Heiliger Stuhl: Europa muss auf die weltweite Hungersnot reagieren

Appell des neuen Ständigen Beobachters des Heiligen Stuhls beim Europarat

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BRÜSSEL, 18. September 2008 (ZENIT.org).- „Europa muss das Drama des Hungers in der Welt ernst nehmen und sich klar werden, dass diese Situation untragbar ist“, bekräftigte der neue Beobachter des Heiligen Stuhls beim Europarat, Msgr. Aldo Giordano.



Angesichts der Tatsache, dass die Zahl derer, die weltweit hungern müssen, aufgrund der steigenden Lebensmittelpreise von 850 auf 925 Millionen hinaufgeklettert ist – darauf hatte gestern, Mittwoch, FAO-Generaldirektor Jacques Diouf mit mahnenden Worten hingewiesen –, erklärte Giordano im Gespräch mit der italienischen Ausgabe von „Radio Vatikan“: „Wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, solche Zahlen zu hören, ohne Anstoß zu nehmen oder zu leiden“. Dass Millionen von Menschen hungerten, sei „ein Skandal“.

Das Problem des Hungers gehöre neben der Friedensförderung und dem Umweltschutz zu den globalen Herausforderungen, die Europa unbedingt in Angriff nehmen müsse.

„Europa muss sich seiner Verantwortung für die anderen Kontinente bewusst werden“, bekräftigte der Vertreter des Heiligen Stuhls. Mit Lateinamerika etwa sei der Alte Kontinent durch starke historische und kulturelle Bande verbunden. Afrika müsse man aufgrund der dort herrschenden „besonderen Not“ helfen, und Asien sollte man als „die große Herausforderung der Zukunft“ betrachten.

Die Globalisierung, die die verschiedenen Länder und Kontinente zu einem „globalen Dorf“ zusammenwachsen lasse, mache einen „Qualitätssprung“ erforderlich, so Giordano. „Es gilt, eine neue Geschwisterlichkeit zu entdecken, denn wir sind uns näher. Wir müssen entdecken, dass wir Geschwister sind. Andernfalls laufen wir Gefahr zusammenzuprallen. Wir riskieren einen Zusammenprall der Kulturen und der Zivilisationen.“

Europa werde nur dann seine eigene Identität, seine große Kultur und Tradition wiederfinden, wenn es Verantwortung übernehme, hob der Ständige Beobachter des Vatikans hervor.

Die inneren Herausforderungen, denen sich Europa gegenwärtig zu stellen hat, sind nach seinen Worten „die Wiederentdeckung des Christentums, die christliche Einheit und die Zusammenarbeit mit den anderen großen Religionen“.

Aldo Giordano wurde am 20. August 1954 in Cuneo (Italia) geboren. Die Priesterweihe ermpfing er am 28. Juli1979 in der Diozöse Cuneo. Er studierte Theologie an der Sektion Fossano (Cuneo) der Fakultät für Theologie Norditaliens, und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom promovierte er im Fachbereich Philosophie.

Als Professor der Philosophie widmete er sich in seinen Forschungen vor allem ethischen Fragen und zeitgenössischer Philosophie. Am 15. Mai 1995 wurde Giordano für ein erstes dreijähriges Mandat zum Generalsekretär des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen CCEE gewählt. Am 4. Oktober 1998 und am 3. Oktober 2003 wurde er für zwei weitere fünfjährige Mandate wiedergewählt.