Heiliger Stuhl: Die Menschenrechte gehören durchgesetzt, respektiert und verteidigt

Ansprache von Erzbischof Tomasi vor dem UNO-Menschenrechtsrat

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ROM, 8. Januar 2007 (ZENIT.org).- Die diesjährigen Feiern um die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Pariser Palais de Chaillot feierlich verabschiedet wurde, könnten zum Zeugnis dafür werden, „dass jeder Mensch – als einzelner und als Mitglied einer Gemeinschaft – das Recht und die Pflicht hat, alle Menschenrechte zu verteidigen und durchzusetzen“. Das regte Erzbischof Silvano Tomasi am 10. Dezember 2007 vor den Vertretern des UNO-Menschenrechtsrates in Genf an. Die Ansprache des Ständigen Beobachters des Heiligen Stuhls wurde heute, Dienstag, vom vatikanischen Pressesaal veröffentlicht.



„Menschlich zu sein heißt, die eigene Menschlichkeit zu bejahen, indem man die Menschlichkeit der anderen anerkennt und auf dieser Basis menschenwürdige Beziehungen zu jedem Menschen aufbaut“, erklärte der Repräsentant von Papst Benedikt XVI. mit einem afrikanischen Sprichwort. „Ich kann meine eigene Würde nur vermehren – das heißt die Menschenrechte voll auskosten –, wenn ich die Würde der anderen respektiere.“

Erzbischof Silvani würdigte die UNO-Menschenrechtserklärung als einzigen und wichtigsten Bezugspunkt für jede kulturübergreifende Diskussion über menschliche Freiheit und Würde sowie als <I>die</I> Grundlage für jedes Gespräch über das Thema Menschenrechte.

Die Rechte, die in der Erklärung enthalten sind, „werden nicht von Staaten oder anderen Einrichtungen verliehen“, hob der Erzbischof hervor. Vielmehr bekräftige das Dokument, dass sie angeboren und jedem Menschen zu Eigen sind. „Die menschliche Würde geht über alle Unterschiede hinaus, und sie vereint alle Menschen in einer Familie. Daher ist es notwendig, dass alle politischen und gesellschaftlichen Institutionen die ganzheitliche Entwicklung jedes Menschen als Einzelwesen und in seiner Beziehung zur Gemeinschaft fördern.“

Aufgrund der Menschenwürde seien alle Einrichtungen und Verantwortungsträger dazu verpflichtet, für „Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit aller Menschen einzutreten und dabei auf das kulturelle und religiöse Mosaik der Welt Rücksicht zu nehmen. Gerade die Tatsache, dass wir eine menschliche Würde besitzen, die uns allen gemein ist, bildet die unabdingbare Grundlage für die gegenseitige Abhängigkeit und Unteilbarkeit der Menschenrechte.“

Die volle ganzheitliche Entfaltung des Menschen verwirkliche sich im Gemeinschaftsleben, „das seine Wurzeln wiederum in den Grundrechten und in der Würde hat, mit denen jeder Mensch ausgestattet ist“.

Beim Bemühen um die Durchsetzung der Menschenrechte müsse auf die Menschenwürde, aber auch auf die Interessen der jeweiligen Nation geachtet werden. Nur so könne ein übertriebener Individualismus und sein Gegenstück, ein übertriebener Kollektivismus, vermieden werden. Die menschliche Würde sei aber auch in allen anderen Bereichen, in denen sich Menschen betätigen, als Orientierungspunkt in Betracht zu ziehen.

Abschließend erinnerte Erzbischof Tomasi die Vertreter der internationalen Staatengemeinschaft daran, dass die vor 60 Jahren unterzeichnete Erklärung die Menschenrechte als die „Quelle des Friedens“ ansieht. Deshalb werde in Artikel 28 bekräftigt: „Jeder hat Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in der die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten voll verwirklicht werden können.“

Friede bedeute demgemäß nicht nur Gewaltlosigkeit, „sondern schließt auch Zusammenarbeit und Solidarität auf lokaler wie auf internationaler Ebene mit ein – als notwendigen Weg zur Förderung und Verteidigung des Gemeinwohls aller Völker“.

Von Dominik Hartig