Heiliger Stuhl macht Muslimen Lösungsvorschläge für den Frieden

Botschaft des Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog anlässlich der Beendigung des Fastenmonats Ramadan

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VATIKAN, 19. November 2003 (ZENIT.org).- Anlässlich der Beendigung des Fastenmonats Ramadan unterstrich Erzbischof Michael Louis Fitzgerald, der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, in einer Botschaft an die Muslime, wie sehr Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit den Frieden fördern. Sie blieben die Grundlage für gute und harmonische Beziehungen unter Völkern und Nationen. Ihre Frieden stiftende Eigenschaft betonte schon vor 40 Jahren der selige Papst Johannes XXIII. in seiner weithin anerkannten Enzyklika "Pacem in Terris" (Englisch).



In der Wahrheit stehe der, der anerkennt, "dass der Mensch nicht sein eigener Herr ist, sondern dazu berufen wurde, den Willen Gottes zu tun, den Willen dessen, der der Schöpfer aller Dinge und die Absolute Wahrheit ist". Diese Botschaft des Erzbischofs wurde am Montag vom Pressesaal des Heiligen Stuhls unter dem Titel "Frieden stiften heute" veröffentlicht.

"In Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen bedeutet Wahrheit Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit. Als solche ist sie ein wesentliches Element, das für gegenseitiges Vertrauen sorgt, einen fruchtbaren Dialog garantiert und damit zum Frieden führt. Es läßt uns nicht nur unsere eigenen Rechte erkennen, sondern auch die Pflichten, die wir anderen gegenüber besitzen".

"Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit, ohne Achtung der Menschenwürde und der Rechte anderer". Darüber hinaus müsse man "die Gerechtigkeit in Liebe walten lassen".

Folgerichtig ergebe sich daraus, "dass die Menschheitsfamilie eine ist, wir alle zu ihr gehören und einander als Brüder und Schwestern betrachten müssen". Erzbischof Fitzgerald bemerkte hierzu weiter, dass die Liebe "Verständnis aufbringt für die Schwäche des Nächsten und fähig macht, zu verzeihen".

"Nach einem Konflikt hilft nur die Bereitschaft zu Vergeben dabei, einen Neuanfang zu machen, Frieden zu stiften und auf Grundlagen aufzubauen, die es erlauben, eine neue Beziehung erstehen zu lassen".

"All das setzt jedoch eine freiheitliche Entscheidung voraus, die wesentlich zum Menschsein gehört. Sie ermöglicht vernünftiges Handeln und ist Grundlage für die Entwicklung eines Verantwortungsbewusstseins".

In der Tat ist "jeder von uns vor Gott für sein Handeln in der Gesellschaft verantwortlich".

Nach Erzbischof Fitzgerald ist das Gebet der "fünfte Eckpfeiler" einer solchen Friedensarbeit. "Wir kennen unsere Schwachheit. Deshalb sind wir, wenn es darum geht diesen Idealen gegenüber Treue zu wahren, auf Gottes Hilfe angewiesen".

Das gleiche habe Papst Johannes Paul II. am 24. Januar 2002 in seiner Botschaft zum Friedensgebet von Assisi gesagt, und in diesem Zusammenhang zitierte der Erzbischof: "Um zu einem Frieden zu gelangen, der die Merkmale von Ordnung, Gerechtigkeit und Freiheit trägt, ist vornehmlich ein entschiedener Einsatz im Gebet vonnöten. Gebet wiederum bedeutet Offenheit, Hinhören, Dialog und letztlich Einheit mit Gott, dem Urquell des wahren Friedens".

"Der Ramadan ist nicht nur eine Fastenzeit, sondern auch eine Zeit intensiven Gebets. Seien sie versichert, meine lieben muslimischen Freunde, dass wir ihnen jetzt im Gebet zum allmächtigen und barmherzigen Gott nahe stehen".

"Er segne sie alle. Möge dieser Segen zur Quelle des Trostes für all jene werden, die wegen bewaffneter Konflikte Leid ertragen mussten oder noch immer darunter zu leiden haben. Möge der gütige Gott uns allen die Kraft geben, als wahre Friedensstifter tätig zu sein".

Wir veröffentlichen die Botschaft von Erzbischof Fitzgerald in dieser Ausgabe im französischen Original und in der vom Pressesaal des Heiligen Stuhls gelieferten englischen Übersetzung als Dokumente.