Heiliger Stuhl bei Vereinten Nationen: Religionsfreiheit verteidigen

„Die Christen sind die Religionsgemeinschaft, die wegen ihres Glaubens weltweit am meisten verfolgt werden“

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Von Inma Álvarez

NEW YORK, 29. September 2011 (ZENIT.org). - Die Achtung der Religionsfreiheit aller Menschen sei eine der drei größten Herausforderungen, gemeinsam mit der Bewältigung der humanitären Krisen und der Wirtschaftskrise, die die internationale Gemeinschaft heute angehen müsste, unterstrich Erzbischof Dominique Mamberti, Sekretär des Heiligen Stuhls für die Beziehungen mit den Staaten, in seiner Rede am Dienstag auf der 66. Tagung der UN-Generalversammlung. Der Vertreter des Vatikans sagte, die Achtung der Religionsfreiheit sei „der grundlegende Weg zum Aufbau des Friedens, zur Anerkennung der Menschenwürde und zum Schutz der Menschenrechte.“

Der Erzbischof wies darauf hin, dass die „Fälle, in denen das Recht auf Religionsfreiheit verletzt oder den Gläubigen der verschiedenen Religionen verwehrt wird, leider zahlreich“ seien.

„Es ist eine wachsende Intoleranz aus religiösen Gründen zu beobachten, und bedauerlicherweise muss festgestellt werden, dass die Christen derzeit die religiöse Gruppierung sind, die am meisten wegen ihres Glaubens verfolgt wird“, beklagte der Vatikan-Vertreter.

In diesem Zusammenhang betonte Erzbischof Mamberti vor der Versammlung, dass der Mangel an Respekt für religiöse Freiheit „eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit“ darstelle und die Realisierung einer wahren, ganzheitlichen und menschlichen Entwicklung verhindere.“

Schutz für die Minderheiten

Im Besonderen brachte der Erzbischof die Situation der religiösen Minderheiten in einigen Ländern zur Sprache.

„Die besondere Übermacht einer bestimmten Religion in einer Nation sollte niemals bedeuten, dass die Bürger, die anderen Religionen angehören, im gesellschaftlichen Leben diskriminiert werden oder, schlimmer noch, Gewalt gegen sie toleriert wird“, sagte Erzbischof Mamberti.

Vor allem wollte der Vertreter des Vatikans auf die Verfolgung von christlichen Minderheiten aufmerksam machen und betonte, dass Christen „Bürger mit dem gleichen Recht wie die anderen“ seien, „ihrem Heimatland verbunden und all ihren nationalen Pflichten gegenüber treu.“

„Es versteht sich von selbst, dass ihnen alle Bürgerrechte, Rechte der Freiheit des Gewissens und der Religion, Rechte der Freiheit im Bereich des Bildungswesens und der Erziehung sowie im Gebrauch der Medien zustehen“, erklärte der Erzbischof.

In diesem Zusammenhang wiederholte Erzbischof Mamberti die Sorge des Heiligen Stuhls, dass „wirksame Maßnahmen zum Schutz der religiösen Minderheiten dort, wo sie bedroht sind, ergriffen werden, um zu gewährleisten, dass die Anhänger jedweder Glaubensrichtung sicher leben und weiterhin ihren Beitrag zur Gesellschaft, in der sie leben, leisten können.“

Der Bischof sprach von der Bedeutung dessen, die gemeinsame Verpflichtung zur Anerkennung und Förderung der Religionsfreiheit „durch einen aufrichtigen interreligiösen Dialog zu begünstigen, der von den Vertretern der verschiedenen Religionen angestrebt und durchgeführt sowie von den Regierungen und internationalen Gremien unterstützt werden soll.“

Säkularismus

Auf der anderen Seite gebe es „Länder, in denen zwar großer Wert auf Pluralismus und Toleranz gelegt wird, die paradoxerweise aber dazu neigen, die Religion als einen Fremdfaktor in der modernen Gesellschaft anzusehen“, oder sogar „als destabilisierend, und von verschiedenen Medien wird versucht, sie auszugrenzen und jeden Einfluss ihrerseits auf das gesellschaftliche Leben zu verhindern.“

Der Erzbischof stellte der Versammlung die Frage: „Wie kann man den Beitrag der Weltreligionen zur Entwicklung der Zivilisation leugnen?“

„Die christlichen Gemeinschaften haben mit ihrem Reichtum an Werten und Prinzipien dazu beigetragen, dass sich die Menschen und Völker über ihre eigene Identität und Würde bewusst wurden. Ebenso haben sie zur Schaffung der staatlichen Rechtsorganisationen und zur Festlegung der Menschenrechte und der daraus abgeleiteten Pflichten verholfen.“

Aus diesem Grund sei es von Bedeutung, dass „die Gläubigen heute ebenso wie gestern die Freiheit haben, ihren Beitrag zur Förderung einer gerechten Ordnung in den menschlichen Gegebenheiten anzubieten, nicht nur durch den verantwortungsvollen Einsatz auf sozialer, wirtschaftlicher und politischer Ebene, sondern auch durch das Zeugnis ihrer Liebe und ihres Glaubens“, unterstrich Erzbischof Mamberti abschließend.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Spanischen]