Heiliger Stuhl: Armut und Hunger sind ein „Verstoß gegen die Menschenwürde“

Erzbischof Migliore appelliert an die UNO, Bemühungen zu „verdoppeln“

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NEW YORK, 8. APRIL 2008 (Zenit.org).- Die ursprünglich angesetzte Frist zur Erreichung der so genannten Millennium-Entwicklungsziele ist bereits zur Hälfte verstrichen, aber die meisten Probleme, die aus der Welt geschafft werden sollen, sind noch akuter geworden.

Auf diese gefährliche Entwicklung machte Erzbischof Celestino Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls am Hauptsitz der Vereinten Nationen, am 4. April in New York aufmerksam. In seiner Ansprache an die UN-Generalversammlung rief der Gesandte des Vatikans zu einem verstärkten Einsatz in diesem Bereich auf. Die internationale Staatengemeinschaft widmete sich dem Thema: „Erfassung des bereits Erreichten und Ansprechen der Anforderungen, um wieder auf den richtigen Weg zur Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele bis zum Jahr 2015 zu gelangen“.

„In dieser Halle setzten sich im Jahr 2000 Staats- und Regierungschefs ehrgeizige und vor allem jetzt so notwendige globale Entwicklungsziele, die bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollten“, erinnerte der Erzbischof. „In der Mitte des Weges, in dem bereits vieles getan wurde, um die Ziele zu erreichen – um die Armut zu beseitigen, den Hunger und den Analphabetismus –, ist der Mangel an der einfachsten medizinischen Versorgung immer noch sehr weit verbreitet, und in manchen Regionen verschlechtert sich die Situation sogar. Diese Schwierigkeiten in Angriff zu nehmen, die weiterhin Hunderte von Millionen von Menschen in Mitleidenschaft ziehen, bildet daher nach wie vor das Herz unserer Anliegen.“

Erzbischof Migliore beklagte, dass das Hauptziel, nämlich Hunger und Armut zu reduzieren, weiterhin schwer fassbar sei. „Meine Delegation glaubt daran, dass größere internationale Solidarität notwendig ist, wenn wir gegenüber der sich verengenden, immer stärker werdenden Kluft zwischen armen und reichen Ländern beziehungsweise zwischen einzelnen Menschen innerhalb der einzelnen Länder siegreich sein wollen“, sagte er. Internationale Hilfe sei wichtig; von größerer Bedeutung seien aber fairere Bedingungen auf dem internationalen Wirtschaftsmarkt, das heißt weniger Praktiken, die schwächere Wirtschaften benachteiligen. „Meine Delegation möchte Ihnen versichern, dass der Heilige Stuhl weiterhin aktiv bleiben wird in seinem Engagement zur Ausrottung von Armut und Hunger, die einen Verstoß gegen die Menschenwürde darstellen.“

Der Erzbischof fügte hinzu, dass der Heilige Stuhl über die Entwicklungen erfreut sei, weltweiten Zugang zur Grundbildung zu ermöglichen. In einigen der ärmsten Regionen sei es diesbezüglich zu großartigen Verbesserungen gekommen. Zugleich wies der Apostolische Nuntius aber darauf hin, dass in 58 Ländern immer noch die Gefahr bestehe, bis 2015 keinerlei Zugang zu entsprechenden Bildungsstätten zu ermöglichen, sollten nicht „doppelte Anstrengungen“ unternommen werden.

„Die Bildung unterstützt die Erreichung aller Millenniums-Entwicklungsziele“, versicherte Erzbischof Migliore. „Sie ist das effektivste Werkzeug, um Frauen und Männern die Möglichkeit zu geben, größere soziale, wirtschaftliche und politische Freiheit zu erlangen.“ Regierungen und Gesellschaften, öffentliche und soziale Einrichtungen, Eltern und Lehrer müssten in die Bildung der zukünftigen Generationen investieren, um sie auf die Anforderungen einer wachsenden globalen Gesellschaft vorzubereiten. „Vor allem müssen größte Anstrengungen unternommen werden, um gleiche Bildungsmöglichkeiten für Jungen und Mädchen anzubieten und sicherzustellen, so dass kein Kind aus rein ökonomischen und sozialen Gründen benachteiligt ist.“

Auch im Hinblick auf die Gesundheitsvorsorge, wo es Licht- und Schattenseiten gebe, rief der Vertreter des Papstes zu gemeinsamen Aktionen auf. „Während ein Fortschritt gemacht wurde, um den Kindertod zu reduzieren, hat es bei der Schwangerschaftsuntersuchung, HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose eine langsamere Entwicklung gegeben“, stellte er fest. „Der vorrangige Grund für diesen langsamen Fortschritt war der Ressourcen-Engpass und der fehlende Zugang zu den grundlegenden Gesundheitsleistungen.“

Es sei bewiesen, dass die Investition in grundlegende Gesundheitsvorsorge „einer der wirksamsten und erfolgreichsten Wege ist, um die umfassende Lebensqualität und Stabilität der Familien und Gemeinschaften zu verbessern“ – mehr als die finanzielle Förderung von selektiven, kulturfremden und ideologisch gesteuerten Dienstleistungen, die unter dem Schutzmantel medizinischer und sozialer Leistungen das Leben zerstörten.

Erzbischof Migliore sagte den Vertretern der UN-Mitgliedsstaaten die Unterstützung des Heiligen Stuhls zu und betonte, dass dieser bereit sei, durch die verschiedensten Institutionen insbesondere den den meisten unterversorgten und marginalisierteen Sektoren der Gesellschaft Zugang zur grundlegenden Gesundheitsversorgung zu verschaffen.

Die Tatsache, dass der halbe Weg zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele mit dem 60-Jahr-Jubiläum der weltweiten Deklaration der Menschenrechte zusammenfällt, veranlasste Erzbischof Migliore zu folgenden Worten: „Herz und Ziel der Menschenrechtskonvention und der Millenniums-Entwicklungsziele ist eine bessere Zukunft für alle... Mehr als Gespräche und Konferenzen erfordert die Erreichung dieser Ziele Zusammenarbeit und konkretes Handeln. Unser gemeinsamer Kampf gegen extreme Armut, Hunger, Analphabetismus und Krankheit ist nicht bloß ein Akt der Großzügigkeit und der Nächstenliebe: Es ist eine condition sine qua non für eine bessere Zukunft und eine Welt, in der alle Platz haben.“