Heiliger Stuhl: Aufruf zu echter sozialer Gerechtigkeit

Erzbischof Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UNO, warnt vor „neuen Formen von Armut“

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NEW YORK, 10. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Armutsbekämpfung setze eine entsprechende Wirtschafts- und Sozialpolitik voraus, unterstrich Erzbischof Celestino Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York, vor der 62. UN-Generalversammlung. Arme Menschen seien auf Hilfe angewiesen; selbst verfügten sie über keinerlei Möglichkeiten, Netzwerke zu entwickeln.



Der offizielle Vertreter des Heiligen Vaters lobte in seiner Ansprache, die heute vom Heiligen Stuhl veröffentlicht wurde, die Bemühungen der internationalen Staatengemeinschaft, die Millenniums-Entwicklungsziele zu verwirklichen und die Finanz- und Handelsbeziehungen gerechter zu gestalten, und bemerkte, dass sich die Debatte der vergangenen Jahre auf die Themenkreise Auslandsverschuldung, Entscheidungsbefugnis im Finanzbereich und jene Angelegenheiten bezogen hätten, die Armut verursachen oder verschlimmern – Kriege, Korruption, Drogen- und Menschenhandel.

„Während dieser Debatte größte Bedeutung zukommt, ist es gleichzeitig wichtig zu wiederholen, dass Wirtschaftspolitik nicht von der Sozialpolitik getrennt werden kann. Andernfalls erreicht weder die eine noch die andere ihr jeweiliges Ziel.“

Erzbischof Migliore beklagte, dass es „während der letzten zwölf Jahre eine klare Tendenz in Richtung klaffender Ungleichheit zwischen Reich und Arm gegeben hat, zwischen entwickelten und den sich entwickelnden oder unterentwickelten Ländern sowie innerhalb einzelner Nationen“. Offenbar habe man allgemein noch nicht vom globalen Wirtschaftswachstum in gleicher Weise profitieren können. „Die ärmeren Segmente der Gesellschaft wurden noch nicht erreicht.“

Neben traditionelleren Formen der Armut, die hauptsächlich durch eklatante Einkommensunterschiede gekennzeichnet sind, gebe es heute auch „neue Formen vonder Armut“, erklärte der Repräsentant des Heiligen Stuhls. Aufgrund fehlender Mittel und Möglichkeiten sei es in den ärmeren Gesellschaftsschichten zu einem „Verlust von gesellschaftlichen Beziehungen und Netzwerken“ gekommen, die allerdings für die „Bewahrung der persönlichen Integrität und Würde“ unbedingt vonnöten seien, führte Erzbischof Migliore aus. Besonders betroffen seien ältere Menschen, „nicht versicherte Kranken, Arbeitslose und Zuwanderer ohne Ausbildung, die nicht imstande sind, Arbeit zu finden, sowie Frauen und Kinder, die unter dem Zerfall der Familien leiden“.

Mit Berufung auf die Gültigkeit der Kopenhagener Erklärung forderte der Vertreter des Vatikans für alle Menschen gleiche Lebenschancen und die Beteiligung an den Erträgen des Wirtschaftswachstums. Die Verantwortung für die Einführung echter sozialer Gerechtigkeit liege bei der internationalen Gemeinschaft. Sie hat nach Worten des Erzbischofs die Aufgabe, das Wachstum aller Volkswirtschaften so zu steuern, dass politische Entscheidungen einzelner Staaten, die benachteiligten Bevölkerungsgruppen zum Schaden gereichen, im Vorhinein blockiert werden.

In diesem Zusammenhang verwies Erzbischof Migliore auf die grundlegende Bedeutung der Bildung hin, die er die „Grundlage aller Sozialpolitik“ nannte.

„Der Wert von Bildung geht weiter als jedes Wirtschaftswachstum“, bekräftigte er. Bildung ermögliche Menschen und Völkern, zu anderen eine Beziehung aufzubauen, „die auf gegenseitigem Respekt und Freundschaft gründet und nicht auf Zwang“. Wenn eine Gesellschaft gebildet sei, erleichtere das den Kampf gegen die Korruption, die die Entwicklung der Armen blockiere.

Abschließend forderte Erzbischof Migliore die Vertreter der UN-Mitgliedsstaaten dazu auf, die Armutsbekämpfung und die Beteiligung aller Menschen an den grundlegenden sozialen Rechten in die Zielvorgaben ihrer wirtschaftspolitischen und entwicklungspolitischen Entscheidungen aufzunehmen.