Heiliger Stuhl: Verhaltene Freude über UNO-Moratorium der Todesstrafe

Kardinal Martino: Ungeborene werden nach wir vor diskriminiert

| 2467 klicks

ROM, 21. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Mit 104 Stimmen, 54 Gegenstimmen und 29 Enthaltungen hat die UNO-Generalversammlung am 18. Dezember ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet. Das Moratorium hat zwar politisches Gewicht und einen symbolischen Wert, ist jedoch nicht bindend.



Gegenüber der halb-offiziellen vatikanischen Tageszeitung „Osservatore Romano“ wertete Erzbischof Celestino Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UNO  in New York, die Entscheidung der UNO-Generalversammlung als „eine Auszeichnung für die geduldige diplomatische Arbeit Italiens“. Es sei Italien gelungen, „die ganze Welt einzubeziehen, und nicht nur Europa“. Im Mai wurde Italien von der EU damit beauftragt, die Resolution in Zusammenarbeit mit anderen befürwortenden Ländern abzufassen.

Erzbischof Migliore führte aus, dass die Kirche darauf bestehe, dass „das Thema der Todesstrafe in seinem größeren Zusammenhang gesehen werde“, und zwar im Rahmen „der Förderung und des Schutzes des Lebens in allen seinen Phasen und zu jedem Augenblick, von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende“.

Kardinal Renato Raffaele Martino, der 16 Jahre lang den Heiligen Stuhl bei den Vereinten Nationen vertreten hatte, bezeichnete den getanen Schritt als „bedeutend“, fügte aber hinzu, dass es damit sicher noch nicht getan sei.

„Wir müssen sehen, ob jene, die dagegen gestimmt haben, sich auch von der Vollstreckung der Hinrichtung enthalten werden, was ich bezweifle“, erklärte der Präsident der Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden sowie des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs. „Außerdem haben sich 29 Länder enthalten – meiner Meinung nach eher aus geopolitischen Überlegungen und aus Gründen der Allianz als aufgrund der Frage an sich.“

Der Kurienkardinal hob die Bemühungen der Kirche in dieser Richtung hervor. Vor allem verwies er diesbezüglich auf die Arbeit der Gemeinschaft Sant’Egidio und die Aktivität der der vielen anderen katholischen Einrichtungen und Organisationen im Bereich der „Erziehung, der Assistenz und des Zeugnisses“. Sie setzten sich unermüdlich dafür ein, dem Menschen zu dienen und „die Menschenrechte zu schützen, angefangen beim allerersten, dem Recht auf Leben“.

Der Kardinal erinnerte in diesem Zusammenhang an die „vielen Länder, die sich als Rechtsstaaten verstehen“, allerdings „in ihrer Gesetzgebung eben die Kategorie der Schwächsten und Schutzlosesten schwerstens diskriminieren: das ungeborene Kind“. Kardinal Martino sprach von „einer Art von Schizophrenie, insofern sie dem Ungeborenen bestimmte Rechte zuerkennen – beispielsweise im Bereich des Erbrechts, aber es gibt noch andere –, ihm dann aber das Hauptrecht vorenthalten, das Recht auf Leben“.

[Von Mirko Testa; Übersetzung aus dem Italienischen von Marta Valle]