Heiliger Stuhl: Internationale Katastrophenhilfe gehört besser koordiniert

Erzbischof Migliore fordert verbindlichen Schutz für humanitäre Helfer und Hilfswerke

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NEW YORK, 21. November 2007 (ZENIT.org).- Der Heilige Stuhl hat die UNO dazu aufgefordert, bei der Koordinierung von Soforthilfe-Programmen mitzuwirken, die aufgrund von Natur bedingten oder durch Menschenhand verursachten Katastrophen notwendig werden. Den Hintergrund bildeten die Zerstörungen, die in der vergangenen Woche der Wirbelsturm „Sidr“ in Bangladesch anrichtete. Der Zyklon hatte mindestens 2.300 Menschen in den Tod gerissen.



Erzbischof Celestino Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York, kam am Montag vor der UN-Vollversammlung, als es um das Thema der humanitären Nothilfe und Katastrophenhilfe ging, zunächst auf die Verwüstungen durch Konflikte und Kriege zu sprechen. Neben der hohen Zahl von Naturkatastrophen seien „zahlreiche und sehr kostspielige von Menschen gemachte Katastrophen“ zu bemerken.

„Bewaffnete Konflikte haben die Gesellschaft vielerorts verwüstetet, Leben vernichtet, die Volkswirtschaft zerstört, die Entwicklung zurückgeworfen und die Bemühungen zur Wiederherstellung des Friedens zunichte gemacht“, betonte der Vertreter des Papstes.

„Angesichts der schrecklichen Folgen von bewaffneten Konflikten müssen wir noch einmal daran erinnern, dass in den meisten unseligen Kriegsfällen alle beteiligten Parteien in vollem Umfang die Regeln und Grundsätze des Völkerrechts und des humanitären Völkerrechts erfüllen müssen – insbesondere wenn es um den Schutz der humanitären Einsatzkräfte sowie um den vollen und ungehinderten Zugang der Hilfsorganisationen zu all jenen Menschen geht, die Unterstützung benötigen.“

Erzbischof Migliore lobte die Vorkehrungen, die viele Regierungen zur Vorbeugung von Naturkatastrophen getroffen haben und darauf abzielen, die negativen Effekte, die sie verursachen, abzuwenden. „Durch die Vertiefung der Kenntnisse und die Verbesserung der Fähigkeiten der Helfer vor Ort, auf Notsituationen effizient zu reagieren, können die langfristigen Kosten und Folgen der Katastrophe reduziert werden“, fuhr er fort. „Zivile und religiöse lokale Einrichtungen arbeiten in dieser Hinsicht sehr wirkungsvoll und müssen in vollem Umfang beteiligt, unterstützt und – falls notwendig – entsprechend geschützt werden.“

Erzbischof Migliore rief die Vertreter der 192 UN-Mitgliedsstaaten dazu auf, ihre Stellung innerhalb der internationalen Gemeinschaft zur Koordinierung humanitärer Einsätze nach Katastrophen zu nutzen. „Damit diese Antwort wirksam sein kann“, so erläuterte er, „benötigen diese Organisation die volle Mitarbeit aller direkt betroffenen Staaten, insbesondere zur Gewährleistung einer vollständigen Erfüllung ihrer völkerrechtlich und international verbindlichen Verpflichtungen zur Übernahme ihrer Verantwortung beim Schutz ihrer eigenen Leute“.

Der Vertreter des Heiligen Stuhls fuhr fort: „In dem Maße, wie die humanitären Organisationen in Zahl und Vielfalt wachsen, könnten die Vereinten Nationen die Zusammenarbeit unter ihnen und ihre komplementären Fähigkeiten nutzen – dies alles unter Wahrung ihrer Unterschiede und der spezifischen Ziele und Grundsätze der jeweiligen Organisation.“

Langfristige und nachhaltige Aufbau-Maßnahmen nach einer Katastrophe sind nach Worten des Nuntius „nach wie vor eine Herausforderung und eine Notwendigkeit. Während die einzelnen Regierungen für die Entwicklung langfristiger Strategien verantwortlich sind, ist die Zusammenarbeit mit den Hilfswerken vor Ort wichtig – vor allem mit denen, die Kenntnisse über die konkrete Situation und die langfristige Nutzung von Ressourcen in der Region erworben haben. Dies könnte die unbeabsichtigten und schädlichen Auswirkungen insbesondere für die schwächsten Sektoren der Gesellschaft abfedern, wie sie beim Übergang von der humanitären Nothilfe zur Phase des Wiederaufbaus auftreten.“

Diesen Appell zur Unterstützung des langfristigen und nachhaltigen Wiederaufbaus zerstörter Regionen untermauerte Erzbischof Migliore mit dem Hinweis auf die Tatsache, dass das öffentliche Interesse in der Regel nach ersten Medienberichten schnell wieder schwinde.

„Ein stetiges Engagement ist notwendig, wenn eine nachhaltige und langfristige Unterstützung von ganzen Völkern und betroffenen Regionen erreicht werden soll. Wir begrüßen daher alle Initiativen, die sich der oft vergessen humanitären Notsituationen annehmen und gerade die finanzschwachen humanitären Bemühungen in der ganzen Welt unterstützen.“