Heiliger Stuhl fordert sofortige Hilfsmaßnahmen für die irakischen Flüchtlinge

Ansprache von Erzbischof Tomasi in Genf

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ROM, 4. Mai 2007 (ZENIT.org).- Die „massive Entwurzelung und Vertreibung“ von rund vier Millionen Irakern erfordere sofortige internationale Hilfsmaßnahmen, bekräftigte Erzbischof Silvano Tomasi, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, auf der Tagung des UN-Flüchtlinshochkommissariats, die vor kurzem zur Lage der Flüchtlinge im Irak und in den Nachbarländern abgehalten wurde.



„Die Welt wird im Irak Zeuge eines noch nie da gewesenen Ausmaßes von Hass und Zerstörungswut“, so der Erzbischof. „Diese Entwicklung übt als Nebenerscheinung auf die gesamte Region des Nahen Ostens einen tödlichen Einfluss aus, der im Wachsen begriffen ist.“

Der offizielle Vertreter des Heiligen Staates erinnerte seine Zuhörer an den eindringlichen Appell Johannes Pauls II., von einem bewaffneten Konflikt in dieser Region abzusehen. Der Vorgänger Benedikts XVI. hatte vor Ausbruch des Irak-Kriegs vor den verheerenden Folgen gewarnt, die eine internationale Militäroperation für die Bevölkerung dieses Landes mit sich bringen würde.

Karol Wojtyla habe damals nachdrücklich zu Verhandlungen aufgerufen, „auch wenn er sehr wohl wusste, dass Frieden um jeden Preis nicht möglich sein würde“, fuhr Erzbischof Tomasi fort.

„Die Statistiken sprechen Bände: Rund zwei Millionen Iraker, die zur Zeit landesintern vertrieben werden, und zwei weitere Millionen, die bereits aus dem Land geflohen sind, sowie zwischen 40.000 und 50.000, die jeden Monat ihre Häuser verlassen müssen.“

Der Vertreter des Heiligen Stuhles sprach sich insbesondere für den Schutz für die Kinder aus, die seinen Ausführungen zufolge die Hauptlast der Tragödie zu tragen haben. „Die Erfahrung der täglichen Gewalt und – was noch tragischer ist – die Tötung von Familienmitgliedern, was sich vor ihren Augen abspielt, traumatisiert viele Kinder, die obendrein keine professionelle Hilfe bekommen.“

Der Erzbischof beklagte, dass die meisten vertriebenen irakischen Kinder in ihrem Exil Tag für Tag aufs Neue Unsicherheit und Entbehrung erführen, keine Ausbildung erhielten, stattdessen aber hart arbeiten müssten, um gerade noch überleben zu können. „Man muss sich fragen, inwieweit ihre psychologischen Wunden ihre Zukunft prägen werden“, fügte er hinzu.

Abschließend forderte Erzbischof Tomasi die internationale Gemeinschaft dazu auf, konkrete Hilfsmaßnahmen einzuleiten, um eine regelmäßige Unterstützung der irakischen Flüchtlinge zu gewährleisten. Die Mobilisierung und Einigung aller Kräfte sei unabdingbar, um wirkungsvolle und dauerhafte Lösungen zu finden, die zu einer annehmbaren und förderlichen Koexistenz aller Bürger führten.