Heiliger Stuhl: Das Schicksal von 34 Millionen Flüchtlingen verlangt eine globale Lösung

Ansprache von Erzbischof Silvano Tomasi vor dem UN-Flüchtlingshochkommissariat

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GENF, 15. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Das Schicksal von 34 Millionen Menschen, die als Flüchtlinge und Vertriebene leben, mache eine „Globalisierung“ des Schutzes ihrer Rechte dringend notwendig, erklärte Erzbischof Silvano Tomasi, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf. Der Bischof äußerte sich während der 58. Sitzung des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nation (UNHCR), in der über Hilfsmaßnahmen beraten wurde, um der stetig wachsenden Zahl von Flüchtlingen beistehen zu können.



Ende 2006 waren 32,9 Millionen Schutzbedürftige bei UNHCR registriert: rund zehn Millionen Flüchtlinge, 13 Millionen Binnenvertriebene und 5,8 Millionen Staatenlose. Während die Gesamtzahl der von UNHCR erfassten Schutzbedürftigen in den vergangenen Jahren immer rückläufig gewesen war, hat sie aufgrund der Entwicklungen im Irak und in Afrika bis zur Jahresmitte 2007 deutlich angezogen. Der weltweite Klimawandel und die sich daraus ergebenden Konsequenzen – Wüstenbildung, steigende Meeresspiegel und Wasserknappheit – seien auch dafür verantwortlich, dass immer mehr Menschen ihre Heimatregion verlassen müssten.

Erzbischof Silvano Tomasi beklagte in seiner Ansprache, dass Millionen von Menschen „in Situationen unglaublicher Demütigung und Leid versinken“. Die statistische Entwicklung belege, dass es sich bei der Entwurzelung aus der eigenen Heimat um „eine grundsätzliche Ungerechtigkeit“ handle; Hauptursache seien die anhaltenden Konflikte, die zu unmenschliche Lebensbedingungen führten, erklärte der Bischof. Zugleich verwies er darauf, was Menschen aus ihren Häusern und ihrem Herkunftsland vertreibt: „extreme Armut, Umweltzerstörung, Intoleranz und religiöse Verfolgung, Mangel an Freiheit, Mangel an Respekt für die Arbeit bei der Verteidigung der Menschenrechte“.

Entwurzelte Menschen sähen sich gezwungen auszuwandern, „weil ihre Rechte nicht anerkannt werden“, betonte der offizielle Vertreter des Heiligen Stuhls. Und er fügte hinzu: „Bei diesem Exodus werden ihre Rechte neuerlich verletzt.“

Angesichts der heutigen Situation sei ein „grundlegendes Umdenken in der Frage der Menschenwürde und der Menschenrechte für eine sinnvolle Asyl- und Flüchtlingspolitik unabdingbar“. Nur der „Respekt vor den Rechten aller Vertriebenen“ führe zu einem umfassenden Schutz, fuhr Erzbischof Tomasi fort. Sicherstellen könne man diesen Respekt nur durch eine „Globalisierung ihrer Rechte“.

Eine „globale Sicht der Menschenrechte“ kann nach Worten des Bischofs dazu beitragen, Menschen, die ihre Häuser verlassen und als Asylanten leben müssen, solange zu schützen, bis für sie eine dauerhafte Lösung gefunden werden kann. Deshalb müsse der Schwerpunkt „auf der Prävention und der Förderung von Frieden, Dialog und Versöhnung“ liegen.

Der Repräsentant des Papstes plädierte für eine neue Wettschätzung der Konfliktverhütung als sicheren Weg, um Menschenrechtsverletzungen und massive Vertreibungen zu beseitigen, da bereits allerorts eine gewisse routinemäßige Gewöhnung an die Vertreibung von Millionen von Menschen zu beobachten sei. Dieser „Intoleranz und Gleichgültigkeit“ gelte es, entschieden entgegenzutreten.