Missionszentrum geworden.“ Und das an jungen Mönchen und Novizen reiche Zisterzienserkloster im Wienerwald sei auch für den Bischof „ein Grund großer Dankbarkeit – auch für die Stiftspfarreien“, so Kardinal Schönborn.

Der Generalabt des Zisterzienserordens, Dom Mauro-Giuseppe Lepori, befragte den neuen Abt zu seiner Bereitschaft zu einem Leben nach den Ordensgelübden, aber auch danach, ob er bereit sei, ein Beispiel des klösterlichen Lebens zu geben, den Besitz des Klosters treu zu verwalten, der Kirche zu dienen und dem Papst und seinen Nachfolgern Treue, Ehrfurcht und Gehorsam zu erweisen. Gerade diese demonstrative Treue zum Heiligen Vater hatte Abt Maximilians Vorgänger, Altabt Gregor Henckel Donnersmarck, stets als eines der Erfolgsrezepte von Heiligenkreuz gepriesen – neben der Pflege des Gregorianischen Chorals und dem konsequenten Tragen des Habit.

Die Mönche sind „von Beruf Betende“

Während der auf die Bereitschaftserklärung folgenden Allerheiligenlitanei lag der neue Abt ausgestreckt vor dem Altar auf dem Boden, während sich alle anderen nach Osten, dem auferstandenen Herrn zuwandten. Darauf erteilte der Generalabt dem vor ihm knienden neuen Abt von Heiligenkreuz mit ausgebreiteten Händen die Abtsbenediktion: „Segne und heilige Deinen Diener Maximilian, den Du zum Abt dieses Klosters Unserer Lieben Frau vom Heiligen Kreuz erwählt hast. Schenke ihm Deine Hilfe, damit er die Last seines Amtes tragen kann. Stärke ihn, damit er allen, die unter seiner Führung geistlichen Fortschritt erstreben, Weisung gebe und Beispiel sei.“

Erst dann empfing Abt Maximilian, der bereits seit dem Tag seiner Wahl das Kloster Heiligenkreuz leitet, die Insignien seines neuen geistlichen Amtes: die Benedikts-Regel, den Ring sowie Mitra und Stab. Am Ende der zweieinhalbstündigen Liturgie erinnerte Nuntius Zurbriggen die Mönche von Heiligenkreuz daran, dass sie „von Beruf Betende“ sind. Heiligenkreuz dürfe nicht nur auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken: „Noch heute spürt man hier die vollkommene Hingabe an Christus durch Maria“, so Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen.

© Copyright Die Tagespost vom 27.4.11