Heiliger Stuhl gegen die Förderung von Abtreibungen in armen Ländern

Gesundheits-Hilfen für Frauen für sichere Geburten verwenden

| 938 klicks

GENF, 21. September 2011 (ZENIT.org). - Der ständige Beobachter des Heiligen Stuhls beim Sitz der Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, hat in seiner Rede zum Thema Müttersterblichkeit auf der 18. Sitzung des Rates für Menschenrechte in Genf die vollkommene Ablehnung des Heiligen Stuhls gegenüber einer Förderung der sogenannten „sicheren Abtreibung“ in den armen Ländern Ausdruck gegeben.

„Meine Delegation betrachtet jeden Versuch, bei dem die so dringend notwendigen wirtschaftlichen Ressourcen für effektiv lebensrettende Eingriffe für umfassende Programme zur Verhütung und Abtreibung eingesetzt werden, durch welche die Zeugung neuen Lebens eingedämmt oder das Leben eines Kindes sogar zerstört werden soll, als vollkommen inakzeptabel“, betonte der Prälat in seiner Rede am 15. September.

Erzbischof Tomasi verwies auf den Bericht über „Practices in adopting a human rights-based approach to eliminate preventable maternal mortality and human rights“ (Praktiken zur Anwendung einer auf den Menschenrechten basierenden Annäherung zur Beseitigung vermeidbarer Müttersterblichkeit und Menschenrechte, A/HRC/18/27, 8. Juli 2011), mit dessen Studie er sich in dieser Sitzung befasste.

Dieser Bericht diskutiert die entsprechenden medizinischen Verfahren zur Bekämpfung der Müttersterblichkeit, denen der Heilige Stuhl zustimmt, wie zum Beispiel den Rechtsschutz von Frauen und Mädchen, die Ausweitung der Gesundheitsfürsorge, etc.

Allerdings, erläuterte er, schlage der Bericht zwei Elemente vor und definiere sie als „Aspekte einer guten Praxis“ zur Reduktion der mütterlichen Morbidität und Mortalität, nämlich zum Einen die Verbesserung „des Zugriffs zu Verhütung und Familienplanung“ und zum anderen die Lösung des Problems der sogenannten „unsicheren Abtreibung für Frauen“.

Vor diesem Hintergrund wies der Prälat darauf hin, dass die „Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgezeigt habe, dass der Tod von Frauen in Afrika vor allem durch fünf Hauptursachen verursacht werde: Krankheiten im Zusammenhang mit Bluthochdruck, mangelnde Geburtshilfe, Blutungen, Sepsis, Infektionen und Krankheiten in Verbindung mit HIV.“

„Die Interventionen zur Bewältigung dieser medizinischen Notfälle sind  Ausbildung und Nutzung von Geburtshilfe-Instrumenten, die Bereitstellung von Antibiotika und uterotonischen Medikamenten sowie die Verbesserung des Systems der Blutbanken“, so der Erzbischof. Weiterhin erklärte er es für „inakzeptabel“, die finanziellen Mittel für Empfängnisverhütung und Abtreibung zu verwenden.

Die Verantwortung der Familie

Seine Delegation halte es für wichtig, „besondere Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass dem Ehemann und der Frau die Freiheit zugesichert werde, frei von jedem sozialen oder rechtlichen Druck, die Zahl der Kinder und den Abstand zwischen den Geburten selbst verantwortungsvoll entscheiden zu können“.

„Die Absichten der Regierungen und anderer Institutionen sollte nicht anstelle des Paares Entscheidungsträger sein; vielmehr müssen soziale Bedingungen geschaffen werden, die ihnen ermöglichen, die richtigen Entscheidungen im Lichte ihrer Verantwortung vor Gott, vor sich selbst, vor der Gesellschaft, der sie angehören und vor der objektiven sittlichen Ordnung zu treffen“, betonte Erzbischof Tomasi unter Berufung auf ein Schreiben von Johannes Paul II. an den Generalsekretär der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung aus dem Jahr 1994.

Erzbischof Tomasi erinnerte auch daran, dass die Internationale Konferenz der Vereinten Nationen über Bevölkerung in Mexico City im Jahre 1984 einstimmig anerkannt habe, dass „die Abtreibung, die vorhandenes menschliches Leben zerstört, ... in keinem Fall ein Mittel der Familienplanung ist.“

„Eine Förderung der sogenannten „sicheren Abtreibung“ durch den diskutierten Bericht in dieser Sitzung des Rates für Menschenrechte oder auf eine vielleicht noch viel gewichtigere Weise durch die globale Strategie für die Gesundheit von Frauen und Kindern der Vereinten Nationen, die vom Generalsekretär der Vereinten Nationen im September 2010 ins Leben gerufen wurde, halten wir für vollkommen unannehmbar“, fügte er hinzu.

Aktionen der Kirche

Auf der anderen Seite erinnerte der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen daran, dass die katholische Kirche ein weites Netz von Gesundheitsdiensten in allen Teilen der Welt unterstütze und insbesondere für arme und ländliche Gemeinden Hilfsmittel gewähre, die oft keinen Zugang zu staatlich geförderten Dienstleistungen bekämen.

Unter anderem nannte er Dienstleistungen, die sich auf die Behandlung und die soziale Wiedereingliederung der Opfer von häuslicher Gewalt und auf die Förderung der ganzheitlichen Entwicklung und Bildung von Frauen und Mädchen spezialisierten.

„Zudem verteidigen katholische Organisationen auf globaler, regionaler, nationaler und lokaler Ebene politische Entscheidungen und Praktiken zum Schutz der Rechte von Frauen und Mädchen“, so der Erzbischof.

In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass hinsichtlich einer Senkung der Müttersterblichkeit und Morbidität zunächst die „Verbesserung des Rechtsstatus der Frauen erforderlich sei sowie die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter, die Abschaffung von Eheschließungen in frühzeitigem Alter und konsequente Förderung der Verzögerung der Aufnahme geschlechtlichen Beziehungen. Weiterhin die Verbesserung der sozialen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und Ernährungsbedingungen für Frauen und Mädchen und ebenso die Beseitigung einiger schädlicher Praktiken wie der weibliche Genitalverstümmelung und der häuslichen Gewalt“.

Abschließend erklärte er, dass darüber hinaus eine „Stärkung der Gesundheitssysteme und medizinischen Grundversorgung notwendig ist, um den Zugang und die Inanspruchnahme ausgebildeter Geburtshelfer und der Notfallgeburtshilfe bei Komplikationen zu erleichtern“, sowie „eine Verbesserung der Überwachung und Evaluierung von staatlichen Verpflichtungen, um die Verantwortung aller Beteiligten und die Durchführung der verschiedenen Maßnahmen zu gewährleisten.“

[ZENIT-Übersetzung des spanischen Originals]