Heiliger Stuhl: Das Verbot von Streubomben-Munition, ein ethischer Imperativ

Erzbischof Tomasi fordert in Genf Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben

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GENF, 30. Januar 2008 (ZENIT.org).- Der Heilige Stuhl fordert die Beseitigung von Streubomben und jeder Form von Munition dieser Art im militärischen Kontext.

Diese Forderung richtete der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei der Sonderorganisationen der Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Maria Tomasi, am 14. Januar an die Regierungsexperten der Teilnehmerstaaten der „Konvention über das Verbot und die Einschränkung des Gebrauchs besonders heimtückischer konventioneller Waffen“.

Als „unannehmbar" bezeichnete seinerseits der „Osservatore Romano" den Einsatz solcher Waffen, und „Radio Vatikan" protestierte mit dem Hinweis darauf, dass das Verbot von Streubomben-Munition ein ethischer Imperativ sei.

Bereits im August 2005 hatte Erzbischof Tomasi im Namen des Heiligen Stuhls die internationale Gemeinschaft zur restlosen Beseitigung dieser Munition aufgefordert. 2006 schlug der Heilige Stuhl die Idee eines Moratoriums für deren Nutzung vor, und zeigte 2007 seine Zufriedenheit über die Ankündigung eines möglichen internationalen Verbots bei der Internationalen Konferenz in Oslo (vgl. Zenit vom 28. Februar 2007).

Der Vatikan veröffentlicht gestern den vollständigen Text der Genfer Rede von Erzbischof Tomasi auf Französisch und Italienisch.

Von Anfang an konnte sich Erzbischof Tomasi auf die Rede des Papstes vor dem akkreditierten Diplomatischen Corps beim Heiligen Stuhl stützen. Am Montag, dem 7. Januar 2008, hatte Benedikt XVI. die Politiker eindringlich zur Förderung der weltweiten Sicherheit aufgerufen. Dieses Engagement solle verhindern, dass Terroristen Zugang zu Massenvernichtungswaffen fänden. Ein Nichtverbreitungs-Vertrag für Atomwaffen würde dieses Unterfangen wirksamer machen, so der Papst.

Erzbischof Tomasi erklärte diesbezüglich: „Ich bekräftige die Haltung des Heiligen Stuhls, die auf der Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Oktober letzten Jahres gründet, in der er eine schnelle Antwort auf das Problem von Waffen und Munition" gefordert hatte.

Alle 30 Minuten muss ein Mensch aufgrund von tödlichen Überresten aus der Kriegszeit das Leben lassen oder aber für den Rest seines Lebens mit einer Verstümmelung leben. Und jedes Jahr werden 20.000 Zivilisten durch die Explosion von Minen oder Streubomben getötet oder verstümmelt. Diese grausame Waffenart betreffe Zivilbevölkerung und kämpfende Soldaten gleichermaßen; sie sei darauf ausgerichtet, größtmögliches Leid zuzufügen.

„Die Erfahrung zeigt uns", betonte Erzbischof Tomasi, „dass das Verbot dieser Kategorie von Waffen auf Basis von Verhandlungen im Vertrauen auf internationale Vereinbarungen nie die nationalen Sicherheit der USA in Gefahr gebracht hat."

Die eigentliche Gefahr bestehe eher darin, „übermäßig darauf zu vertrauen, dass Waffen für die nationale und internationale Sicherheit nötig sind. Die Entwicklung, das gegenseitige Vertrauen, Prävention, die Schaffung der Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben sind die Einstellungen, ohne die es weder Sicherheit noch Stabilität geben kann."

Abschließend bekräftigte der Erzbischof: „Wenn der Krieg einen Preis hat, dann hat der Frieden auch einen. Er ist in jedem Fall bei weitem der günstigere."

In der ganzen Frage gehe es um „die Erhaltung des Lebens, um die Bedingungen für ein menschenwürdiges Leben für ganze Bevölkerungsgruppen". Man stehe vor großen Herausforderungen. Aber „wenn die Vertragsstaaten darum wissen, kann man sich diesen Herausforderungen gemeinsam stellen."

[Von Anita S. Bourdin; Übersetzung aus dem Französischen von Angela Reddemann]